Stillstand in der Reformpolitik: Fragen über Fragen zur Zukunft
Carsten Linnemann hatte hohe Erwartungen geweckt: Ein Herbst voller tiefgreifender Reformen wurde beschworen. Doch die Ankündigungen blieben bisher ohne durchschlagenden Erfolg. Stattdessen verabschiedete das Kabinett am Mittwoch erneut Gesetze, die selbst bei Ökonomen, die selten einer Meinung sind, keine Begeisterungsstürme hervorrufen. Linnemanns Ruf als unerschütterlicher Reformator wird unterdessen auf die Probe gestellt, während Kritiker, wie die Linke Reichinnek, spöttische Untertöne anschlagen. Anstatt seine Integrität infrage zu stellen, sehen viele Linnemann als Symbolfigur eines dreifachen Dilemmas, aus dem es scheinbar keinen Ausweg gibt. Ein erster Stolperstein ist der Koalitionspartner SPD, der bei entscheidenden Reformen immer wieder ausgebremst. Die CSU, die eigentlich in gemeinsamer Front agieren sollte, entpuppt sich ebenfalls als unzuverlässiger Weggefährte. Und nicht zuletzt steht Linnemann der Widerstand aus der eigenen Partei im Weg. Wie Linnemann beabsichtigt, einen Politikwechsel trotz dieser Herausforderungen zu initiieren, bleibt unklar. Ebenso offen ist die Frage, welchen Herbst er ursprünglich im Blick hatte, als er seine Versprechungen machte.

