Shein steigert UK-Gewinn um 57 % – und erhöht Druck auf Londoner Börsenaufsicht
Shein hat im britischen Markt die nächste Marke gerissen: Der Fast-Fashion-Händler steigerte 2023 den Vorsteuergewinn seiner UK-Einheit um 56,5 % auf £38,2 Mio. bei einem Umsatzplus von 32 % auf über £2 Mrd. Erstmals überschritt die britische Tochter damit die Milliardenmarke, wie Unterlagen bei Companies House zeigen.
Parallel wuchs die Belegschaft fast auf das Dreifache – 91 Mitarbeiter, überwiegend im Marketing. Sichtbar wurde die Expansion in Pop-up-Stores wie in Liverpool, einer Weihnachtsbus-Tour durch zwölf Städte und zwei neuen Büros.
Shein setzt seit Jahren auf ein radikales E-Commerce-Modell: Direktversand von in China produzierter Billigware, gepaart mit aggressiver Werbung. Frauenwesten für £1,20 sind Teil der Kalkulation. Die Pandemie machte das Unternehmen in Europa zu einem der sichtbarsten Akteure im Onlinehandel.
Das profitable Wachstum soll den Weg an die Börse ebnen. Eine Listung in London blieb bislang blockiert, nachdem sich britische und chinesische Behörden 2023 nicht auf die Risikosprache im Prospekt einigen konnten – Streitpunkt war vor allem die Lieferkette mit Bezug zur politisch sensiblen Region Xinjiang. Eine vertrauliche Hongkong-Anmeldung im Sommer gilt als taktisches Druckmittel gegenüber der Londoner Aufsicht.
Während sich das regulatorische Umfeld in den USA verschärft hat – mit dem Wegfall der de-minimis-Ausnahme und neuen Importzöllen – richtet Shein seinen Fokus stärker auf Europa. Wettbewerber Temu vollzieht denselben Schritt. Laut Marktforschern von Sensor Tower legten die monatlich aktiven Nutzer von Shein in Großbritannien, Deutschland und Frankreich zuletzt zwischen 13 und 20 % zu.


