Supreme Court-Prüfung: Bayer im Fokus der Glyphosat-Debatte
Der Bayer-Konzern steht im milliardenschweren Glyphosat-Rechtsstreit in den USA vor einem potenziellen Wendepunkt. Der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten hat sich dazu entschieden, einen der Fälle zu prüfen, die von zentraler Bedeutung für den Konzern sind. Im Kern der Untersuchung steht die Frage, ob Klagen aufgrund fehlender Warnhinweise auf Unkrautvernichterverpackungen zulässig sind, wenn eine solche Anforderung nicht von der amerikanischen Umweltschutzbehörde EPA gestellt wurde. Ursprünglich wurde der Fall des Klägers John Durnell im Oktober 2023 in St. Louis verhandelt. Die Geschworenen urteilten, dass Bayer verpflichtet gewesen sei, eine Krebswarnung auf dem Unkrautvernichter Roundup anzubringen, was zur Zusprache eines Schadenersatzes von 1,25 Millionen Dollar führte. Bayer hat diesen Fall ausgewählt, um vor dem höchsten Gericht der USA eine Grundsatzentscheidung zu erzwingen.
Das Unternehmen argumentiert, dass die EPA in ihrer Bewertung des Produkts keine Gesundheitsrisiken festgestellt habe, solange es gemäß den Vorschriften angewendet wird. Aufgrund der Genehmigung des Produkts ohne Warnhinweis durch die EPA sieht Bayer keinen rechtlichen Raum für Schadensansprüche, die auf einzelstaatlichem Recht beruhen. Die Entscheidung des Supreme Court, den Fall zu prüfen, wurde durch die Unterstützung des Solicitor General, einem hochrangigen Vertreter der US-Regierung, bekräftigt. Bayer hat bereits im Herbst seine Rückstellungen für solche Fälle erhöht und nennt Vergleichsvereinbarungen sowie einen leichten Anstieg der Klagen als Gründe. Bis Mitte Oktober wurden 197.000 Ansprüche registriert, von denen etwa 132.000 bereits verglichen oder als nicht vergleichbar eingestuft wurden.
Seit der Übernahme von Monsanto im Jahr 2018 hat sich Bayer mit einer Vielzahl von Klagen konfrontiert gesehen, die nach einer ersten Niederlage in einem Glyphosat-Prozess stark zunahmen. Konzernchef Bill Anderson hat seit Juni 2023 die klare Zielvorgabe, die Anzahl der Prozesse bis Ende 2026 deutlich zu reduzieren. Die Entscheidung des Supreme Court bezeichnete der DAX-notierte Konzern als positive Nachricht, die dazu beitragen kann, die regulatorischen Rahmenbedingungen für US-Landwirte zu klären und die Strategie von Bayer zur Eindämmung der Rechtsstreitigkeiten voranzutreiben.

