Stärkere gesellschaftliche Anpassung im neuen sicherheitspolitischen Umfeld angemahnt
Der Vorsitzende des Nato-Militärausschusses, Admiral Rob Bauer, hat zum Auftakt einer zweitägigen Sitzung in Brüssel eine stärkere gesellschaftliche Anpassung an das neue sicherheitspolitische Umfeld mit Blick auf Russlands Krieg gegen die Ukraine gefordert. In seiner Ansprache betonte Bauer, dass die Verantwortung für die Freiheit nicht allein auf den Schultern der Menschen in Uniform liegen dürfe. Stattdessen sei ein gesamtgesellschaftlicher Ansatz nötig, um sowohl die gemeinsame Verteidigung zu stärken als auch die Ukraine in ihrem Existenzkampf zu unterstützen.
Bauer appellierte an öffentliche und private Akteure, ihre Denkweise gegenüber einer Zeit zu ändern, in der alles planbar, vorhersehbar, kontrollierbar und auf Effizienz ausgerichtet war. Angesichts der aktuellen Entwicklungen lebten wir nun in einer Zeit, in der alles jederzeit passieren könne und man stets mit dem Unerwarteten rechnen müsse. Daher sei eine enge Zusammenarbeit zwischen dem öffentlichen und dem privaten Sektor von großer Bedeutung.
In Bezug auf Russlands Krieg gegen die Ukraine betonte Bauer, dass es dabei nie um eine echte Sicherheitsbedrohung für Russland gegangen sei. Vielmehr fürchte die dortige Führung die Demokratie, die mächtiger sei als jede physische Waffe auf der Erde. Bauer erklärte, dass es in diesem Krieg eigentlich darum gehe, dem ukrainischen Volk demokratische Rechte zu ermöglichen. Denn wenn die Menschen in der Ukraine demokratische Rechte ausüben könnten, würden sich auch die Menschen in Russland danach sehnen. Hierfür sei das ukrainische Volk ein Leuchtfeuer in der Dunkelheit des Krieges, das der Welt zeige, wie wichtig es sei, für das zu kämpfen, woran man glaube. Bauer stellte mit einem Augenzwinkern fest, dass es heute der 693. Tag sei, den Russland für einen dreitägigen Krieg gehalten habe, in Anspielung auf russische Planungen für einen schnellen Einmarsch in Kiew.
An der Sitzung des Militärausschusses nimmt auch Generalinspekteur Carsten Breuer von der Bundeswehr teil. Das Gremium stellt die oberste militärische Instanz der Nato dar und unterstützt die Entscheidungsprozesse der zivilen Führung in militärischen Angelegenheiten. Im Rahmen eines Nato-Ukraine-Rats war zudem ein Austausch mit ukrainischen Militärs geplant. (eulerpool-AFX)

