Rheinmetall: Wachstum unter Rüstungsboom-Bremse
Der jüngste Rückschlag beim Auftragseingang dämpft vorübergehend die dynamische Wachstumsfahrt von Rheinmetall, Deutschlands führendem Rüstungskonzern, der sich mitten in einem Aufschwung der Branche befindet. Das Geschäftsergebnis für das zweite Quartal verfehlte die Erwartungen der Analysten, doch das Unternehmen zeigt sich zuversichtlich für eine Aufholjagd im zweiten Halbjahr und stellt eine mögliche Anhebung der Jahresprognose in Aussicht. Trotz eines beeindruckenden Börsenverlaufs erlebte die Aktie einen vorübergehenden Rückgang um mehr als sieben Prozent im frühen Dax-Handel. Die im Frühling verzögert eingeleitete Auftragsvergabe in Deutschland belastet das Unternehmen. Deutschland, als bedeutender Absatzmarkt, trägt signifikant zum Umsatz bei. Bereits zu Jahresbeginn war ein Vorzieheffekt zu spüren, der im zweiten Quartal zu einem drastischen Rückgang der sogenannten Nomination um 77 Prozent führte. Diese Kennzahl inkludiert sowohl den klassischen Auftragseingang als auch das Volumen frisch abgeschlossener Rahmenverträge. Rheinmetall-Chef Armin Papperger sieht optimistisch dem vierten Quartal entgegen mit der Erwartung neuer Aufträge. Die bereits prall gefüllten Auftragsbücher sollen sich weiter füllen, ergänzte Papperger. Der Backlog, eine Kennziffer, die den Auftragsbestand sowie künftige Abrufe umfasst, erreichte mit 63,2 Milliarden Euro eine neue Bestmarke. Die Anleger nutzten die Gelegenheit für Gewinnmitnahmen, nachdem der Rheinmetall-Kurs seit Jahresbeginn nahezu verdreifacht hatte. Diese Entwicklung spiegelt sich im Rückgang unter das Rekordhoch von Anfang Juni wider. Obwohl das Unternehmen Umsatz und operatives Ergebnis um neun bzw. zwei Prozent steigern konnte, blieben die Zahlen hinter den Erwartungen zurück, was zu einer Senkung der operativen Ergebnismarge führte. Analystin Chloe Lemarie von Jefferies kritisierte die Zahlen als enttäuschend. Nichtsdestotrotz bleibt Rheinmetall positiv eingestellt. Vor dem Hintergrund von Nato-Beschlüssen und Planungen zur Aufrüstung in Europa ist langfristig mit unverminderter Nachfrage zu rechnen. Diese Hoffnung bleibt in der Jahresprognose bestehen, die einen Umsatzanstieg von 25 bis 30 Prozent vorsieht, was 12,2 bis 12,7 Milliarden Euro entspricht. Rheinmetall bereitet sich bereits auf die bevorstehenden Bestellungen vor. Dies führte zu einem Anstieg der Lagerbestände, was den freien Barmittelzufluss im zweiten Quartal erheblich beeinträchtigte: Er schrumpfte von 170 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf ein Minus von 911 Millionen Euro.

