Spannung am Nil: Äthiopiens Staudammprojekt sorgt für diplomatische Wellen
Kurz vor der feierlichen Inbetriebnahme des umstrittenen Staudammprojekts am Nil in Äthiopien fordern Ägypten und Sudan das Land zu einem Dialog und Kurswechsel auf. Beide Staaten beziehen den Großteil ihres Wasserbedarfs aus dem Nil und sehen die Mega-Infrastruktur als ernsthafte Bedrohung für die regionale Sicherheit. In den Mitteilungen der Ministerien beider Länder wird verdeutlicht, dass erst nach klärenden Gesprächen eine intensivere Zusammenarbeit wieder möglich sei.
Äthiopien jedoch sieht in dem mit 4,6 Milliarden US-Dollar dotierten Bauprojekt einen unverzichtbaren Schritt zur wirtschaftlichen Modernisierung und Versorgung von Millionen Menschen mit Strom. Ein Regierungssprecher betonte zuletzt den symbolischen Wert des Grand Ethiopian Renaissance Dam (GERD) als gemeinsames nationales Vorhaben, das durch den vereinten Einsatz der Äthiopier erreicht worden sei.
Für Ägypten, das etwa 108 Millionen Bürger versorgt und nach UN-Angaben bereits mit akuter Wasserknappheit kämpft, ist jeder Tropfen Nilwasser lebenswichtig. Auch der Sudan, der sich zwischen den Kontrahenten befindet, fordert ein klar definiertes Abkommen über die Wassermengen, die während Dürreperioden freigegeben werden. Trotz jahrzehntelanger diplomatischer Anstrengungen gibt es bisher keine Übereinkunft, was nach Ansicht der beiden nördlichen Nil-Anrainer einen Bruch des internationalen Rechts darstellt.
Der Damm stellt mit einer Kapazität von 6000 Megawatt eine der größten Energieprojekte Äthiopiens dar – vergleichbar mit vier modernen Atomkraftwerken. Ziel ist es, den Binnenstaat zu einem Nettoexporteur von Energie zu transformieren. Die feierliche Eröffnung ist für diesen Dienstag angesetzt.

