Standard Chartered steigert Quartalsgewinn um 44 Prozent
Standard Chartered hat im zweiten Quartal einen Vorsteuergewinn von 2,3 Milliarden Dollar erzielt – ein Anstieg von 44 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Getrieben wurde das Ergebnis durch einen einmaligen Veräußerungsgewinn von 238 Millionen Dollar aus dem Verkauf der Beteiligung an Solv India sowie Rekordzuflüsse im Wealth Management.
Einlagen in der Vermögensverwaltung erreichten mit 16 Milliarden Dollar einen neuen Höchststand. Die Kapitalrendite (Return on Tangible Equity) stieg auf 17,9 Prozent – deutlich über den Erwartungen von 11,7 Prozent. Auch der Unternehmensbereich Global Markets legte zu: Die Erträge aus dem Makrohandel stiegen im Jahresvergleich um 52 Prozent.
Weniger positiv entwickelte sich das Nettozinsergebnis, das auf 2,7 Milliarden Dollar sank – ein Rückgang um 4 Prozent gegenüber dem Vorquartal auf konstanter Währungsbasis. Als Grund nannte die Bank die gesunkenen Zinsen in Hongkong, ausgelöst durch regulatorische Eingriffe zur Stabilisierung des Währungskurses gegenüber dem US-Dollar.
Konzernchef Bill Winters nutzte die Bilanzvorlage, um Unternehmen zu kritisieren, die ihre ESG-Verpflichtungen im Zuge des politischen Klimawandels aufgegeben hätten: „Schande über diejenigen, die jetzt schweigen oder sogar das Gegenteil sagen“, so Winters. Er lobte Firmen, die an ihren Zusagen gegenüber Stakeholdern festhielten – unabhängig von politischem Druck.
Gleichzeitig äußerte Winters scharfe Kritik an den Kürzungen von Entwicklungshilfe durch die Regierungen in den USA und Großbritannien. Als Beispiel nannte er die Rückkehr der Boko-Haram-Miliz in Nigeria, die laut UN mit gekürzten Lebensmittelhilfen in Zusammenhang stehe.
Der Kostenausblick bleibt unter Beobachtung: Die operativen Ausgaben stiegen um 6 Prozent auf 3,1 Milliarden Dollar, unter anderem durch Neueinstellungen im Relationship Management für vermögende Kunden. Die Bank verfolgt das Ziel, bis 2029 netto 200 Milliarden Dollar an frischem Kundenkapital einzuwerben.
Insgesamt legte der Vorsteuergewinn der Sparte Wealth and Retail Banking im ersten Halbjahr um 8 Prozent zu. Der Bereich Corporate and Investment Banking wuchs um 13 Prozent auf 3,4 Milliarden Dollar. Gleichzeitig kündigte Standard Chartered eine Zwischendividende von 12,3 Cent je Aktie sowie ein Aktienrückkaufprogramm im Umfang von 1,3 Milliarden Dollar an.
Die Aktie schloss am Donnerstag in Hongkong 1 Prozent im Minus bei 142 HK-Dollar. Analysten von Citi bewerteten die Zahlen als „gut“, wiesen jedoch auf das schwache Zinsergebnis als dämpfenden Faktor hin.

