Stablecoins drängen in den Zahlungsverkehr – doch Karten bleiben das Maß der Dinge
Mit dem jüngsten Kursanstieg von Coinbase (+12,1 %) und Circle nach dem US-Senatsbeschluss zur Regulierung von Stablecoins wächst die Hoffnung auf eine echte Alternative zu klassischen Kartenzahlungen. Zugleich verzeichneten Visa und Mastercard im Juni ihre schwächste Monatsperformance seit Jahren – ein Signal, das Marktteilnehmer nicht ignorieren.
Stablecoins – digitale Token mit festem Gegenwert zu Fiat-Währungen wie dem US-Dollar – haben technologisch das Potenzial, Zahlungen günstiger und schneller über öffentliche Blockchains abzuwickeln. In Märkten mit eingeschränktem Zugang zu Dollar-Konten, etwa in Schwellenländern, könnten sie eine echte Lücke schließen. Erste große Händler prüfen laut Wall Street Journal sogar die Ausgabe eigener Coins, um sich von Kartengebühren zu befreien.
Doch im etablierten US-Zahlungssystem sprechen die wirtschaftlichen Anreize gegen eine schnelle Disruption. Karten bieten nicht nur universelle Akzeptanz und Sicherheitsmechanismen, sondern auch ausgeklügelte Belohnungssysteme – meist finanziert aus den Interchange Fees der Händler. Diese Vergütungen fehlen Stablecoins bislang. Zwar erzielen Emittenten wie Circle durch Reservefonds Zinserträge, doch diese fließen nicht automatisch an Nutzer oder Händler zurück.
Visa und Mastercard wiederum ruhen sich nicht aus. Beide ermöglichen heute schon Stablecoin-gestützte Transaktionen auf bestehenden Kartenplattformen. Händler erhalten Zahlungen wie gewohnt, ohne Infrastrukturumbau. Gleichzeitig testen beide Netzwerke Modelle, bei denen auch Händler direkt in USDC oder anderen Coins vergütet werden können.
Ein weiteres Hindernis bleibt der Zugang zu Kredit. Während Stablecoins primär bestehende Guthaben mobilisieren, bedarf es für echte Kredittransaktionen einer Kombination aus Emittent, Kreditgeber und Zahlungsnetzwerk. Genau hier setzen Kooperationen wie jene zwischen Coinbase und American Express an, die gemeinsam eine Stablecoin-basierte Kreditkarte mit Belohnungssystem einführen wollen.
Für Großhändler wie Starbucks eröffnet sich darüber hinaus ein eigener Spielraum: Wer Kundenbindungsprogramme über Prepaid-Guthaben organisiert, kann diese künftig auch als Coin-strukturierte Wallets ausgeben – und darauf Zinsen verdienen. Doch dieser Weg bleibt Kapital- und Infrastruktionsstarken vorbehalten.
Trotz wachsender Anwendungsbereiche – insbesondere außerhalb der USA und im B2B-Bereich – bleibt die Realität: Der einfachste Zugang zum Verbraucher führt auch für Stablecoins weiterhin über die bestehende Karteninfrastruktur.

