Schicksalswende für Amazon: Rekordstrafe in Milliardenhöhe
In einem einzigartigen Vergleich hat Amazon eine Einigung mit der US-amerikanischen Federal Trade Commission (FTC) erzielt, die in die Geschichtsbücher eingeht. Der Onlinehandelsgigant wird eine Summe von 2,5 Milliarden Dollar begleichen, nachdem ihm vorgeworfen wurde, Kunden irreführend zu Prime-Mitgliedschaften verleitet zu haben.
Eine Milliarde Dollar wird als Zivilstrafe – die höchste je von der FTC verhängte Summe – fällig, während 1,5 Milliarden Dollar an betroffene Kunden zurückfließen sollen. Diese hatten entweder unwissentlich eine Prime-Mitgliedschaft abgeschlossen oder Schwierigkeiten bei der Kündigung erlebt. Die Einigung kommt kurz nach Prozessbeginn vor einem US-Gericht in Seattle und dreht sich um das Verbraucherschutzgesetz von 2010.
Laut FTC fiel die Entscheidung nicht zuletzt, weil Amazon „mit dem Rücken zur Wand stand“. Der Vergleich beinhaltete signifikant höhere Rückzahlungen an Kunden, als Experten der Behörde erwartet hatten. Obwohl Amazon sich siegessicher zeigte, entschied das Unternehmen, den Rechtsstreit nicht unnötig in die Länge zu ziehen und betonte, keine Verfehlungen einzugestehen.
Amazon-Sprecher Mark Blafkin betonte, dass das Unternehmen stets gesetzeskonform agiere und die Einigung ihnen erlaube, sich auf Innovationen für Kunden zu konzentrieren. Für bestimmte Prime-Kunden sind automatische Rückzahlungen vorgesehen. Diese umfassen jene, die signifikante Erleichterungen bei ihrem Anmeldeprozess erfahren, darunter der Wegfall von unübersichtlichen Elementen in der Gestaltung der Seite.
Amazon Prime, das mittlerweile über 200 Millionen Mitglieder weltweit zählt, bleibt ein zentraler Bestandteil des Unternehmens. Mit einer Gebühr von 139 Dollar jährlich offeriert es seinen Mitgliedern Vorteile wie schnellere Lieferungen oder Rabatte bei Whole Foods. Im letzten Bericht konnte Amazon Umsätze aus Abonnements, zu denen auch Prime zählt, von mehr als 12 Milliarden Dollar verzeichnen, ein Plus von 12 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Die FTC kritisierte Amazons Praktiken, Kunden quasi in die Mitgliedschaft zu drängen, indem der Kaufvorgang verwirrend gestaltet wurde. Viele Kunden konnten ihre Abos nur schwer kündigen, was auch intern bei Amazon unter dem Codenamen „Iliad“ scherzhaft als epische Anstrengung bezeichnet wurde.
Der Fall wurde in den letzten zwei Jahren unter dem Vorsitz von FTC-Chefin Lina Khan weiterverfolgt und mündete in diese historische Einigung. Amazon ist nun verpflichtet, transparentere Prozesse zu etablieren und ein verständliches Kündigungssystem zu implementieren.

