Alterssicherung

Renten steigen im Juli um 4,24 Prozent

05. März 2026, 15:00 Uhr · Quelle: dpa
Spaziergang gegen Einsamkeit
Foto: Christoph Soeder/dpa
Seniorinnen und Senioren erhalten höhere Bezüge. (Symbolbild)
Gute Nachrichten für Millionen Rentnerinnen und Rentner: Ihre Bezüge steigen im Sommer mehr als gedacht - und stärker als die Inflation.

Berlin (dpa) - Die Bezüge für die rund 21 Millionen Rentnerinnen und Rentner in Deutschland steigen zum 1. Juli um 4,24 Prozent. Das teilte das Bundesarbeitsministerium in Berlin mit. Nach der aktuellen Berechnung aufgrund der Daten des Statistischen Bundesamtes und der Rentenversicherung steigen die Renten damit deutlich stärker, als noch im Herbst prognostiziert.

Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) sprach von einer «guten Nachricht» für die Rentnerinnen und Rentner. Infolge der Erhöhung steigt zum Beispiel eine monatliche Rente von 1.000 Euro um gut 42 Euro. Verantwortlich für die Erhöhung machte Bas die gute Lohnentwicklung. Die gesetzliche Rente sei verlässlich. «Durch die Kopplung der Renten an die Löhne stellen wir sicher, dass die Rentnerinnen und Rentner an der Wohlstandsentwicklung der arbeitenden Bevölkerung teilhaben.»

Bas, die zugleich SPD-Co-Vorsitzende ist, ergänzte: «Ordentliche Renten sind kein Luxus, sondern eine Frage der Leistungsgerechtigkeit für die Menschen, die ihr Leben lang hart gearbeitet haben.»

Wie die Erhöhung berechnet wurde

Bei der Erhöhung spielt auch die schwarz-rote Rentenreform eine Rolle, die nach langem Streit vor Weihnachten beschlossen wurde und teils zu Jahresbeginn in Kraft getreten war. Die Haltelinie für das Rentenniveau wurde damit verlängert und bis 2031 bei 48 Prozent fixiert. Diese Haltelinie beschreibt das Sicherungsniveau der Rente im Verhältnis zu den Einkommen und hatte nur bis 2025 gegolten. Nun werde diese Haltelinie bei der Berechnung der Rentenerhöhung, konkret der Festsetzung des aktuellen Rentenwerts, berücksichtigt, erläuterte das Ministerium. Erstmals hatte sie 2024 gegriffen. 

Maßgeblich für die Erhöhung ist laut Ministerium die Lohnentwicklung von 4,25 Prozent, errechnet vom Statistischen Bundesamt. Insgesamt ergibt sich damit eine Anhebung des aktuellen Rentenwerts zum 1. Juli 2026 von gegenwärtig 40,79 Euro auf 42,52 Euro. So kommt die prozentuale Rentenanpassung zustande. 

Der Rentenwert ist dabei der Betrag, der einer monatlichen Rente aus Beiträgen eines Durchschnittsverdieners für ein Jahr entspricht. Für eine Standardrente bei durchschnittlichem Verdienst und 45 Beitragsjahren bedeutet diese Rentenanpassung einen Anstieg um 77,85 Euro im Monat, so das Ministerium.

Renten folgen den Löhnen

Im Prinzip bedeutet die Haltelinie, dass der Bund das Geld zuschießt, das nötig ist, um die Renten mit den steigenden Einkommen Schritt halten zu lassen, obwohl immer mehr Menschen der Generation Babyboomer in Rente gehen. Die in den kommenden Jahren dafür gebrauchten Milliardenkosten hatten besonders bei Teilen der Unionsfraktion für erhebliche Kritik gesorgt.

Die Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung Bund, Gundula Roßbach, begrüßte die angekündigte Rentenerhöhung. «Damit erfüllen wir erneut ein zentrales Leistungsversprechen der gesetzlichen Rentenversicherung: Die Renten folgen den Löhnen», sagte Roßbach.

Umgesetzt werden soll die Anpassung mit einer Verordnung, die im Kabinett beschlossen werden soll. Nach der Zustimmung im Bundesrates soll sie am 1. Juli 2026 in Kraft treten.

Mit der vorgesehenen Erhöhung steigen die Renten wohl spürbar stärker als die Inflation. Zu Jahresbeginn hatten die Verbraucherpreise um 2,1 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats gelegen. Vor allem Preise für Lebensmittel und Benzin steigen. Unklar ist, wie sich der aktuelle Konflikt im Nahen Osten konkret auf die Verbraucherpreise auswirken wird. 

Risiken - und Pläne dagegen

Ungeachtet des finanziellen Drucks, der wegen der Alterung der Gesellschaft prinzipiell auf der Rente lastet, ist die Rentenkasse nach jüngsten Aussagen des Bundesvorstands der Rentenversicherung derzeit generell gut aufgestellt. In den kommenden Jahren gibt es demnach aber finanzielle Risiken. Die Rentenausgaben sollen wegen erwarteter Rentenerhöhungen und einer Zunahme der Zahl der Älteren immer mehr steigen.

So soll der zur Hälfte von Arbeitnehmern und Arbeitgebern getragene Beitragssatz - heute 18,6 Prozent - in den kommenden Jahren nach oben gehen. Als ersten Beitragsanstieg seit 2007 war dabei zuletzt ein Sprung auf 19,8 Prozent im Jahr 2028 vorhergesagt worden. 

89 Prozent der steigenden Beitragseinnahmen der Rentenkasse von rund 321 Milliarden Euro entfielen 2025 auf Pflichtbeiträge aus Erwerbstätigkeit. Mehr als 120 Milliarden Euro insgesamt sollen im laufenden Jahr vom Bundeshaushalt an die gesetzliche Rentenversicherung fließen.

Vorschläge im Sommer

Um die Rente auskömmlich, aber auch bezahlbar zu halten, arbeitet derzeit eine Kommission der Bundesregierung an einem Reformplan. Zum Ende des zweiten Quartals 2026 soll sie Vorschläge vorlegen. Von den Vertreterinnen und Vertretern der Koalitionsfraktionen und der Wissenschaft in dem Gremium ist bekannt, dass sie teils sehr unterschiedliche Reformvorstellungen haben. Ökonomen hatten gewarnt, die staatlichen Ausgaben für die Rentenversicherung wüchsen durch die schwarz-roten Rentengesetze und die immer zahlreicheren Babyboomer immer weiter.

Rente / Bundesregierung / Deutschland / Rentenerhöhung / Bärbel Bas / Lohnentwicklung / Rentenreform
05.03.2026 · 15:00 Uhr
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