The Witcher 4: Autor Sapkowski hat „exzellenten“ Vertrag, wird aber kaum gefragt
Es ist eine bemerkenswerte Volte in einer der turbulentesten Beziehungen der Spielebranche. Wer erinnert sich nicht an die Zeiten, als der Schöpfer des Hexers, Andrzej Sapkowski, mit dem Säbelrasseln begann und CD Projekt RED auf millionenschwere Nachzahlungen verklagte? Diese Tage des erbitterten Streits um Tantiemen und Anerkennung scheinen nun endgültig der Vergangenheit anzugehören. In einem kürzlichen Interview bezeichnete der polnische Star-Autor seinen aktuellen Vertrag mit den Entwicklern als „exzellent“. Ein Wort, das nach Jahren des Zwists wie Balsam auf die geschundene Seele der Fangemeinde wirkt. Doch hinter der Fassade des finanziellen Friedens verbirgt sich eine neue, subtile Entfremdung.
Kreative Stille am Horizont
Während die finanziellen Ströme nun zur vollen Zufriedenheit des Autors fließen, ist der kreative Austausch zwischen ihm und dem Studio nahezu versiegt. „Es ist so selten, dass sie etwas fragen“, gestand Sapkowski kürzlich am Rande einer Buchveranstaltung. Diese Aussage steht in einem frappierenden Kontrast zu den Anfängen der Spieleserie, als die Zusammenarbeit noch enger war. Heute, da sich die Entwickler mit The Witcher 4 anschicken, das nächste große Kapitel der Saga aufzuschlagen – mit Ciri im Mittelpunkt –, scheinen sie den Rat des geistigen Vaters kaum noch zu benötigen. Das Fundament ist gelegt, doch das neue Haus baut CD Projekt nun ganz allein.
Zwei Welten, getrennte Wege
Diese wachsende kreative Distanz spiegelt auch Sapkowskis eigene Haltung zur Fortführung seiner literarischen Saga wider. Während die Spiele kanonisch nach seinem letzten Roman „Die Dame vom See“ angesiedelt sind, hält der Autor eine buchbasierte Fortsetzung für „unmöglich“. Diese Überzeugung erklärt, warum sein kommendes Werk, „Crossroads of Ravens“, eine Rückkehr in die Vergangenheit darstellt, ein Prequel, das die frühen Tage des Hexers beleuchtet. Es manifestiert eine klare Trennung: Sapkowski bleibt der unangefochtene Meister der Vergangenheit seiner Welt, während CD Projekt RED die alleinigen Architekten ihrer Zukunft sind. Die Wege des Hexers haben sich endgültig geteilt.
Das Erbe von Ciri in fremden Händen
So blickt die Welt nun auf das Jahr 2027, das als frühestmöglicher Zeitpunkt für die Veröffentlichung von The Witcher 4 genannt wird. Entwickelt auf der mächtigen Unreal Engine 5, wird es die Geschichte von Ciri weitererzählen und das Erbe Geralts in eine neue Generation tragen. Für Andrzej Sapkowski bedeutet dies die Fortsetzung einer lukrativen, aber seltsam passiven Symbiose. Er erntet die Früchte einer Welt, die seiner Fantasie entsprang, doch deren Schicksal nun von anderen Händen gelenkt wird – Hände, die nur noch selten nach seiner Führung fragen.


