Russen fühlen sich von feindlichen Mächten umzingelt: Studie offenbart spannungsgeladene Wahrnehmung
Nach einer neuen Studie des unabhängigen Lewada-Zentrums aus Moskau erleben viele Russen ein Gefühl der Bedrohung durch internationale Feinde, während sie ihr eigenes Land als unterdrückt betrachten. Diese Haltung sei das Ergebnis intensiver, antiwestlicher Propaganda, erklärte Soziologe Lew Gudkow bei der Vorstellung der Ergebnisse in Berlin. Im Auftrag der deutschen Sacharow-Stiftung beleuchtete das als Auslandsagent eingestufte Institut die Perspektiven der Russen, speziell nach vier Jahren Ukraine-Krieg. Gudkow wies darauf hin, dass Russland seit dem Ende der Sowjetunion kaum friedliche Jahre erlebt habe und hob die "Militarisierung des Bewusstseins" hervor.
Besonders Polen und Litauen werden von 62 Prozent der über 1.600 Befragten als feindselig empfunden, gefolgt von Großbritannien, Deutschland und Schweden. Die USA gelten für 53 Prozent als bedeutender Konkurrent. Im Gegensatz dazu stehen Belarus, China, Kasachstan, Indien und Nordkorea als befreundete Nationen hoch im Kurs, obwohl letztere eher autoritär regiert werden. Die Sichtweise der USA hat sich über die Jahre mehrmals gewandelt, verschlechtert durch die Haltung von Präsident Joe Biden gegenüber der Ukraine, während sie unter Donald Trump, der ein schnelles Kriegsende versprach, positiver betrachtet wurde.
Gudkow betont, dass die Russen kriegsmüde sind und Hoffnungen auf Trump setzen, da sie keine Erwartungen an Kremlchef Wladimir Putin hinsichtlich eines Kriegsendes haben. Dennoch scheint die Sehnsucht nach Frieden nicht mit einer Kompromissbereitschaft einherzugehen, da sie an eine endgültige Aufgabe der Ukraine glauben. Der Konflikt wird als vom Westen initiiert wahrgenommen, wobei der Anteil der Russen, die Russland nie als Aggressor sehen, von 36 Prozent im Jahr 1998 auf 65 Prozent im Jahr 2024 zugenommen hat.

