Disciples: Domination im Test – würdiger Nachfolger oder verpasste Chance?
Mit Disciples: Domination kehrt eine der bekanntesten rundenbasierten Strategie Reihen zurück, diesmal jedoch unter der Leitung eines neuen Entwicklerstudios. Der Wechsel hinter den Kulissen war bereits im Vorfeld ein spannendes Thema, denn nach dem Vorgänger Liberation stellt sich zwangsläufig die Frage, in welche Richtung sich die Serie weiterentwickelt. Gerade dieser Umbruch sorgt für hohe Erwartungen. Bleibt alles beim Alten oder nutzt das neue Team die Chance für frische Ideen und echte Weiterentwicklung? Kann Disciples: Domination die Stärken des Vorgängers ausbauen und gleichzeitig neue Akzente setzen oder spielt man zu sehr auf Nummer sicher? Das und mehr klären wir jetzt gemeinsam in unserem ausführlichen Test!
Worum geht´s
In Disciples: Domination kehren wir zurück in die düstere Fantasywelt Nevendaar, die fünfzehn Jahre nach den Ereignissen des Vorgängers erneut am Abgrund steht. Wir schlüpfen wieder in die Rolle von Königin Avyanna, die ihr zerfallendes Reich zusammenhalten muss, während Intrigen, rivalisierende Fraktionen und eine mysteriöse Bedrohung das Land ins Chaos treiben.

Wir erkunden Regionen und Dungeons, treffen politische Entscheidungen im Thronsaal und bauen unsere Armee auf, bevor es in rundenbasierte taktische Kämpfe geht. Dabei gilt es, das Gleichgewicht zwischen Herrschaft, Diplomatie und Krieg zu halten, denn jede Entscheidung beeinflusst den Verlauf der Geschichte und das Schicksal des Reiches. Im Kern verbindet Domination klassische Strategie mit Rollenspiel Elementen, setzt stärker auf Herausforderungen und lässt uns aktiv darüber entscheiden, ob Nevendaar stabilisiert wird oder endgültig im Machtkampf zerbricht.
Das Spielprinzip
Disciples: Domination bleibt seinen Wurzeln treu und setzt auf eine Mischung aus rundenbasierter Strategie und klassischen Rollenspiel Elementen. Auf der Weltkarte erkunden wir Regionen, sichern Ressourcen, erfüllen Quests und bauen unsere Streitkräfte gezielt aus. Der Fokus liegt klar auf taktischen Kämpfen, bei denen jede Einheit ihre feste Position hat. Die Fähigkeiten sowie Synergien eurer Streitkräfte entscheiden über Sieg oder Niederlage.
Zwischen den Gefechten treffen wir im Thronsaal politische Entscheidungen, verwalten unser Reich und reagieren auf Ereignisse, die direkten Einfluss auf Moral, Wirtschaft und ein wenig auf den Storyverlauf haben. Gleichzeitig entwickeln sich Helden und Truppen weiter, lernen neue Fähigkeiten und werden an den eigenen Spielstil angepasst. Das Spiel fordert damit nicht nur Gelegenheitsspieler, sondern auch die eingefleischten Taktiker unter euch, denn ihr benötigt Weitsicht bei langfristigen Entscheidungen.
Das Kampsystem im Detail
Das Kampfsystem bleibt der Reihe treu und setzt weiterhin auf rundenbasierte, taktische Gefechte auf Hex Feldern aus der Iso Perspektive. Wer den Vorgänger kennt, findet sich sofort zurecht, denn die Grundmechaniken wurden übernommen und sinnvoll verfeinert. Gleichzeitig sorgt das insgesamt verbesserte Balancing dafür, dass Kämpfe fairer wirken, auch wenn diese stellenweise durchaus fordernd sein können.
Im Kampf stehen euch drei Arten von Aktionspunkten zur Verfügung. Blaue Punkte dienen ausschließlich der Bewegung, rote Punkte werden für Angriffe verwendet und gelbe Punkte lassen sich flexibel einsetzen. Dieses System eröffnet viele taktische Möglichkeiten und zwingt euch dazu, jeden Zug gut zu planen. Positionierung spielt eine entscheidende Rolle, da jede Einheit eine feste Rolle einnimmt und das Zusammenspiel der Fähigkeiten sowie Synergien eurer Truppe oft über Sieg oder Niederlage entscheidet.

Durch die große Anzahl an Kämpfen werdet ihr das System schnell verinnerlichen. Gerade auf höheren Schwierigkeitsgraden zeigt sich, wie wichtig eine durchdachte Aufstellung und das richtige Timing von Fähigkeiten sind. Selbst auf dem normalen Schwierigkeitsgrad können Begegnungen spürbar anspruchsvoll sein, während die höchste Stufe nur etwas für erfahrene Taktik Spieler ist. Die neu integrierten Schwierigkeitsoptionen lassen sich zudem an die eigenen Bedürfnisse anpassen und sorgen dafür, dass sowohl Einsteiger als auch Veteranen gefordert werden.
Positiv fällt auf, dass sich das Kampfsystem wie gewohnt fast wie eine Partie Schach mit deutlich mehr Interaktionsmöglichkeiten anfühlt. Jede Entscheidung hat Konsequenzen, und unüberlegte Züge werden schnell bestraft. Gleichzeitig kann die hohe Zahl an Gefechten dazu führen, dass sich einzelne Abschnitte etwas ziehen, besonders wenn man systematisch jede Region säubert. Technisch läuft das Ganze überwiegend stabil, auch wenn es vereinzelt zu kleinen Framerate Einbrüchen auf der Weltkarte kommen kann. Im Kampf selbst bleibt die Performance jedoch konstant, sodass der Spielfluss nicht gestört wird.
Das Kampfsystem bietet klassische Disciples Taktik mit genug Tiefe, um langfristig zu motivieren, auch wenn echte große Neuerungen im Vergleich zum Vorgänger eher ausbleiben. Durch die verhältnismäßig vielen Kämpfe im Spiel kann sich zudem schnell eine gewisse Eintönigkeit bemerkbar machen. Insgesamt liefert das Kampfsystem aber trotzdem genau das, was Fans von einem neuen Disciples erwarten, nämlich rundenbasierte fordernde Kämpfe!
Grafik und Zwischensequenzen
Grafisch macht Disciples: Domination für das Genre insgesamt eine gute Figur. Die Spielwelt wirkt stimmig, die einzelnen Gebiete sind teilweise recht weitläufig und liebevoll detailliert gestaltet. Gerade beim Erkunden fällt auf, dass viel Wert auf Atmosphäre gelegt wurde und die düstere Fantasy Stimmung gut transportiert wird. Insgesamt gibt es bei der Grafik wenig zu bemängeln, auch wenn sie keine technischen Maßstäbe setzt.
Die Iso Perspektive passt dabei hervorragend zum Spielprinzip und sorgt für eine gute Übersicht auf der Weltkarte sowie in den einzelnen Regionen. Charaktermodelle und Umgebungen fügen sich sauber ins Gesamtbild ein und vermitteln einen hochwertigen Eindruck, der zum Stil der Reihe passt. Bei den Zwischensequenzen zeigt sich allerdings ein eher nüchternes Bild. Während das Spiel insgesamt detailliert und hochwertig wirkt, fallen die Cutscenes qualitativ etwas ab und erreichen nicht ganz das Niveau des restlichen Spiels. Sie erfüllen ihren Zweck und sind für das Genre absolut in Ordnung, dennoch hätte man hier spürbar mehr Feinschliff erwarten dürfen.
Hinzu kommt, dass nur die Hauptstory weitgehend vertont ist, während viele andere Gespräche lediglich als Text präsentiert werden, was den ein oder anderen Spieler aus der Immersion reißen kann. Die Untertitel erfüllen zwar ihren Zweck aber eine etwas ausgedehntere Vertonung wäre definitiv kein Fehler gewesen. Unterm Strich liefert Disciples: Domination eine solide Präsentation mit starker Atmosphäre, aber Schwächen bei den Zwischensequenzen.
Rollenspielelemente
Die Rollenspielelemente gehören zu den zentralen Bestandteilen von Disciples: Domination und geben dem Spiel deutlich mehr Tiefe als ein klassischer Strategie Ableger. Im Mittelpunkt steht eure Heldin, die nicht nur Armeen anführt, sondern selbst aktiv stärker wird, Fähigkeiten freischaltet und durch Entscheidungen Einfluss auf den Spielverlauf nimmt. Durch Levelaufstiege lassen sich neue Talente und Fertigkeiten freischalten, wodurch ihr euren Spielstil gezielt anpassen könnt. Ob stärker auf Kampf, Unterstützung oder taktische Vorteile ausgelegt, die Progression fühlt sich sinnvoll an und belohnt längeres Spielen. Auch Ausrüstung spielt eine wichtige Rolle, da Waffen und Rüstungen spürbare Auswirkungen auf Werte und Fähigkeiten haben.
Ein weiterer großer Punkt sind Entscheidungen in Dialogen und Quests. Diese beeinflussen Beziehungen zu Fraktionen, schalten neue Einheiten frei oder verändern kleinere Storyverläufe. Dadurch entsteht ein gewisser Wiederspielwert, auch wenn die Konsequenzen nicht sehr massiv ausfallen. Zusätzlich sorgt das Rekrutieren und Aufwerten von Einheiten für einen starken RPG Charakter. Truppen entwickeln sich weiter, können verbessert werden und werden langfristig Teil eurer Armee, was eine gewisse Bindung erzeugt.

Item Drop
Der Item Drop fällt im Spiel vergleichsweise übermäßig großzügig aus. Gerade wenn man Gebiete gründlich säubert und viele Kämpfe mitnimmt, sammelt sich schnell hochwertige Ausrüstung an. Seltene und legendäre Gegenstände tauchen häufiger auf als man es erwarten würde, was den Fortschritt zwar motivierend wirken, langfristig es aber etwas Eintönig werden lässt. In Kombination mit der Schmiede, in der Gegenstände zusätzlich aufgewertet werden können, entsteht relativ früh ein Gefühl von Überfluss. Dadurch verliert die Entscheidung für neue Ausrüstung teilweise an Gewicht, da man selten wirklich Mangel hat. Besonders Spieler, die alles erkunden und jeden Kampf mitnehmen, profitieren stark davon und geraten kaum in Ausrüstungsengpässe.
Durchhaltevermögen
Hier zeigt sich eine der größten Schwächen des Spiels oder besser gesagt des Genres. Durch die sehr hohe Anzahl an Kämpfen entsteht schnell ein Gefühl von Eintönigkeit. Zwar funktioniert das taktische Kampfsystem gut und bietet genug Tiefe, doch die ständige Wiederholung ähnlicher Gefechte kann auf Dauer ermüdend wirken. Besonders wenn man Gebiete gründlich säubert, reiht sich Kampf an Kampf, wodurch der Spielfluss an Tempo verliert. Diese Struktur verlangt einiges an Geduld, da sich der Fortschritt häufig weniger durch neue erzählerische Impulse als durch weitere Gefechte bemerkbar macht. Machen euch taktische Kämpfe Spaß, wird euch das weniger stören, andere hingegen könnten das Spieltempo als zu zäh oder langweilig empfinden.

