Siemens stärkt Software-Geschäft mit Milliardenzukauf in den Vereinigten Staaten
Der Münchener Industriekonzern Siemens hat einen bedeutenden Schritt zur Ausweitung seines Software-Portfolios unternommen und dabei einen Milliardenbetrag in die Hand genommen. Das Unternehmen erwirbt für 5,1 Milliarden US-Dollar (ca. 4,7 Milliarden Euro) die US-amerikanische Firma Dotmatics, die sich auf Forschungs- und Entwicklungssoftware für die Lebenswissenschaften spezialisiert hat. Die Produkte des in Boston ansässigen Unternehmens kommen insbesondere in der Pharmaindustrie bei der Arzneimittelentwicklung zum Einsatz.
Die Siemens-Aktie konnte sich dem negativen Trend im schwachen Dax nicht entziehen. Belastet durch die Sorge um US-Zölle fiel das Papier nach der Ankündigung um vier Prozent auf 206,25 Euro. Dabei hat die Aktie in den vergangenen Jahren eine bemerkenswerte Entwicklung gezeigt. Von ihrem Tief im letzten Jahr bei gut 150 Euro stieg sie bis zum Hoch im März auf nahezu 245 Euro.
Analysten bewerten den Zukauf von Dotmatics als strategisch sinnvoll. Besonders im Vergleich zur Übernahme der Softwarefirma Altair scheine der Kauf naheliegend, so Analyst Mark Fielding von RBC. Allerdings betont Simon Toenessen von Jefferies, dass der Kaufpreis des 39-fachen Ebitda nicht günstig sei. Laut Siemens eröffnet die Übernahme jedoch neue Marktchancen in der Höhe von 11 Milliarden Dollar.
Verkäufer von Dotmatics ist der Investor Insight Partners. Siemens prognostiziert für Dotmatics bis 2025 einen Umsatz von über 300 Millionen Dollar bei einer profitablen Ebitda-Marge über 40 Prozent. Langfristig rechnet der Konzern mit jährlichen Synergien von über 500 Millionen Dollar. Roland Busch, CEO von Siemens, erklärte, dass der Konzern durch den Zukauf sein KI-gestütztes Software-Angebot im Bereich der Produktlebenszyklen weltweit führend ausbaut.
Die Finanzierung der Übernahme soll laut Finanzchef Ralf Thomas vornehmlich durch den Verkauf von Anteilen an börsennotierten Unternehmen erfolgen, darunter Siemens Healthineers. Aktien von Siemens Healthineers und Siemens Energy verzeichneten ebenfalls einen Rückgang von fast vier Prozent. Die endgültige Genehmigung der Übernahme wird für die erste Jahreshälfte 2026 erwartet. Dotmatics beschäftigt weltweit über 800 Mitarbeiter und betreut mehr als 14.000 Kunden.

