Biathlon-Weltmeisterin

Sperre nach Kreditkartenaffäre: Simons Olympia-Start möglich

07. November 2025, 11:46 Uhr · Quelle: dpa
Julia Simon und Justine Braisaz-Bouchet
Foto: Martin Schutt/dpa
Julia Simon (l) darf nach dem Kreditkartenbetrug an ihrer Teamkollegin Justine Braisaz-Bouchet (r) bei Olympia teilnehmen. (Archivbild)
Nach der Verurteilung wegen Kreditkartenbetrugs muss Biathlon-Star Julia Simon eine Sperre hinnehmen, die ihren Start bei Olympia 2026 beeinflusst. Die Entscheidung des französichen Verbands wirft Fragen zu ihrer Zukunft auf.

Annecy (dpa) - Die Chance auf ihren ersten Olympiasieg soll Julia Simon zwar nicht genommen werden. Doch nach der pikanten Kreditkartenaffäre treffen Frankreichs Biathlon-Star ernste sportliche Konsequenzen. Die zehnmalige Weltmeisterin wurde nach ihrer Verurteilung wegen Diebstahls und Kreditkartenbetrugs vom französischen Skiverband (FFS) mit einem sechsmonatigen Wettkampf- und Trainingsverbot belegt - allerdings wurden fünf Monate davon nur auf Bewährung ausgesprochen. Einem Start bei den Olympischen Winterspielen im Februar 2026 steht zunächst nichts im Weg, doch es könnten weitere Sanktionen folgen.

Schon beim zweiten Weltcup wieder dabei

Der Verband sprach von einer «sehr strengen» Entscheidung durch die unabhängige Disziplinarkommission. Zwar wurde auch eine Geldstrafe in Höhe von 30.000 Euro, 15.000 davon auf Bewährung, verhängt, doch Simon verpasst lediglich einen Weltcup. Ihre Sperre gilt seit dem 7. November auch für alle internationalen Veranstaltungen. Damit wird sie zwar beim Saisonauftakt im schwedischen Östersund ab dem 29. November fehlen, schon beim zweiten Weltcup in Hochfilzen in Österreich wäre sie wieder startberechtigt. Sowohl der Verband als auch Simon können innerhalb von sieben Tagen Berufung gegen die Entscheidung einlegen.

Simon war vor zwei Wochen vor dem Strafgericht in Albertville zu einer dreimonatigen Haftstrafe auf Bewährung und einer Geldstrafe in Höhe von 15.000 Euro verurteilt worden. Der Gesamtweltcupsiegerin der Saison 2022/2023 war vorgeworfen worden, dass sie mit gestohlenen Kreditkartendaten ihrer Teamkollegin Justine Braisaz-Bouchet (29) sowie einer Team-Physiotherapeutin im Dezember 2021 sowie im August und September 2022 im Internet Waren im Wert von rund 2.500 Euro eingekauft haben soll. Auch weitere Teammitglieder waren betroffen, stellten aber keine Anzeige.

Kurzzeitig in polizeilichem Gewahrsam

Nachdem Simon die Vorwürfe lange bestritten und zudem argumentiert hatte, dass sie selbst Opfer eines Identitätsdiebstahls geworden sei, gab sie vor Gericht Diebstahl und Betrug schließlich zu. Braisaz-Bouchet hatte zuvor im Frühsommer 2023 Anzeige erstattet. Daraufhin wurde Simon zwischenzeitlich vom Mannschaftstraining ausgeschlossen und sogar kurz in polizeiliches Gewahrsam genommen.

Erneute Vergehen hätten härtere Konsequenzen und könnten auch das Karriereende bedeuten. Offen bleibt, ob die beim Zoll angestellte Athletin noch Sanktionen durch ihren Arbeitgeber fürchten muss. Auch die Biathlon Integrity Unit (Biu) des Weltverbands Ibu beobachtet den Fall genau und könnte Simon mit weiteren Strafen für internationale Wettbewerbe belegen. «Es ist wichtig, dass wir den Ausgang des Verbandsprozesses abwarten, bevor wir über weitere Maßnahmen auf dem internationalen Level nachdenken», hatte Biu-Chef Greg McKenna dem norwegischen Sender TV2 zuletzt gesagt.

Atmosphäre in Frankreichs Frauen-Team «angespannt»

Unmittelbar vor dem Beginn der Olympiasaison berichtet das gut informierte Magazin «Ski Chrono» von einer «angespannten Atmosphäre» innerhalb des französischen Frauen-Teams. Dass Simon wieder normal integriert werden kann, scheint schwer vorstellbar. Allerdings weiß Frankreichs Verband auch um die sportlichen Qualitäten der Schnell-Schützin, die bei den Winterspielen mit den Biathlonrennen in Antholz wieder möglichst viele Medaillen gewinnen soll.

Viermal Gold holte Simon bei der WM im Frühjahr in der Schweiz und wurde zur erfolgreichsten Athletin. Nach Olympia-Silber mit der Mixed-Staffel 2022 in Peking ist der erste Olympiasieg nun ihr großes Ziel. Inwieweit sich nach der Verurteilung dabei ihre persönlichen Sponsoren zurückziehen, ist dabei ebenso unklar wie die Trainerfrage in Frankreichs Team. Coach Cyril Burdet soll es an seine psychischen Grenzen gebracht haben, den auch menschlich äußerst heiklen Fall innerhalb der Auswahl zu managen.

Sportlich abhängig ist Frankreich von Simon eigentlich nicht. In Braisaz-Bouchet, Lou Jeanmonnot und Océane Michelon gibt es weitere aktuelle Weltmeisterinnen, zudem wartet eine ganze Reihe an hoffnungsvollen Talenten auf ihre Chance. Trotzdem bestrafte der Verband eine der besten Biathletinnen der vergangenen Jahre nicht härter und ermöglicht ihr, bei Olympia zu starten.

Simon spricht von «Blackout»

Simon entschuldigte sich bei den Betroffenen. «Ich kann mich nicht erinnern, diese Taten begangen zu haben», sagte sie vor Gericht und blieb eine genaue Erklärung schuldig. Für ihre Taten habe es «keine finanziellen Motive» gegeben, französische Ermittler gaben bekannt, dass ihr Vermögen zum Zeitpunkt der Taten mehr als 320.000 Euro betragen haben soll. Auf die Frage des Staatsanwalts, warum sie Fotos von den Bankkarten von Braisaz-Bouchet habe, antwortete Simon: «Ich habe so etwas wie einen Blackout.»

Spekuliert wurde deswegen auch schon über zwanghaftes Verhalten. Seit gut drei Jahren arbeitet Simon mit einem Therapeuten zusammen, versteht ihr Handeln nach wie vor nicht. Sie könne sich zumindest nicht vorstellen, so etwas noch einmal zu tun, sagte Simon.

Biathlon / Kriminalität / Wintersport / Frankreich
07.11.2025 · 11:46 Uhr
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