The Witcher 4: CD Projekt RED spricht offen über Druck, Erwartungen und neue Wege
Die Erwartungen sind astronomisch, die Schatten riesenhaft. Wenn du wie Millionen andere Spieler von der schieren Brillanz von The Witcher 3: Wild Hunt in den Bann gezogen wurdest, dann weißt du, wovon die Rede ist. Entwickler CD Projekt RED steht vor einer kolossalen Aufgabe: Mit The Witcher 4 nicht nur an diesen Erfolg anzuknüpfen, sondern ihn zu übertreffen. Ein schier aussichtsloses Unterfangen, möchtest du meinen? Joelle Daniels hat die jüngsten Äußerungen von Narrativ-Direktor Philipp Weber zusammengetragen, die uns einen tiefen Einblick in die Gedankenwelt des Studios geben – und wie sie mit dem immensen Druck umgehen, ein Meisterwerk zu toppen, das von vielen als eines der besten Spiele aller Zeiten gefeiert wird.
Der Fluch der Exzellenz: Wie man ein „bestes Spiel aller Zeiten“ übertrifft
„Witcher 3 war eines der besten Spiele, die je gemacht wurden, wie wollen sie das noch toppen?“ – diese Frage hallt in den Korridoren von CD Projekt RED wider, und Philipp Weber gibt offen zu: „Ich denke auch: Ja, wie machen wir das bloß?“ Diese ehrliche Einschätzung zeigt die Demut und zugleich die enorme Herausforderung, der sich das Entwicklerteam gegenübersieht. Doch Weber macht auch klar, dass Qualität im Gaming keine mathematische Formel ist. Es ist kein Wert, der sich objektiv berechnen lässt. „Ich sehe Videospiele nicht als mathematisch“, betont er, und damit trifft er einen Nerv, der in der oft zahlengetriebenen Gaming-Branche leicht übersehen wird. Ein Spiel ist mehr als seine Metacritic-Wertung oder Verkaufszahlen; es ist ein Erlebnis, eine Emotion, ein Kunstwerk.
Die Philosophie bewahren, Neues wagen: Das Credo von The Witcher 4
Die Strategie, die CD Projekt RED verfolgt, ist dabei gleichermaßen kühn wie besonnen. Weber erklärt: „Ich glaube, der Weg, wie wir dem Vermächtnis von The Witcher 3 gerecht werden wollen, ist, die Philosophie zu übernehmen, die wir während The Witcher 3 hatten – wie man ein Spiel macht, wie man sich wirklich um diese Dinge kümmert, wie man Geschichten erzählt – und diese Philosophie beizubehalten.“ Das bedeutet nicht, eine bloße Kopie zu erstellen, sondern den Kern dessen zu bewahren, was The Witcher 3 so einzigartig machte.
Gleichzeitig will das Studio „neue Fragen beantworten“. The Witcher 4 soll sich wie eine echte Fortsetzung anfühlen, keine bloße Wiederholung. Es geht darum, eine gesunde Mischung aus Fortschritt und Experimentierfreude zu finden, dem bisher Erreichten gerecht zu werden, anstatt krampfhaft zu versuchen, es zu übertrumpfen. Eine kluge Herangehensweise, die den Blick von einem rein quantitativen Vergleich löst und sich auf das Wesen der Witcher-Spiele konzentriert: tiefgründige Geschichten, moralische Grautöne und eine immersive Welt.
Schönheit liegt im Auge des Spielers: Die persönliche Präferenz
Um seine Sichtweise auf die Subjektivität von Spielpräferenzen zu untermauern, offenbart Weber etwas Überraschendes: Sein persönlicher Favorit innerhalb der Franchise ist das originale The Witcher. Er räumt ein, dass es veraltete Grafik, ruckeliges Gameplay und eine insgesamt „janky nature“ aufweist. Doch trotz all dieser Unzulänglichkeiten liebt er es zutiefst. „Ich weiß, viele Leute haben damit Probleme, aber ich liebe es“, sagt er. Diese persönliche Anekdote ist mehr als nur eine nette Randnotiz; sie ist ein Manifest für die Idee, dass wahre Qualität oft jenseits technischer Perfektion liegt und im individuellen Erleben wurzelt.
Diese Erkenntnis hat Weber und sein Team bestärkt, nicht mehr dem Hirngespinst nachzujagen, das vorherige Spiel „übertreffen“ zu müssen. Stattdessen konzentrieren sie sich darauf, ein Spiel zu erschaffen, das die Spieler lieben werden. Er formuliert es prägnant: Das Studio möchte „einfach sicherstellen, dass einige Leute The Witcher 4 wirklich lieben werden, und hoffentlich sollten das die Leute sein, die The Witcher 3 lieben, denn die Philosophie, die wir hatten – wie wir Spiele machen, wie wir Quests gestalten, was The Witcher für uns bedeutet – ist dieselbe.“ Es ist ein Bekenntnis zur Identität der Marke und zu den Spielern, die sie seit Jahren begleiten.

