Rentenreformen: Beratergruppe fordert schnelles Handeln
Ein neu veröffentlichtes Impulspapier des Beraterkreises für evidenzbasierte Wirtschaftspolitik, initiiert von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche, setzt einen deutlichen Akzent auf die Dringlichkeit einer Rentenreform in Deutschland. Die Beratergruppe, zu der prominente Stimmen wie die Wirtschaftsweise Veronika Grimm zählen, spricht sich entschieden für eine Anhebung des Rentenalters aus. Ziel ist es, den drohenden finanziellen Herausforderungen der Rentenversicherung zu begegnen, die sonst zur Belastung des Bundeshaushalts und einer Gefährdung der Generationengerechtigkeit werden könnte.
Mit Verweis auf die Herausforderungen einer alternden Bevölkerung betonen die Experten die Notwendigkeit, die Lebensarbeitszeit zu verlängern. Sie schlagen vor, zwei Drittel der gewonnenen Lebenszeit durch steigende Lebenserwartung der Erwerbsphase zuzuordnen und ein Drittel dem Ruhestand. Ab 2031, nach der geplanten Anhebung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre, könnte alle zehn Jahre eine weitere Erhöhung um ein halbes Jahr erforderlich sein. Diese Maßnahme soll bis Anfang der 2070er-Jahre zur Renteneinstiegsgrenze von 69 Jahren führen.
Besonders drängend sei, so die Experten, die automatische Anpassung des Rentenalters an die steigende Lebenserwartung, um rechtzeitig und sozialverträglich auf die demographischen Entwicklungen zu reagieren. Neben der Rentenaltererhöhung fordert die Beratergruppe das Überdenken weiterer rentenpolitischer Maßnahmen, etwa den Verzicht auf die Erweiterung der Mütterrente und eine Abschaffung der Rente ab 63 sowie eine indexbasierte Anpassung der Bestandsrenten.
Während Katherina Reiche die Bedeutung der Vorschläge angesichts der demografischen Realitäten hervorhebt, bleibt der politische Konsens gespalten. Innerhalb der Koalition zeigt sich insbesondere die SPD skeptisch gegenüber einer weiteren Erhöhung des Renteneintrittsalters.

