Iranische Opposition

Reza Pahlavi in Berlin: Hoffnungsträger oder Spaltfigur?

22. April 2026, 11:54 Uhr · Quelle: dpa
Reza Pahlavi
Foto: Gregorio Borgia/AP/dpa
Im Januar folgten im Iran Menschenmassen Pahlavis Protestaufruf. (Archivbild)
Während der Massenproteste im Iran galt Reza Pahlavi vielen als Hoffnungsträger. Durch den Krieg macht sich teils Ernüchterung breit. Nun reist der Sohn des Schahs nach Berlin. Wer ist der Mann?

Teheran/Berlin (dpa) - Es ist ein kalter Januartag, als sich Reza Pahlavi an die Protestbewegung im Iran wendet. Seit Tagen erschüttern Demonstrationen das Land, ausgelöst damals durch eine schwere Wirtschaftskrise. In einer Videoansprache auf seinem Instagram-Kanal fordert er die Menschen auf, zwei Tage später auf die Straße zu gehen oder von den Balkonen Parolen zu rufen.

Was dann geschieht, überrascht viele im Iran. In den Metropolen folgen Massen dem Aufruf. Für einen Moment wirkt es, als habe die zersplitterte Opposition eine Stimme gefunden. Getragen wird sie von einer Wut, die sich seit Jahren aufgestaut hat: über politische Repression, fehlende Perspektiven und steigende Preise.

Pahlavi, Sohn des letzten Schahs, reist nun für politische Gespräche nach Berlin. Es ist sein erster offizieller Besuch in der deutschen Hauptstadt. Für viele Exil-Iraner verkörpert er die Möglichkeit eines politischen Übergangs. Für andere steht er für ein monarchisches System, dessen Versprechen sich schon einmal als trügerisch erwiesen hat. An kaum einer Figur zeigen sich die Brüche innerhalb der Opposition so deutlich.

Schwerste Proteste in der Geschichte der Islamischen Republik

Die Proteste im Januar schlägt der iranische Sicherheitsapparat in nur zwei Nächten brutal nieder, Tausende werden getötet. Für einen kurzen Moment schien dennoch mehr möglich. Der Aufruf und die Bilder aus den Städten nährten in der Protestbewegung Hoffnung auf einen politischen Umbruch. Es sind die schwersten Proteste in der Geschichte der Islamischen Republik.

Nur wenige Wochen später beginnt der Krieg. Israel und die USA greifen den Iran an. In Teilen der Opposition wird er als Chance gesehen, einen Machtwechsel herbeizuführen. Auch Pahlavi unterstützt den Kurs und stellt sich demonstrativ an die Seite von US-Präsident Donald Trump und Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu. Doch die Führung der Islamischen Republik bleibt an der Macht. Zurück bleibt Ernüchterung.

Auch in Deutschland ist die Geschichte der Pahlavi-Dynastie eng mit politischem Protest verknüpft. Beim Staatsbesuch von Schah Mohammad Reza Pahlavi in West-Berlin im Jahr 1967 kam es zu heftigen Demonstrationen. Der Student Benno Ohnesorg wurde am Rande von einem Zivilpolizisten erschossen – ein Ereignis, das bundesweit Empörung auslöste und als Zäsur für die westdeutsche Studentenbewegung gilt.

Wie Pahlavis Vater den Iran mit harter Hand regierte

Der Schah regierte den Iran autoritär. Die Opposition wurde unterdrückt, Kritiker landeten im Gefängnis und der berüchtigte Geheimdienst ging brutal gegen Gegner vor. Gleichzeitig trieb der Schah das Land mit großen Reformprojekten und einer engen Anbindung an den Westen voran. Für viele seiner Gegner stand die Monarchie am Ende für politische Repression, Ungleichheit und eine Entfremdung zwischen Staat und Gesellschaft. 1979 kam es zur Revolution.

Kurz zuvor hatte sein Sohn das Land bereits verlassen, um in den USA eine Pilotenausbildung zu beginnen. Damals waren die Beziehungen zwischen Washington und Teheran noch eng – der Schah galt als wichtiger Verbündeter der USA in der Region.

Seit Jahrzehnten lebt Reza Pahlavi nun im Exil. Er sagt von sich, er stehe für einen Bruch mit den dunklen Kapiteln der iranischen Monarchie. Er spricht von Demokratie, von einem säkularen Staat, von freien Wahlen. Doch wenn es um die Rolle seines Vaters geht, bleibt er vage. In Interviews weicht er den Fragen oft aus. Genau das bringt ihm Kritik ein. Teile seiner Anhängerschaft treten kompromisslos auf. Die Opposition bleibt zersplittert.

Gespaltene Meinungen unter Iranerinnen und Iranern

Im Iran selbst, aber auch im Exil, wird Pahlavi sehr unterschiedlich gesehen. Vor wenigen Wochen, mitten im Krieg, verfolgt der IT-Experte Amir aus Berlin die Angriffe im Iran im Minutentakt. «Sie sollen einfach zuschlagen, bis es zu Ende ist», sagt er mit Blick auf die gezielten Angriffe auf Irans Führungsspitze. Amir zählt sich zu den Anhängern Pahlavis und hält die konstitutionelle Monarchie für ein geeignetes politisches System im Iran. Auch Hesam, ein Sprachlehrer in Teheran, unterstützt Pahlavi. «Die Gesellschaft wartet nicht mehr auf Reformen», meint der 38-Jährige.

Andere widersprechen entschieden. «Vor dem Krieg hatte ich das Gefühl, dass die USA und Reza Pahlavi einen genauen Plan für die Zukunft haben», sagt Taha, ein Tierarzt im Iran. «Aber jetzt, nach 50 Tagen, sehen wir die ganze Zerstörung. Wie kann jemand, der von Demokratie spricht, die Zerstörung der Infrastruktur seines eigenen Landes befürworten?» Mina, eine Studentin, glaubt, Pahlavis Rückhalt sei aus der Not heraus entstanden. «Wir haben keine bedeutende Opposition, die sich der Islamischen Republik entgegenstellen könnte», sagt sie.

Der Iran-Experte Arash Azizi sieht darin ein größeres Muster. Der Krieg habe die Spaltung unter Iranerinnen und Iranern weiter vertieft. «Er hat die Unterschiede zwischen Iranern beschleunigt, verstärkt», sagt der Historiker. Zwar gebe es breite Einigkeit über das Ziel einer Demokratie – «aber sehr wichtige Unterschiede darüber, welche Form sie annehmen sollte». Diese Konflikte reichen von der Staatsform bis zur Frage, wie ein politischer Übergang überhaupt aussehen kann.

Experte spricht von blutiger, gewaltsamer Geschichte

Azizi verweist dabei auf strukturelle Gründe für diese Spaltung. Große Protestbewegungen hätten oft Schwierigkeiten, sich in eine einheitliche Führung zu übersetzen. Im Iran komme eine Geschichte politischer Gewalt hinzu, die bis heute nachwirke. «Wir sprechen von einer blutigen, gewaltsamen Geschichte», sagt er. «Das macht es schwierig, dass Menschen die Vergangenheit hinter sich lassen und sich über die Zukunft einigen.»

Auch über den richtigen Weg herrscht Uneinigkeit. «Wir alle lehnen die Islamische Republik ab, aber es wurden sehr unterschiedliche Taktiken und Strategien angewendet», sagt Azizi. Der Krieg habe eine weitere Bruchlinie geschaffen. «Sind Sie für den Krieg oder dagegen? Das ist eine sehr große Frage.» Ein gemeinsamer Kurs sei nicht in Sicht.

Reza Pahlavi bereitet sich unterdessen auf seine Reise nach Berlin vor. Während seine Anhänger gespannt auf seine Ankunft warten, sind erste Proteste gegen den Besuch bereits angekündigt. Eine fragile Waffenruhe im Iran-Krieg hat US-Präsident Trump nun überraschend verlängert. Das Land blickt unterdessen auf eine mögliche zweite Verhandlungsrunde zwischen Vertretern aus Washington und Teheran. Die Sorge ist jedoch groß, dass der Krieg weitergeht. Welche Rolle der Sohn des Schahs am Ende spielen kann, ist offen.

Krieg / Konflikte / Leute / Iran / Israel / USA / Berlin
22.04.2026 · 11:54 Uhr
[0 Kommentare]
EU-Fahnen (Archiv)
Brüssel - Ungarn hat die monatelange Blockade des geplanten milliardenschweren EU-Unterstützungspakets für die Ukraine aufgegeben. Das teilte die zyprische EU-Ratspräsidentschaft am Mittwoch mit. Bisher hatte die Regierung des abgewählten ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban den 90-Milliarden-Euro-Kredit für die Ukraine blockiert. Anderthalb […] (00)
vor 2 Minuten
Kendall Jenner
(BANG) - Kendall Jenner und Jacob Elordi sind seit "ein paar Monaten" zusammen – und ihre Schwester Kylie Jenner hat die beiden zusammengebracht. Das 30-jährige Model und der 28-jährige Schauspieler aus 'Wuthering Heights' kennen sich schon seit Jahren, doch Jenner soll sich unsicher gewesen sein, ob ihre Beziehung in der "Freundschaftszone" bleiben […] (00)
vor 3 Stunden
Dreame Z30 Pro Aqua ab sofort erhältlich
Dreame Technology, ein weltweit führendes Unternehmen für smarte Haushaltstechnologie, gibt bekannt, dass sein neuester kabelloser Flaggschiff-Staubsauger, der Z30 Pro Aqua, ab sofort in Deutschland erhältlich ist. Als Zwei-in-Eins-Lösung konzipiert, kombiniert der Z30 Pro Aqua leistungsstarkes Trockensaugen mit fortschrittlichen […] (00)
vor 1 Stunde
Glücksspiel hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Früher standen klassische Spielhallen an jeder Ecke: ein Ort, an dem Menschen nach der Arbeit eine Runde automatenähnliche Spiele drehten oder sich an Roulette‑Tischen vergnügten. Heute gehört Online‑Glücksspiel dazu, wie Streaming‑Dienste oder Social‑Media‑Apps: Ein fester Teil der […] (00)
vor 3 Stunden
Shawn Levy
(BANG) - Shawn Levy glaubt, dass KI in Zukunft zu einem unverzichtbaren Werkzeug beim Filmemachen werden wird. Der 'Star Wars: Starfighter'-Regisseur ist der Ansicht, dass Filmemacher künstliche Intelligenz "begrüßen" sollten, anstatt sie zu "fürchten", doch hat er KI in seiner bisherigen Karriere als Geschichtenerzähler noch nicht "auf sinnvolle Weise" […] (00)
vor 3 Stunden
Sebastian Hoeneß
Stuttgart (dpa) - VfB-Trainer Sebastian Hoeneß nimmt Spekulationen über ein vages Interesse von Real Madrid gelassen. «Das bewegt mich jetzt nicht so sehr», sagte der Coach des VfB Stuttgart vor dem DFB-Pokal-Halbfinale am Donnerstag (20.45 Uhr/Sky und ARD) gegen den SC Freiburg. Er sei auf die Endphase der Saison mit den Schwaben fokussiert, […] (00)
vor 1 Stunde
Viktor Orban
Brüssel (dpa) - Ungarn hat seine monatelange Blockade des geplanten milliardenschweren EU-Unterstützungspakets für die Ukraine aufgegeben. Die Regierung des scheidenden Ministerpräsidenten Viktor Orban trug in Brüssel eine Entscheidung mit, die ein Darlehen in Höhe von bis zu 90 Milliarden Euro ermöglichen soll, wie mehrere Diplomaten der Deutschen […] (00)
vor 12 Minuten
Outsourcing vs. Inhouse-Screening: Was sich für Schweizer Unternehmen wirklich rechnet
Zürich, 22.04.2026 (PresseBox) - Soll das Background-Screening intern aufgebaut oder an einen spezialisierten Provider ausgelagert werden? Diese Make-or-Buy-Entscheidung beschäftigt viele HR-Leitungen in der Schweiz. Die Antwort hängt von mehreren Faktoren ab – und die ehrliche Analyse zeigt: Für die meisten Unternehmen ist das Outsourcing die […] (00)
vor 1 Stunde
 
Finanzamt (Archiv)
Berlin - In die Verhandlungen von Union und SPD über eine Steuerreform kommt […] (08)
Bundeskriminalamt (Archiv)
Berlin - Mit einer neuen Ermittlungsmethode hat das Bundeskriminalamt (BKA) bislang […] (00)
Christian Lindner und Wolfgang Kubicki
Berlin (dpa) - Der ehemalige FDP-Vorsitzende Christian Lindner will als Gast am FDP- […] (07)
Regionalexpress
Mainz/Frankfurt (dpa) - Rund zweieinhalb Monate nach dem tödlichen Angriff auf einen […] (00)
Anna Bader
Bonn (dpa) - Klippenspringerin Anna Bader ist nach einem positiven Dopingtest bei […] (00)
Ein persistentes Ungleichgewicht Über 35 Jahre nach der Wiedervereinigung zeigt sich […] (00)
Justin Theroux und Nicole Brydon Bloom
(BANG) - Justin Theroux genießt es in vollen Zügen, Vater zu sein. Der 54-jährige […] (00)
WDR führt neuen vereinheitlichten Internetauftritt ein
Der Grundname WDR soll in die Vordergrund rücken. Auch die Social-Media-Angebote "WDR Aktuell" […] (00)
 
 
Suchbegriff