Telemedizin im Kreuzfeuer: Lilly und Novo Nordisk gegen Apotheken-Kopien
Die Welt der Telemedizin steht derzeit im Zeichen eines spannenden Rechtsstreits: Trotz bestehender Vereinbarungen mit dem Pharmariesen Eli Lilly setzen einige Telemedizinpartner den Verkauf von kopierten GLP-1-Medikamenten zur Gewichtsreduktion fort. Diese Dissonanz zwischen Vereinbarung und Realität entwickelte sich, nachdem die FDA den langjährigen Mangel an Markenpräparaten für beendet erklärte.
Firmen wie Ro und Noom, die in jüngerer Vergangenheit Partnerschaften mit Lilly eingegangen sind, bieten weiterhin diese nachgemischten Versionen an. Dazu zählt auch das semaglutidehaltige Konkurrenzprodukt von Novo Nordisk, welches im Rahmen von Lillys Abmachung ebenfalls thematisiert wird. Diese Praxis stößt auf entschiedenen Widerstand seitens Lilly, das in einem Statement seinen rechtlichen Vorstoß gegen diese Kopien untermauert und auf potenzielle Risiken für die Patientensicherheit hinweist.
Einige Telemedizinunternehmen haben eilig die Lücke genutzt, die durch den ursprünglichen Mangel entstanden war, indem sie günstigere Alternativen zu Markenmedikamenten wie Lillys Zepbound und Novos Wegovy anboten. Der entscheidende Vorteil: Die chemischen Grundbestandteile, etwa Tirzepatide für Lilly und Semaglutide für Novo, konnten ohne großen regulatorischen Aufwand anderswo produziert werden. Mit dem Ende dieser Knappheit rief die FDA jedoch das Verbot der patentverletzenden Kopien aus. Nichtsdestotrotz wagen es bestimmte Apotheken, eine eigene Interpretationsschleife zu nutzen, die ihnen erlaubt, "maßgeschneiderte" Behandlungen anzubieten.
In diesem Zusammenhang scheinen auch bekannte Plattformen wie Hims & Hers einen Mittelweg zu beschreiten. Das Unternehmen deklarierte, dass maßgeschneiderte Behandlungen im rechtlichen Rahmen angeboten werden können, um individuelle medizinische Bedarfe zu decken. Während Hims & Hers nicht zur Partnerschaftsplattform von Lilly gehört, steht es doch in Abstimmung mit Novo Nordisk, wie CEO Andrew Dudum in einem Gespräch bekanntgab, und ist darüber hinaus bestrebt, in Wachstumsdialoge mit Lilly zu treten.
Die Pharma-Schwergewichte Lilly und Novo lassen jedoch nicht locker und haben etliche Klagen gegen die Replikationsstellen angestrengt, um die Produktion und den Verkauf dieser Imitationen zu unterbinden. Auch werben sie gegen irreführende Darstellungen, die solche GLP-1-Kopien als FDA-genehmigt oder wirkungsvoller als ihre Original-Brüder anpreisen.

