Russische Luftangriffe fordern weitere Opfer in der Ukraine
In der Ukraine sind bei erneuten russischen Luftangriffen mehr als zehn Menschen getötet worden. Besonders schwer traf es die ostukrainische Großstadt Charkiw, von der alleine acht Todesopfer und über 50 Verletzte gemeldet wurden. Auch in Pawlohrad im Gebiet Dnipropetrowsk forderte ein Angriff eine Todesopfer. Zudem starben zwei Menschen bei einem Angriff eines russischen Kampfjets auf ein Dorf in der Südukraine im Gebiet Cherson.
Die Ukraine ist dringend auf westliche Hilfe angewiesen, um sich gegen den seit fast zwei Jahren andauernden Angriffskrieg zur Wehr setzen zu können. Die Unterstützung ist bisher schleppend geflossen, doch Deutschland hat nun angekündigt, erstmals Militärhubschrauber aus seinen Beständen zu liefern. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) sagte dem Land die Lieferung von sechs Mehrzweckhubschraubern vom Typ Sea King Mk41 sowie Zubehör- und Ersatzteilpaketen sowie Ausbildungsmöglichkeiten zu. Zuvor hatten sich die Unterstützer der Ukraine im sogenannten Ramstein-Format zu Beratungen zusammengeschaltet.
Bei den morgendlichen Angriffen setzte das russische Militär laut dem ukrainischen Oberbefehlshaber Walerij Saluschnyj 41 Raketen unterschiedlichen Typs ein. Nur etwa die Hälfte davon konnte abgefangen werden. Dank der guten Luftverteidigungssysteme in Kiew konnten alle Raketen abgeschossen werden. Dennoch wurden mehr als 20 Menschen in der Hauptstadt verletzt und mehrere Wohnhäuser beschädigt. Der Bürgermeister von Kiew, Vitali Klitschko, teilte mit, dass in einer Wohnung ein nicht explodierter Raketensprengkopf entdeckt wurde und das gesamte Haus daraufhin evakuiert wurde.
Die deutschen Hubschrauber sollen der Ukraine in vielen Bereichen helfen, von der Aufklärung über dem Schwarzen Meer bis zum Transport von Soldaten, so Verteidigungsminister Pistorius. Der Sea King sei ein bewährter und robuster Hubschrauber und es handle sich um die erste deutsche Lieferung dieser Art. Für den Schutz der Bevölkerung und Infrastruktur in der Ukraine bleibe die Luftverteidigung weiterhin die Priorität Nummer eins. Zusätzlich sei ein höheres Tempo bei der Rüstungsproduktion notwendig. Seit Beginn des Krieges habe Deutschland militärische Lieferungen im Wert von etwa sechs Milliarden Euro an die Ukraine verschickt.
Die Nato hat derweil Rahmenverträge mit deutschen und französischen Unternehmen über die Lieferung von Artilleriemunition im Wert von etwa 1,1 Milliarden Euro abgeschlossen. Die 155-Millimeter-Geschosse können in den von der Ukraine genutzten Waffensystemen Caesar und Panzerhaubitze 2000 eingesetzt werden. Die Aufträge gingen an das französische Unternehmen Nexter Munitions (KNDS) und das deutsche Unternehmen Junghans Microtec.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und der Fraktionschef der Europäischen Volkspartei (EVP), Manfred Weber (CSU), forderten eine Freigabe von 50 Milliarden Euro EU-Geldern. Selenskyj äußerte, dass sein Land auf die Freigabe der mehrjährigen Finanzhilfen bei einer Sondersitzung des Europäischen Rats am 1. Februar setze. Weber betonte, dass die Europäische Union bei den Finanzhilfen liefern müsse. Es gebe keine Option des Scheiterns. Weber ist der Vorsitzende der christdemokratischen Fraktion im Europaparlament.
In Russland erfreut sich der erklärte Kriegsgegner Boris Nadeschdin überraschend großem Interesse an seiner Präsidentschaftsbewerbung. In einem Interview auf dem Youtube-Kanal Chodorkowski Live erklärte Nadeschdin, dass derzeit etwa 15.000 Unterschriften pro Tag gesammelt werden. In sozialen Netzwerken sind Fotos und Videos von Bürgern zu sehen, die sich in langen Schlangen aufstellen und mit ihrer Unterschrift zur Kandidatur des Oppositionspolitikers beitragen möchten. Ob Nadeschdin letztendlich offiziell als Kandidat für die Wahl am 17. März registriert wird, entscheidet die russische Wahlkommission.
Laut Nadeschdins Wahlkampf-Webseite wurden bereits über 100.000 Unterschriften von Unterstützern gesammelt. Die Zentrale Wahlkommission fordert allerdings 105.000 Unterschriften, die bis zum 25. Januar in verschiedenen Regionen gesammelt werden müssen. (eulerpool-AFX)

