Revolutionäre Erinnerungen und aktuelle Herausforderungen im Iran
Der Iran erlebte eine beeindruckende Demonstration von Millionen Bürgern, die anlässlich des Gedenkens an die Revolution von 1979 die Straßen des Landes bevölkerten. Zentraler Schauplatz der Feierlichkeiten war die Hauptstadt Teheran, wo staatliche Medien treue Anhänger der Regierung auf den großen Verkehrsachsen präsentierten. Laut Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Irna versammelten sich Bürger in über 1.400 Städten und mehr als 40.000 Dörfern, um an den Veranstaltungen teilzunehmen.
Traditionell erfolgte die Präsentation militärischer Stärke durch den Staat: Mobile Lkw-Abschussrampen mit Attrappen ballistischer Raketen wurden der Öffentlichkeit vorgeführt, wie aus Berichten regierungsnaher Medien hervorging. Zahlreiche Minister und hochrangige Militäroffiziere zählten zu den Teilnehmern der Feierlichkeiten. Präsident Massud Peseschkian betonte in einer Rede die Notwendigkeit nationaler Geschlossenheit angesichts diverser Bedrohungen und Verschwörungen und entschuldigte sich gleichzeitig beim Volk für bestehende Unzulänglichkeiten.
Am Abend riefen Anhänger der Islamischen Republik "Allahu Akbar" über die Dächer der Millionenstadt Teheran, ein Ausdruck, der 1979 als revolutionärer Symbolruf gegen die Schah-Herrschaft bekannt wurde. Doch auch kritische Stimmen waren zu hören: "Tod dem Diktator" hallte aus verschiedenen Teilen der Stadt, eine deutliche Anspielung auf Ayatollah Ali Chamenei, den Führer und das Staatsoberhaupt des Irans.
Die jüngste Protestbewegung, die ihren Ursprung in der schweren Wirtschaftskrise des Landes hatte, wurde zum Ausgangspunkt eines massiven Aufstands. Einstige Handelsproteste weiteten sich zu landesweiten Demonstrationen aus, die in den Nächten des 8. und 9. Januar mit großer Brutalität niedergeschlagen wurden. Nachforschungen des in den USA ansässigen Menschenrechtsnetzwerks HRANA führen fast 6.500 getötete Demonstranten und über 50.000 Festnahmen auf.
Auch wenn die Proteste mittlerweile abgeflaut sind, belasten die wirtschaftlichen Schwierigkeiten und steigende Lebenshaltungskosten weiterhin den Alltag der Bürger. Die Abwertung der Landeswährung Rial um rund 18 Prozent gegenüber dem Euro seit Jahresbeginn verschärft die finanzielle Situation vieler Iraner zusätzlich.

