Rohstoffabhängigkeit gefährdet die europäische Energiewende
In der Europäischen Union droht trotz bestehender Bemühungen ein Mangel an kritischen Rohstoffen, die für die Energiewende unerlässlich sind. Der Europäische Rechnungshof hat in einem aktuellen Bericht darauf hingewiesen, dass die EU bei zehn von 26 wichtigen Rohstoffen vollständig von Importen abhängig ist. Diese Abhängigkeit hat negative Auswirkungen auf die Produktion innerhalb der EU, während das Recycling von Rohstoffen noch nicht ausreichend entwickelt ist. Es fehlt an einer belastbaren Strategie, um die langfristige Versorgung sicherzustellen.
Die EU hat sich ehrgeizige Klimaziele gesetzt: Bis 2050 will sie klimaneutral sein und bis 2030 sollen mindestens 42,5 Prozent der Energie aus erneuerbaren Quellen stammen. Zu den Technologien, die hierfür notwendig sind, zählen Windturbinen, Batterien und Solarpaneele, die wiederum Rohstoffe wie Lithium, Nickel, Kobalt, Kupfer und Seltenerdmetalle erfordern.
Der Bericht des Rechnungshofs macht deutlich, dass die meisten dieser Mineralien außerhalb der EU abgebaut und verarbeitet werden. Besonders problematisch ist die starke Abhängigkeit von einzelnen Ländern: So bezieht die EU 97 Prozent ihres Magnesiumbedarfs aus China und 99 Prozent des benötigten Bors aus der Türkei. Diese Abhängigkeit stellt eine Bedrohung für die strategische Autonomie der EU dar, die in der Folge ihre heimische Produktion erhöhen und ihre Ressourcen effizienter nutzen muss.
Obwohl erste Schritte zur Diversifizierung der Rohstoffimporte unternommen wurden, haben diese bisher keine spürbaren Ergebnisse gezeigt. Zwar wurden strategische Partnerschaften geschlossen, doch die Importe aus diesen Ländern gingen zwischen 2020 und 2024 bei etwa der Hälfte der untersuchten Rohstoffe zurück. Auch Verhandlungen mit den USA wurden 2024 ausgesetzt, und das Mercosur-Abkommen hängt weiterhin in der Schwebe.
Der Mangel an Recyclingkapazitäten für seltene Erden verstärkt das Problem. Unverbindliche Ziele bis 2030 sollen eine bessere Verteilung der Rohstoffquellen, mehr heimische Produktion und verbessertes Recycling erreichen, aber die Prüfer haben Zweifel an deren Realisierbarkeit. Sie raten zu verbindlichen Recyclingzielen und einer stärkeren Begründung zukünftiger Rohstoffziele.
Keit Pentus-Rosimannus vom Europäischen Rechnungshof betont die Dringlichkeit: Ohne eine zuverlässige Versorgung mit kritischen Rohstoffen sind die Energiewende, die Wettbewerbsfähigkeit und die strategische Autonomie der EU gefährdet. Die EU-Kommission hat die Empfehlungen des Rechnungshofs begrüßt und plant, die als besonders relevant eingestuften Maßnahmen umzusetzen.

