Rufe: Europa soll als Militärmacht auftreten

16. Februar 2018, 19:02 Uhr · Quelle: dpa

München (dpa) - Angesichts der umstrittenen US-Außenpolitik unter Donald Trump und zunehmender Konflikte in der Welt muss Europa aus Sicht der Bundesregierung mehr militärische Verantwortung übernehmen.

Europa müsse «militärisch mehr Gewicht in die Waagschale» werfen, sagte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) an diesem Freitag zum Auftakt der Münchner Sicherheitskonferenz. Auch Konferenzchef Wolfgang Ischinger forderte eine größere militärische Rolle der EU, da mit den USA unter Trump eine «große Ordnungsmacht» nicht länger existiere.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg warnte die Europäer mit Blick auf die Gefahr des nordkoreanischen Atomprogramms: «Pjöngjang ist näher an München als an Washington.»

Die geschäftsführende Ministerin von der Leyen warf Trump einen einseitigen Militär-Kurs vor. «Auch unsere amerikanischen Freunde haben eine kostbare Verpflichtung jenseits des Militärischen.» Man sehe mit Sorge, «wenn bei manchen Partnern die Mittel für Diplomatie und Entwicklungszusammenarbeit oder die Vereinten Nationen immer weiter zurückgefahren werden». Von der Leyen rief Trump zu einem stärkeren Engagement für Entwicklungshilfe auf. Es dürfe keine Arbeitsteilung geben, wonach die USA nur für das Militärische zuständig seien und die EU für die humanitären Folgefragen.

Um sich unabhängiger von den USA zu machen, arbeiten 25 der 28 EU-Staaten derzeit intensiv an dem Aufbau einer europäischen Verteidigungsunion. Sie sehen darin auch die Möglichkeit, US-Forderungen nach höheren Verteidigungsausgaben nachzukommen. Von der Leyen sprach sich am Freitag zudem dafür aus, den außenpolitischen Entscheidungsprozess der Union zu reformieren, um sie schlagkräftiger zu machen. Derzeit verhindert oft das Prinzip der Einstimmigkeit eine schnelle Reaktion auf Krisen.

Rund 500 Politiker und Experten beraten von diesem Freitag bis Sonntag an bei der Sicherheitskonferenz über die Krisen der Welt. Zu den Teilnehmern zählen der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und der russische Außenminister Sergej Lawrow. Aus Washington kommen Trumps Sicherheitsberater Herbert Raymond McMaster und US-Verteidigungsminister James Mattis. Am ersten Tag ergriff nur der republikanische US-Senator Lindsey Graham das Wort. Er sagte bei einer Podiumsdiskussion, wenn Europa aktiver werde, sei er nur dafür. Anders als früher sehe er in einer europäischen Verteidigungsmacht keine Konkurrenz mehr.

Konferenzchef Ischinger warnte, die Gefahr eines Konflikts zwischen den USA und Russlands sei so hoch wie seit dem Ende der Sowjetunion nicht mehr. «Immer häufiger, so ist mein Eindruck, wird versucht, nicht nur mit Waffen zu drohen, sondern den Waffeneinsatz tatsächlich zu praktizieren, um eigene Interessen durchzusetzen», sagte Ischinger im Deutschlandfunk. «Es liegt daran, dass eine große Ordnungsmacht, ein Weltpolizist, um es salopp auszudrücken, in der Form, wie wir ihn längere Jahre, vielleicht Jahrzehnte hatten, nicht mehr existiert.»

Nato-Generalsekretär Stoltenberg warnte besonders vor der Gefahr des nordkoreanischen Nuklearprogramms für alle Bündnispartner. Sämtliche Nato-Staaten befänden sich nun in Reichweite nordkoreanischer Raketen, sagte Stoltenberg. Er rief dazu auf, man müsse so viel Druck wie möglich auf Nordkorea ausüben, damit das Land sein Atomprogramm einstelle, auch mit effektiven Wirtschaftssanktionen. Stoltenberg beklagte grundsätzlich ein Wiederaufflammen der nuklearen Bedrohung. Russland modernisiere seine atomaren Fähigkeiten, entwickle neue atomare Systeme und stärke die Rolle von Nuklearwaffen innerhalb seiner Militärstrategie. Das sei ein echter Grund zur Beunruhigung.

UN-Generalsekretär António Guterres appellierte an die internationale Staatengemeinschaft, im Kampf gegen gefährliche Krisen und globale Probleme zusammenzustehen. «Herausforderungen für die Menschheit» könne man nur gemeinsam lösen, sagte Guterres. Er forderte einen gemeinsamen Kampf gegen Klimawandel und Terrorismus und noch stärkere Anstrengungen, um Konflikte wie im Nahen Osten, im Jemen oder auf der koreanischen Halbinsel zu lösen.

Das für Freitagabend geplante Außenministertreffen zur Ukraine-Krise am Rande der Sicherheitskonferenz wurde aus Termingründen abgesagt. Das teilte das Auswärtige Amt mit. Am Rande der Konferenz wollten sich am Freitag erstmals seit einem Jahr wieder die Außenminister von Deutschland, Frankreich, Russland und der Ukraine treffen, um über den Konflikt zwischen pro-russischen Separatisten und ukrainischen Regierungstruppen in der Ostukraine zu beraten. Dabei sollte es vor allem um die Überlegungen zu einem UN-Friedenseinsatz in dem Krisengebiet gehen. Ein neuer Termin für ein Treffen im sogenannten Normandie-Format war zunächst nicht bekannt.

Außenminister Sigmar Gabriel wird an diesem Samstag den zweiten Konferenztag eröffnen. Seine Rede wird mit Spannung erwartet. Ihm werden nach den Personalquerelen in der SPD nur noch geringe Chancen eingeräumt, in einer möglichen neuen Bundesregierung Außenminister zu bleiben. Die Freilassung des deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel aus türkischer Haft könnte allerdings neue Bewegung in die Debatte um Gabriel bringt. Der SPD-Politiker hatte sich stark für die Freilassung des «Welt»-Journalisten eingesetzt.

International / Sicherheit / Deutschland
16.02.2018 · 19:02 Uhr
[5 Kommentare]
Im anhaltenden geopolitischen Spannungsfeld zwischen Washington und Caracas haben die Vereinigten Staaten ihre Sanktionen gegen Venezuela nochmals verstärkt. Ziel der jüngsten Strafmaßnahmen des US-Finanzministeriums sind unter anderem drei Neffen von Cilia Flores, der Ehefrau des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro, die in den Fokus gerieten, da ihnen Verbindungen zu Drogenaktivitäten […] (00)
vor 13 Minuten
Sam Asghari bezeichnet seine Beziehung mit Britney Spears als einen 'Segen'.
(BANG) - Sam Asghari bezeichnet seine Beziehung mit Britney Spears als einen "Segen". Der 31-jährige Model- und Schauspielstar lernte die 'Toxic'-Sängerin 2016 am Set ihres 'Slumber Party'-Musikvideos kennen. Die beiden heirateten 2022, trennten sich jedoch 14 Monate später wieder – aber er wird die gemeinsame Zeit immer dankbar in Erinnerung behalten. "Alles ist einfach so natürlich und normal […] (00)
vor 5 Stunden
Der US-amerikanische Elektrofahrzeughersteller Rivian, der als aufstrebender Herausforderer von Tesla gilt und eine bedeutende Partnerschaft mit Volkswagen eingegangen ist, entwickelt nachhaltige Ansätze für autonomes Fahren. Im Zentrum der Innovation steht ein selbst entwickelter Spezial-Chip sowie der Einsatz von Lidar-Technologie, der künftig den neuen Modellen der R2-Serie als […] (00)
vor 2 Stunden
PSSR 2 könnte die PS5 Pro endlich zur „Super-Konsole“ machen, die sie sein soll
PlayStation bereitet das bislang größte Upgrade für seine hauseigene Upscaling-Technologie vor. PSSR 2, intern auch MFSR2 (Multi-Frame Super Resolution 2) genannt, soll 2025 nicht einfach nur eine neue Version werden, sondern eine komplett überarbeitete Rendering-Pipeline, die Bildqualität drastisch verbessert, GPU-Last senkt und typische PSSR-Probleme wie Artefakte oder Flimmern deutlich […] (00)
vor 2 Stunden
Sheinelle Jones wird Partnerin von Jenna Bush
NBC findet neue Lösung für die 10-Uhr-Stunde der Morningshow «Today». NBC ordnet die vierte Today -Stunde neu: Sheinelle Jones übernimmt dauerhaft an der Seite von Jenna Bush Hager die Moderation um 10 Uhr, wie das US-Fachblatt „Variety“ berichte. Die offizielle Bekanntgabe erfolgte am Dienstagmorgen. Ihren ersten regulären Einsatz als Co-Host hat Jones am 12. Januar. Für NBC ist die Besetzung ein strategischer Schritt. Die 10-Uhr-Stunde gilt […] (00)
vor 1 Stunde
Ski alpin Weltcup
St. Moritz (dpa) - Die Schweizer Skirennfahrerin Michelle Gisin ist im Training zur Weltcup-Abfahrt von St. Moritz schwer gestürzt und hat sich dabei an der Halswirbelsäule verletzt. Die 32-Jährige kam bei hoher Geschwindigkeit vor einer Linkskurve zu Fall und krachte heftig in den Fangzaun. Nach einer Erstversorgung wurde sie mit einem Helikopter in das Krankenhaus von St. Moritz gebracht - von […] (02)
vor 7 Stunden
Abcourt Mines hat die erfolgreichen Ergebnisse seiner kürzlich abgehaltenen Jahreshauptversammlung verkündet, die in einem positiven Licht erstrahlen. Alle zur Abstimmung gestellten Beschlüsse fanden die Unterstützung von über 94 % der abgegebenen Stimmen, was auf ein breites Vertrauen der Aktionäre in die strategische Ausrichtung des Unternehmens hindeutet. Bei der Versammlung wurden die […] (00)
vor 20 Minuten
Politische Maßnahmen gegen Kfz- Unterschlagungen gefordert
Neuss, 11.12.2025 (PresseBox) - Deutschland verzeichnet seit Jahren einen deutlichen Anstieg organisierter Fahrzeugunterschlagungen. Betroffen sind mittelständische Vermieter ebenso wie große Mobilitätsanbieter. Eine breite Allianz aus Autovermietern, Auto- Abo-Anbietern und Flottenbetreibern warnt nun vor gravierenden wirtschaftlichen Schäden und fordert entschiedenes Handeln des […] (00)
vor 6 Stunden
 
Darts-Spieler Arno Merk
London (dpa) - Im Frühjahr war Arno Merk noch Teil eines Reality-TV-Formats in der […] (00)
Prinzessin Sofia
Stockholm (dpa) - Die schwedische Prinzessin Sofia (41) hat den verurteilten Sexualstraftäter […] (00)
Kanzler Merz trifft Nato-Generalsekretär Rutte
Berlin (dpa) - Bundeskanzler Friedrich Merz rechnet damit, dass die USA im nächsten Jahr wie […] (01)
Zahl der Rentner steigt deutlich
Berlin/Wiesbaden (dpa) - Bereits 2035 wird in Deutschland rund ein Viertel der Bevölkerung 67 […] (03)
Im Rahmen eines bemerkenswerten Deals erweitern Disney und OpenAI die Grenzen der […] (01)
«Jimmy Neutron»-Star Jeff Garcia ist tot
Der US-Komiker und Synchronsprecher Jeff Garcia, die markante Stimme hinter Sheen Estevez aus «Jimmy […] (00)
Pamela Anderson
(BANG) - Pamela Anderson "möchte ihren Namen ändern", um ihr finnisches Erbe anzunehmen. Die […] (00)
Anno 117: Pax Romana – Umfangreiche Patches optimieren Kampagne und Ökonomie
Die Veröffentlichung des ersten großen Content- und Balance-Updates (Patch 1.3) für Anno 117: […] (00)
 
 
Suchbegriff