Spannungen durch US-Zollpolitik treiben Bundesanleihen in die Höhe
Die anhaltende Unsicherheit durch die aggressive Zollpolitik der USA hat erneut für Schwung auf dem Markt der deutschen Staatsanleihen gesorgt. Der richtungsweisende Euro-Bund-Future konnte einen Anstieg von 0,89 Prozent verzeichnen und kletterte auf 131,68 Punkte. Parallel dazu sank die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen um 0,11 Prozentpunkte und notierte bei nunmehr 2,47 Prozent.
Ein ähnlicher Trend zeichnete sich auch in anderen Ländern der Eurozone ab, wobei insbesondere Deutschland, die Niederlande, Finnland und Österreich deutliche Rückgänge bei den Renditen verzeichneten. Die als sicher geltenden Anleihen profitieren von den wachsenden Konjunkturängsten, die durch die ungelösten Handelskonflikte zwischen den USA und China ausgelöst wurden. Nachdem China Gegenmaßnahmen ankündigte, hat sich die Lage weiter zugespitzt, da Verhandlungen kaum Fortschritte zeigen.
Marktbeobachter der Dekabank betonen, dass der Fokus der Woche auf der Reaktion der Europäischen Union liegt. Besonders spannend wird, in welchem Ausmaß die EU-Staaten auf die Herausforderungen reagieren, die sich aus den US-Zöllen ergeben. An diesem Montag treffen sich die Handelsminister der EU, um den Konflikt zu besprechen und mögliche Maßnahmen zu diskutieren.
Die unsichere Lage hat auch deutliche Auswirkungen auf die wirtschaftlichen Aussichten der Eurozone. Der Sentix-Konjunkturindikator zeigt im April einen Rückgang auf den tiefsten Stand seit Oktober 2023. Deutsche Produktionsdaten verloren in diesem schwierigen Umfeld an Bedeutung. Laut Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, sind die Perspektiven für ein gesamtwirtschaftliches Wachstum im ersten Quartal gering. Ein kleines Plus oder eine Stagnation sind die wahrscheinlichsten Szenarien.

