Saudi-Aramco-Gewinn bricht ein – niedrigere Dividende belastet Haushaltsplanung des Königreichs
Saudi Aramco hat im ersten Quartal 2025 einen Nettogewinn von 26 Milliarden US-Dollar erzielt – ein Rückgang um fünf Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der durchschnittlich realisierte Ölpreis fiel von 83 auf 76,30 Dollar pro Barrel. Trotz besserer Zahlen als Konkurrenten wie BP oder Shell kürzt der weltgrößte Ölkonzern seine Dividende deutlich: von 31 Milliarden im Vorquartal auf 21,4 Milliarden Dollar. Die Gesamtausschüttung für 2025 wird auf 85 Milliarden Dollar taxiert – 39 Milliarden weniger als im Vorjahr.
Für Saudi-Arabien ist das ein herber Rückschlag. Die Regierung und der staatliche Public Investment Fund (PIF) finanzieren über Aramco-Dividenden einen Großteil ihrer Ausgaben, darunter das prestigeträchtige Neom-Projekt und weitere sogenannte Gigaprojekte im Rahmen der wirtschaftlichen Diversifizierungsstrategie Vision 2030. Allein im ersten Quartal wuchs das Haushaltsdefizit des Königreichs laut Finanzministerium auf 15,6 Milliarden Dollar – mehr als das Vierfache des Vorjahreswerts.
Aramco-CEO Amin Nasser machte geopolitische Unsicherheiten und veränderte Handelsströme für die Marktschwäche verantwortlich. Seit Quartalsende sind die Ölpreise nochmals um rund 15 Prozent auf aktuell 64 Dollar gefallen – ausgelöst durch US-Zölle, Überangebotsängste und eine Kurswende der Opec+. Letztere – angeführt von Saudi-Arabien – hatte Anfang Mai gemeinsam mit Russland eine zweite monatliche Produktionsausweitung beschlossen. Insgesamt sollen im Juni 411.000 Barrel pro Tag zusätzlich gefördert werden.
Das widersprüchliche Signal – sinkende Preise trotz steigender Förderung – erhöht den Druck auf die saudischen Staatsfinanzen weiter. In Riad mehren sich daher Anzeichen für eine Kurskorrektur: Projekte werden gestreckt, Investitionen über längere Zeiträume verteilt. Gleichzeitig nähert sich das Land wichtigen Infrastrukturfristen – etwa für die Weltausstellung Expo 2030 und die Fußball-WM 2034.
US-Präsident Donald Trump hat unterdessen Gefallen an den fallenden Ölpreisen gefunden. Niedrigere Energiepreise entlasten US-Verbraucher und erhöhen, so seine Lesart, den ökonomischen Druck auf Russland. Trump will Saudi-Arabien in den kommenden Tagen besuchen – die wirtschaftspolitische Stoßrichtung ist dabei ebenso offen wie eine mögliche neue Rolle Aramcos im geopolitischen Kalkül.

