Schweizer und Liechtensteiner Banken greifen an: Deutschlands Finanzmarkt im Visier!
Immer mehr Geldhäuser aus den Nachbarländern bereiten sich auf einen Markteintritt in Deutschland vor.
Der Wettbewerb um die Kunden des hiesigen Private Bankings wird so härter. Eine Reihe von Privatbanken aus der Schweiz wird bald von der deutschen Finanzaufsicht Bafin eineentsprechende Lizenz erhalten. Dabei handelt es sich um eine in Europa einmalige Sonderregelung, die den Banken erlaubt, ohne eine Niederlassung in Deutschland Kunden anzusprechen. Die Konkurrenz wird auch durch Institute aus dem Nachbarland Liechtenstein gestärkt, dessen Mitgliedschaft im europäischen Wirtschaftsraum ein leichteres Kundenwachstum ermöglicht.
Betrachtet man jedoch den deutschen Private Banking Markt, gestaltet sich eine Expansion mit der vereinfachten Freistellung oft als schwierig. Nur so gelang es der Maerki Baumann als einer der ersten Schweizer Institute, bereits im Jahr 2014 unter dem damaligen CDU-Finanzminister Wolfgang Schäuble ins grenzübergreifende Geschäft einzutreten. Ein Vorreiter des neuen Trends aus Liechtenstein ist die LGT, im Besitz der dortigen Fürstenfamilie. Nachdem die Bank vor über 10 Jahren ihr Privatkundengeschäft an die Bethmann-Bank überveräußerte, kaufte man später im letzten Jahr ein Team von genau dieser Bank, womit man in Hamburg einen Neustart wagte.
Laut Vorstand und Leiter Private Banking Florian Dürselen liegt das Wachstum in Deutschland deutlich über ihren Erwartungen. Er kündigte auch an, dass das Institut den Fokus auf Frankfurt und München richten will und das Filialnetz dort weiter ausbauen möchte.
Auch die zweitgrösste Bank des Fürstentums, die Liechtensteinische Landesbank (LLB) plant für das kommende Jahr den Markteintritt in Deutschland, flächendeckend mit Credit Suisse, UBS, Deutsche Bank und Julius Bär. Um es auf dem hiesigen Markt zu schaffen, müssen viele Banken auf jene Kundengruppen abzielen, die üblicherweise als „High Networth Individuals“ (HNWI) bezeichnet werden, mit einem liquiden Vermögen ab etwa fünf Millionen Euro, sowie die sogenannten „Ultra High Networth Individuals“ (UNHWI), mit einem liquiden Vermögen von rund 20 Millionen Euro.
Doch obwohl es aktuell eine konjunkturelle Unsicherheit in der Bundesrepublik gibt und das mittlere Vermögen pro erwachsenem Einwohner leicht gesunken ist, hält Patrick Prinz, Marktleiter für Deutschland und Österreich bei Julius Bär den deutschen Markt weiterhin für attraktiv. Er betont, dass Deutschland immer noch als einer der größten Wealth-Management-Märkte der Welt nach den USA und China gilt. Hinzu kommt ein Trend, der für die Privatbanken vorteilhaft ist: Die De-Investition vieler Unternehmer führt aktuell zur Einbringung neuer Gelder in den deutschen Private Banking Markt.
Der deutsche Markt hat es Newcomer trotz seines dynamischen Mittelstands und zahlreicher wohlhabender Unternehmerfamilien nicht leicht gemacht. Laut Julius-Bär-Manager Prinz ist das Land stark reguliert und der Wettbewerb besonders hart. Nicht zuletzt ist dies ein Grund dafür, dass bisher viele Wettbewerber den deutschen Markt wieder verlassen haben. Hinzu kommt, dass das Vermögen in Deutschland über das ganze Land verteilt ist und nicht wie etwa in Frankreich hauptsächlich in der Hauptstadt konzentriert ist. Für Banken bedeutet dies hohe Investitionen in regionale Niederlassungen, um ihren Kunden Kontinuität zu bieten.
LGT-Banker Dürselen betont hierbei das langfristige Bekenntnis zum deutschen Markt. Dank des Eigentümers, der liechtensteinischen Fürstenfamilie, haben die Banken Planungssicherheit und können auch schwächere Marktphasen aussitzen. Anders als die schweizerischen Privatbanken, die meist auf die sogenannte vereinfachte Freistellung setzen, welche es ihnen erlaubt, den deutschen Markt aus Zürich aus zu betreuen. Der Nachteil ist hier aber, dass es ein gewisses Risiko gibt, ob die EU-Gesetze kippen und damit das Bankgeschäft anders reguliert wird.
Um das zu veranschaulichen, betrachtet man das Beispiel der Bank Reichmuth aus Luzern, die die vereinfachte Freistellung für den Markteintritt benutzte, sie aber später zurückgab. Dies zeigt, dass auch die vereinfache Freistellung mit viel bürokratischem Aufwand und nicht als Garant für ein erfolgreiches Geschäft in Deutschland angesehen werden kann.

