Schweizer Zentralbank vor potenzieller Zinssenkung: Ein Balanceakt zwischen Wachstum und Währung
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) steht möglicherweise vor einer entscheidenden Wende in ihrer zweijährigen Phase positiver Zinssätze. Experten prognostizieren eine wahrscheinliche Senkung des Leitzinses um einen Viertelpunkt auf 0,75 %. Damit wären nur drei weitere Schritte nötig, um die Zinsen auf null zu bringen, falls das Tempo der Lockerungen beibehalten wird.
Einige wenige Ökonomen spekulieren über einen drastischeren Schritt mit einer Halbpunkt-Senkung, um das Wirtschaftswachstum zu stützen und den spekulativen Druck auf den Franken zu dämpfen. Eine solche Entscheidung würde jedoch auch das Risiko bergen, das bereits knappe Arsenal der SNB auszuschöpfen. Mit einem Inflationsziel, das sich nahe der unteren Grenze befindet, stehen die Entscheidungsträger in einem schwierigen Dilemma.
Sollte sich der Druck auf den Franken nicht verringern, könnte die SNB vor der Entscheidung stehen, ihre Bilanz mittels Währungsinterventionen auszuweiten. Dies birgt nicht nur wirtschaftliche Risiken, sondern könnte auch politische Spannungen mit der künftigen US-Regierung unter Donald Trump provozieren. Sogar eine Rückkehr zu negativen Zinssätzen ist nicht ausgeschlossen, obwohl diese mit weitreichenden Folgen für das Finanzsystem verbunden wären.
Nadia Gharbi, eine Ökonomin bei Banque Pictet in Genf, weist auf die schwache Wachstumsentwicklung in Europa und mögliche Handelskonflikte hin, die eine erneute Zinssenkung unausweichlich machen könnten.
Martin Schlegel, der erstmals in seiner neuen Funktion als Präsident der SNB die Entscheidung leiten wird, sieht sich einem intensiven Spekulationsdruck auf den Franken ausgesetzt. Angesichts geopolitischer Unsicherheiten, die den Franken als sicheren Hafen haben erstarken lassen, bleibt die Herausforderung bestehen, ein Gleichgewicht zwischen wirtschaftlichem Wachstum und stabiler Währung zu finden.

