Waffenlieferungen

Scholz und Pistorius gegen Debatte um Kampfflugzeuge

30. Januar 2023, 21:32 Uhr · Quelle: dpa
Sind Kampfflugzeuge der nächste Schritt nach der Lieferung von Panzern an die Ukraine? Die Debatte läuft, doch skeptische Stimmen überwiegen - zumindest an relevanten Stellen in der Bundesregierung.

Schwielowsee/Santiago (dpa) - Bundeskanzler Olaf Scholz und sein neuer Verteidigungsminister Boris Pistorius (beide SPD) haben ihre ablehnende Haltung zu einer Lieferung von Kampfflugzeugen an die Ukraine bekräftigt.

Überlegungen, ob die Bundeswehr Flugzeuge abzugeben habe, seien «hypothetische Fragen», auf die er nicht antworte, sagte Pistorius bei einem Besuch im Einsatzführungskommando der Bundeswehr in Schwielowsee bei Potsdam. «Und im Übrigen hat der Bundeskanzler dazu meines Wissens alles gesagt, was zu sagen ist», sagte Pistorius, der sich über die Auslandseinsätze der Bundeswehr informierte.

Zuvor hatte Scholz von Chile aus die andauernde Diskussion über die mögliche Lieferung von Kampfjets kritisiert. «Es ist eigenwillig, dass diese Debatte geführt wird. Mancher muss sich schon fragen: Warum stellt er die Frage, wo es doch darum geht, den Ukrainern zu helfen», sagte der SPD-Politiker am Sonntagabend (Ortszeit). Jetzt sei eine seriöse Debatte notwendig und kein «Überbietungswettbewerb (...), bei dem vielleicht innenpolitische Motive statt die Unterstützung der Ukraine im Vordergrund stehen».

Ukrainischer Botschafter betont Bedeutung von Kampfjets

Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Oleksii Makeiev, hat darauf hingewiesen, wie wichtig Kampfflugzeuge im Krieg gegen Russland sind. «Wir haben Deutschland noch keine Anfrage wegen Kampfjets gestellt», sagte Makeiev der Deutschen Welle. Doch sie seien wichtig, weil man sie dafür benötige, um russische Raketen abzuschießen. «Russland feuert viele Raketen auf ukrainische Städte und Infrastruktur ab» - die Kampfjets seien Teil der ukrainischen Bemühungen, den Luftraum zu verteidigen.

Die Debatte um die Lieferung von Kampfjets an die Ukraine ist seit vergangener Woche in Gang - seit dem Beschluss mehrerer westlicher Staaten, dem von Russland angegriffenen Land Kampfpanzer zur Verfügung zu stellen. Die Bundesregierung will Panzer des Typs Leopard abgeben und hat auch anderen Ländern die Lieferung des in Deutschland produzierten Panzers freigestellt.

«Es ist dazu jetzt wirklich alles gesagt»

Angesichts der neuen Debatte mahnte Scholz nun in Santiago de Chile, in einer so wichtigen Frage wie Waffenlieferungen müsse es um die Sache und um rationale Abwägungen gehen. Er habe bereits kurz nach Kriegsbeginn zusammen mit US-Präsident Joe Biden Flugverbotszonen ausgeschlossen, weil das zu einem Konflikt zwischen Russland und der Nato geführt hätte. Auch «solche unsinnigen Ansinnen» wie die Entsendung von Bodentruppen seien abgelehnt worden. «Es ist dazu jetzt wirklich alles gesagt - auch von mir.»

Die Ukraine fordert Kampfjets. Die USA und einige andere Länder halten eine Lieferung grundsätzlich für möglich. SPD-Chefin Saskia Esken hatte eine Lieferung von Kampfjets an die Ukraine nicht ausdrücklich ausgeschlossen. Auf die Frage, ob sie die Lieferung von Kampfflugzeugen ausschließe, sagte Esken am Sonntag im ARD-«Bericht aus Berlin»: «Es kommt ja ganz entscheidend darauf an, dass eben Deutschland und dass auch die Nato nicht Kriegspartei sind.» Zugleich komme es darauf an, dass Deutschland mit jeder Entscheidung dem russischen Präsidenten Wladimir Putin deutlich mache, «dass wir die russische Aggression zurückweisen».

Pistorius erwägt früheren Bundeswehr-Abzug aus Mali

Das Einsatzführungskommando in der Henning-von-Tresckow-Kaserne in Schwielowsee führt die Kontingente der Bundeswehr im Ausland. Der größte und gefährlichste Einsatz läuft derzeit im westafrikanischen Mali. Im Sommer soll der Abzug aus dem Land beginnen, mit dessen Militärregierung es zuletzt wiederholt Streit gab.

Pistorius erwägt einen früheren Abzug der Bundeswehr aus Mali. «Bis Mai 2024 in Mali bleiben, macht unter den aktuellen Bedingungen überhaupt keinen Sinn», sagte Pistorius der Süddeutschen Zeitung (Dienstag). Die Bundesregierung hatte im November den Abzug beschlossen und den Verbleib bis Mai 20024 davon abhängig gemacht, dass die Bundeswehr nicht erneut über längere Zeiträume am Einsatz von Drohnen gehindert werde. Das letzte Mal seien die Drohnen «vor Weihnachten geflogen», sagte Pistorius. «Wenn unsere Soldaten und Soldatinnen das Lager nicht verlassen oder sich nur im kleinen Radius außerhalb bewegen können, weil die Drohnen nicht fliegen dürfen, dann erfüllen sie ihren Auftrag nicht. Und dann ist dieser Einsatz Geld- und Zeitverschwendung.»

Pistorius besuchte ferner den Wald der Erinnerung, eine aus Ehrenhainen aus den Einsatzgebieten errichtete Gedenkstätte, die den Toten der Bundeswehr gewidmet ist. Zuvor sprach er in Videokonferenzen mit Soldaten in Auslandseinsätzen und Missionen. Er sei sehr beeindruckt, sagte Pistorius und würdigte Professionalität, Ruhe und Kompetenz der Männer und Frauen «in Einsätzen, die teilweise alles andere als leicht sind». Er wolle sich die Einsätze zeitnah ansehen. Deswegen werde es «nach der Ukraine weitere Besuche, dann bei Einsatzkontingenten der Bundesrepublik Deutschland geben».

Konflikte / Krieg / Verteidigung / Bundeswehr / Kampfjets / Kampfflugzeuge / Deutschland / Ukraine
30.01.2023 · 21:32 Uhr
[5 Kommentare]
US-Präsident Trump
Washington (dpa) - US-Präsident Donald Trump hat eine Anordnung unterzeichnet, um die Beschäftigten des Heimatschutzministeriums trotz des andauernden Streits um dessen Finanzierung zu bezahlen. Er weise den Heimatschutzminister an, Mittel, «die in einem angemessenen und logischen Zusammenhang mit den Aufgaben» seines Ministeriums stünden, in Abstimmung […] (00)
vor 13 Minuten
Daniel Radcliffe
(BANG) - Daniel Radcliffe hat "tiefgreifendes Glück" gefunden, seit er Vater geworden ist. Der britische Schauspieler – der bereits im Alter von elf Jahren als titelgebender Zauberlehrling in der 'Harry Potter'-Filmreihe berühmt wurde – glaubt, dass sein jüngeres Ich ihn heute nicht wiedererkennen würde. Damals sei er "zutiefst unglücklich" gewesen, […] (00)
vor 17 Stunden
iPhone 18 Pro offenbar ohne schwarze Farbvariante
Einem aktuellen Gerücht zufolge wird Apple bei den kommenden iPhone 18 Pro Modellen auf ein schwarzes Gehäuse verzichten. Zum Vergleich: Die derzeitige iPhone 17 Pro Serie ist in den markanten Farben Silber, Cosmic Orange und Deep Blue erhältlich. iPhone im Business, Quelle: Unsplash Kein Schwarz für die iPhone 18 Pro Modelle Wie der bekannte […] (00)
vor 12 Stunden
Switch 2: Ehemaliger Nintendo-Mitarbeiter warnt vor kommendem Preisanstieg
Die Nintendo Switch 2 ist seit ihrem Launch eine der meistgekauften Konsolen des Jahres – doch wer noch mit dem Kauf gehadert hat, könnte bald in eine unangenehme Situation geraten. Ein ehemaliger Nintendo-Vertriebsmitarbeiter hat sich öffentlich zu den Preisentwicklungen des Unternehmens geäussert, und seine Einschätzung lässt aufhorchen. Was der Ex- […] (00)
vor 12 Stunden
Tubi kündigt zweite Staffel von «Big Mood» an
Der Streamingdienst setzt die Comedyserie mit Nicola Coughlan und Lydia West im April fort. Der werbefinanzierte Streaminganbieter Tubi hat den Trailer zur zweiten Staffel von Big Mood veröffentlicht. Die neuen Folgen feiern am 16. April Premiere und führen die Geschichte rund um die komplizierte Freundschaft von Maggie und Eddie weiter. Ein Jahr ist vergangen, seit sich die beiden besten […] (00)
vor 16 Stunden
Joachim Löw
Berlin (dpa) - Um Weltmeister-Trainer Joachim Löw gibt es ein überraschendes und wenig glaubhaftes Comeback-Gerücht - und der 66-Jährige räumt es auch schnell aus der Welt. Laut des Portals «ghanasoccernet» könnte Löw für die anstehende Fußball-WM die Nationalmannschaft Ghanas als Trainer übernehmen. Doch dazu wird es wohl nicht kommen. «Mit mir hat […] (03)
vor 13 Stunden
bitcoin, table, courses, finance, virtual, crypto, currency, money, coin, computer
Ethereum könnte Bitcoin in den nächsten vier Jahren deutlich übertreffen, zumindest laut einer der optimistischsten Prognosen aus der traditionellen Bankenwelt. Diese Einschätzung stammt von Geoff Kendrick, dem Global Head of Digital Assets Research bei Standard Chartered, der seine Vorhersage in einem kürzlich erschienenen Podcast erläuterte. Ethereum […] (00)
vor 53 Minuten
Von  "Meuterei auf der Bounty" zur Pn-Domain
Koeln, 03.04.2026 (PresseBox) - Es beginnt, wie große Geschichten oft beginnen: mit zu viel Ordnung. An Bord der HMS Bounty herrscht im Jahr 1789 ein Regiment aus Disziplin und Härte. William Bligh, ein Mann von eiserner Selbstkontrolle, führt seine Mannschaft durch die Weiten des Pazifiks – und zugleich in eine immer engere innere Enge. Denn draußen […] (00)
vor 10 Stunden
 
Planstadt Xiong'an in China
Peking (dpa) - Angesichts hoher Kosten für Bestattungen schreitet Chinas Regierung […] (02)
Buckelwal liegt weiter in Wismarbucht
Wismar (dpa) - Nach der gescheiterten Rettung des vor der Ostseeküste bei Wismar […] (09)
Merz am Abgrund: 84 Prozent mit Regierung unzufrieden – schwarz-rot stürzt auf historisches Tief
„Noch nie", schreibt die ARD, „waren so wenig Bürgerinnen und Bürger mit der Arbeit […] (01)
Buckelwal liegt weiter in Wismarbucht
Wismar (dpa) - Einsatzkräfte der Feuerwehr haben begonnen, den an der Ostseeküste vor […] (10)
Hoffnung auf Frieden und Marktreaktion Die anhaltende Zuversicht auf ein baldiges […] (00)
Italiens bisheriger Nationaltrainer Gennaro Gattuso
Rom (dpa) - Italiens abermaliges Scheitern in einer WM-Qualifikation hat nun auch […] (03)
Apple iPad Air 3 WLAN landet auf der Vintage-Liste
Apple hat nun auch die WLAN-Version des iPad Air 3 offiziell in seine sogenannte […] (00)
Sharon Stone und Robert De Niro in 'Casino'
(BANG) - Sharon Stone hat Robert De Niro als "den besten Küsser im Geschäft" […] (00)
 
 
Suchbegriff