Rückgang bei deutschen Rüstungsexporten: Trendwende oder Ausreißer?

Die deutschen Ausfuhren von Rüstungsgütern verzeichnen nach zwei aufeinanderfolgenden Rekordjahren einen deutlichen Rückgang. Von Anfang Januar bis zum 8. Dezember 2025 genehmigte die Bundesregierung die Ausfuhr von Waffen und Rüstungsgütern im Gesamtwert von 8,40 Milliarden Euro, wie aus einer Antwort des Bundeswirtschaftsministeriums hervorgeht. Zum Vergleich: In den Jahren 2024 und 2023 belief sich das Volumen der genehmigten Exporte noch auf 13,33 bzw. 12,15 Milliarden Euro.
Besonders auffällig ist der Rückgang der Rüstungsexporte in die Ukraine. Hier sank der Wert von 8,15 Milliarden Euro im gesamten Vorjahr auf nunmehr 1,14 Milliarden Euro. Laut einer Ministeriumssprecherin hängen diese Zahlen auch damit zusammen, dass vorab erteilte Genehmigungen Einfluss auf die laufenden Unterstützungsleistungen haben. Zudem wird ein Teil der Mittel für langfristige Projekte verwendet, deren Genehmigungen sich erst nach und nach realisieren.
Seit dem Regierungswechsel von der Ampel- zur schwarz-roten Koalition hat sich zudem die Veröffentlichungspraxis bezüglich der genauen Auflistung der Rüstungslieferungen geändert. Diese Entscheidung begründet die neue Regierung damit, Russland über den Umfang der Hilfe für die Ukraine im Unklaren lassen zu wollen. Daneben investiere die Ukraine verstärkt in die eigene Rüstungsproduktion, was Genehmigungen teilweise überflüssig mache.
Ein weiterer interessanter Punkt ist der Anstieg der Exportgenehmigungen für die Türkei, die mit 726 Millionen Euro den höchsten Wert seit 1999 erreichten. Dies trotz der Kontroversen um die Menschenrechtslage in dem Land und das internationale Vorgehen Ankaras. Der Export von Eurofighter-Kampfjets steht hierbei symbolisch für eine strategische Neuausrichtung, die noch unter der Ampel-Regierung begonnen und von der aktuellen Regierung fortgesetzt wurde.
Kritisch äußerte sich der Linken-Politiker Ulrich Thoden zu dieser Entwicklung und forderte ein Ende der Rüstungsexporte. Dennoch bleibt Norwegen mit umfassenden Aufträgen für Kampfpanzer und U-Boote auch unter der neuen Regierung mit großem Abstand der wichtigste Abnehmer deutscher Rüstungsgüter. Bemerkenswert ist ferner, dass trotz der gesunkenen Gesamtwerte immer noch 60 Prozent der Exporte auf Kriegswaffen entfielen. Nur 28 Prozent der gesamten Exporte gingen an sogenannte Drittländer, was einen deutlichen Rückgang im Vergleich zu den 85 Prozent des Vorjahres darstellt. Ursache hierfür ist vor allem der Rückgang der Ukraine-Exporte. Die Rüstungsexportstatistik bleibt jedoch volatil, da einzelne Großgeschäfte weiterhin große Schwankungen verursachen können.

