Ring frei für den vorläufigen Schlussakt im VW-Skandal
Mit einer dramatischen Wendung präsentiert sich das betrügerische Drama rund um Volkswagen und seine ehemaligen Führungskräfte. Der renommierte Ex-Vorstandschef Martin Winterkorn entschuldigte sich 2015 öffentlich für das Fehlverhalten des Unternehmens, doch fand sich auf der Angeklagebank nie wieder.
Ein immenses Gerichtsverfahren gegen vier ehemalige Manager und Ingenieure steht nun kurz vor dem Abschluss, jedoch vollzieht sich dieser Schlussspurt nicht ohne Kritik. Die Anklagen gegen Winterkorn und Co., die sich im Jahr 2019 auftürmten, blieben aufgrund zahlreicher Verzögerungen immer wieder in der Schwebe. Die Pandemie tat ihr Übriges, sodass die Anhörungen unter strikten Vorsichtsmaßnahmen abgehalten werden mussten.
Über allem schwebt jedoch die Frage: Wie tief waren diese Führungskräfte in den Abgasskandal verstrickt? Während vor Gericht Aussage gegen Aussage steht, erweist sich die juristische Aufarbeitung als einufernd und verstrickt in technische Details, welche die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit stark geschmälert haben.
Die Aufarbeitung des Wirtschaftsdelikts, das im September 2015 durch die US-Umweltbehörde ans Licht gebracht wurde, zog weiterhin weite Kreise. Nicht nur Strafgelder und Entschädigungen in Milliardenhöhe wurden fällig, auch der Streit um Kursverluste für Investoren findet in einem Investorenprozess seinen Platz.
Vom jüngsten Urteilsspruch in Braunschweig, der für manche Angeklagte Haftstrafen forderte, bleibt die Empörung der Betroffenen gegen diese Entscheidung. In sichtlich angespannten Schlussworten wurde die Zermürbung nach den langen Jahren des Prozesses angesprochen, während weiterhin der Vorwurf im Raum steht, dass einige der Verstrickten mit günstigen Aussagen der Strafe entkommen konnten.
Das rechtliche Tauziehen um Winterkorn ist noch längst nicht beendet. Er bleibt weiterhin eine der zentralen Figuren im investormäßigen Nachgang des Dieselskandals, und das Ringen um Gerechtigkeit zieht sich zähflüssig in die Länge.
Die Frage nach der endgültigen Klärung der Verantwortlichkeiten rund um den Dieselskandal bleibt somit noch unbeantwortet.

