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Telefónica flirtet mit 1&1 – kommt jetzt die große Übernahme?

23. Oktober 2025, 13:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Telefónica und 1&1 nähern sich nach Jahren des Konflikts an, um Kooperationen zu besprechen. Eine Übernahme könnte den deutschen Mobilfunkmarkt grundlegend umgestalten.

Alte Rivalen, neue Nähe

Noch vor zwei Jahren war das Verhältnis zwischen 1&1 und Telefónica frostig. Statt Zusammenarbeit herrschten Gerichtsverfahren, Streit um Netzkapazitäten und öffentliche Spitzen. Jetzt deutet sich eine überraschende Wende an: Laut Handelsblatt sprechen beide Seiten wieder miteinander – über eine mögliche neue Kooperation, langfristig sogar über eine Übernahme.

Hinter den Kulissen soll vor allem der Mutterkonzern United Internet eine zentrale Rolle spielen. Der Konzern um Gründer Ralph Dommermuth hält knapp 78 Prozent an 1&1 und dürfte in jedem Szenario das entscheidende Wort haben. An der Börse sorgt das für Fantasie: Die United-Internet-Aktie legte am Montag über 6,7 Prozent zu, die Papiere von 1&1 stiegen um gut 3 Prozent.

Warum der Annäherung jetzt der richtige Moment kommt

Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Telefónica Deutschland steckt in einer strategischen Zwickmühle: Die Auslastung des eigenen Netzes sinkt, der Wettbewerb nimmt zu, und der Mobilfunkmarkt in Deutschland gilt als weitgehend gesättigt. Gleichzeitig kämpft 1&1 mit hohen Ausbaukosten für das eigene Netz – und mit der schleppenden Umsetzung.

Vor diesem Hintergrund wirkt eine Kooperation plötzlich wieder attraktiv. Telefónica könnte 1&1 wieder als Wholesale-Partner einbinden und so freie Kapazitäten nutzen, während 1&1 kurzfristig Kosten spart und Zugang zu einer besseren Netzabdeckung erhält.

Dass beide Seiten nach Jahren der Funkstille wieder miteinander sprechen, dürfte auch mit einem Personalwechsel zusammenhängen: Der angekündigte Abgang von Telefónica-Deutschland-Chef Markus Haas öffnet Spielraum für einen Neustart im Verhältnis.

United Internet als stiller Gewinner

Für United-Internet-Chef Ralph Dommermuth wäre eine Übernahme seines Tochterunternehmens 1&1 durch Telefónica ein Coup – und eine mögliche Befreiung aus einer teuren Baustelle. Der Netzausbau, den Dommermuth ursprünglich als strategischen Befreiungsschlag plante, hat sich zu einem Milliardengrab entwickelt.

Eine Integration in Telefónicas Netz könnte die Position von United Internet erheblich stärken. Der Konzern könnte sich wieder stärker auf margenstarke Digitalgeschäfte und Cloud-Dienste konzentrieren – und würde zugleich Wertpotenzial aus der 1&1-Beteiligung heben.

Die Börse scheint diese Perspektive zu teilen: Die United-Internet-Aktie markierte am Montag ein neues Jahreshoch und zählt damit zu den besten Werten im MDAX.

Was wirklich hinter der Übernahmefantasie steckt

Trotz aller Euphorie: Noch handelt es sich um frühe Gespräche, betonen Insider. Ob es tatsächlich zu einem Deal kommt, ist offen. Klar ist aber: Beide Unternehmen stehen unter Druck – und der Markt für Telekommunikation in Deutschland ist in Bewegung.

Ein Zusammenschluss oder eine strategische Kooperation könnte Effizienzvorteile schaffen, etwa durch gemeinsame Nutzung von Funkmasten, Frequenzen und Glasfaseranbindungen. Zugleich würde Telefónica mit einem Kauf von 1&1 den einzigen neuen Netzbetreiber im Land neutralisieren – ein strategisch kluger Zug, wenn auch kartellrechtlich nicht ohne Risiko.

Ein mögliches Hindernis: Die Bundesnetzagentur und die EU-Kommission. Sie dürften bei einer echten Übernahme sehr genau prüfen, ob die Marktvielfalt gewahrt bleibt.

Dommermuths Dilemma

Für Ralph Dommermuth ist die Situation ambivalent. Einerseits hat er mit dem 1&1-Netzausbau seinen Ruf als Visionär unter Beweis stellen wollen. Andererseits steht das Projekt heute symbolisch für Kosten, Komplexität und technische Rückschläge.

Ein Verkauf an Telefónica – selbst nur teilweise – könnte die Wende bringen: weg vom operativen Ballast, hin zu strategischer Fokussierung. Dommermuth könnte seinen Aktionären zeigen, dass er flexibel genug ist, um auch alte Rivalen wieder an den Tisch zu holen, wenn es wirtschaftlich Sinn ergibt.

Anleger wittern Aufwind

Für Investoren hat das Thema zwei Seiten: kurzfristig Fantasie, langfristig Potenzial. Denn sollte Telefónica tatsächlich bei 1&1 einsteigen, könnte United Internet eine deutliche Neubewertung erfahren. Analysten sehen bereits Kursziele jenseits der 30-Euro-Marke – aktuell notiert die Aktie bei rund 28 Euro.

„Eine Kooperation oder Beteiligung von Telefónica wäre für beide Seiten sinnvoll“, sagt ein Branchenkenner. „Telefónica braucht Volumen, 1&1 braucht Netzqualität, und United Internet braucht Entlastung.“

Die Macht der Gerüchte

Wie konkret die Gespräche sind, bleibt unklar. Doch allein die Aussicht auf einen Schulterschluss reicht, um Bewegung in den Markt zu bringen. An der Börse spricht man längst vom „Comeback der alten Partner“.

Sicher ist: Der deutsche Mobilfunkmarkt steht vor einer Neuordnung. Wenn Telefónica und 1&1 tatsächlich wieder gemeinsame Sache machen – und womöglich sogar fusionieren –, könnte das die gesamte Branche verändern.

Ein Déjà-vu mit Potenzial

Vor Jahren trennten sich Telefónica und 1&1 im Streit, weil jeder seinen eigenen Weg gehen wollte. Heute zwingt die Realität beide wieder zusammen. Die einen brauchen Wachstum, die anderen Stabilität.

Und manchmal – das zeigt dieser Fall – ist der Weg nach vorn genau der, den man längst hinter sich glaubte.

Finanzen / Unternehmen / Telekommunikation / Übernahme / Mobilfunk
[InvestmentWeek] · 23.10.2025 · 13:00 Uhr
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