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Renten-Gap mit Vorzeichenwechsel

18. Juli 2025, 10:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Renten-Gap mit Vorzeichenwechsel
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Weniger als 1.000 Euro Rente: In weiten Teilen Westdeutschlands bleibt Altersarmut für viele Frauen bittere Realität – trotz jahrzehntelanger Lebens- und Familienleistung.
Die Altersrenten von Frauen in Deutschland zeigen deutlich unterschiedliche Ergebnisse zwischen Ost und West. Herkunft, Berufserfahrung und gesellschaftliche Normen prägen das finanzielle Bild im Alter.

357 Euro Unterschied – jeden Monat

In Westdeutschland liegt die durchschnittliche Altersrente von Frauen unter der 1.000-Euro-Grenze. Im Osten nicht. Dort überschreiten Rentnerinnen in jedem Bundesland die Marke von 1.100 Euro – im Schnitt sind es 1.218 Euro. Das ist 357 Euro mehr als im Westen. Diese Kluft ist kein Zufall. Sie ist die Folge jahrzehntelanger Erwerbsbiografien, die unterschiedlicher kaum hätten verlaufen können.

Während in den alten Bundesländern viele Frauen in den 70er- und 80er-Jahren in Teilzeit arbeiteten oder ganz zu Hause blieben, war es im Osten gesellschaftlicher Standard, dass Frauen voll berufstätig waren – auch mit Kindern. Diese Systemunterschiede wirken bis heute nach. In Euro. Monat für Monat.

Potsdam vor, Bitburg hinterher

Die Studie des Prognos-Instituts und des Gesamtverbands der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) legt bemerkenswerte regionale Unterschiede offen. Spitzenreiter ist die brandenburgische Landeshauptstadt Potsdam, wo Frauen im Schnitt 1.314 Euro Rente pro Monat erhalten.

Am unteren Ende der Skala: Bitburg-Prüm in Rheinland-Pfalz. Dort beziehen Rentnerinnen nur 668 Euro – nicht einmal halb so viel wie in Potsdam.

Ein Deutschland, zwei Realitäten – auch 35 Jahre nach dem Mauerfall.

Rentenschere nach Himmelsrichtung: Ostdeutsche Frauen erhalten im Schnitt 357 Euro mehr Rente als ihre westdeutschen Altersgenossinnen – ein Erbe der DDR-Arbeitskultur, das bis heute wirkt.

Hausfrau rechnet sich nicht

Der Unterschied lässt sich historisch erklären, aber nicht schönreden. Frauen in Westdeutschland haben über Jahrzehnte weniger ins Rentensystem eingezahlt – weil sie früher aus dem Beruf ausstiegen, Kindererziehung meist allein stemmten und sich später oft mit Teilzeit zufrieden gaben.

„Das führt dazu, dass Frauen im Alter finanziell schlechter dastehen“, sagt Moritz Schumann vom GDV.

Eine Binsenweisheit, die sich in jeder Rentenabrechnung schwarz auf weiß wiederfindet.

Männer in den alten Bundesländern beziehen im Schnitt rund 1.430 Euro – etwa zwei Drittel mehr als ihre weiblichen Altersgenossen. Der Gender Pension Gap ist hier keine Schlagzeile, sondern Alltag.

Erbe der DDR: Gleichstellung mit Wirkung

Im Osten sah die Realität anders aus – und sie tut es immer noch. Erwerbstätigkeit von Frauen war dort kein Karriereziel, sondern Norm. Kitas, Ganztagsplätze, staatlich verordnete Gleichberechtigung – vieles davon wirkte nicht nur auf dem Papier, sondern im Arbeitsalltag. Die Folge: deutlich mehr Beitragsjahre, höhere Einzahlungen, bessere Renten.

Deshalb ist der Rentenabstand zwischen ostdeutschen Männern und Frauen heute gering – und teils verdienen Frauen sogar mehr. Das West-Ost-Gefälle hat sich umgedreht: Während westdeutsche Männer Rentensieger bleiben, sind ostdeutsche Frauen die neuen Rentenköniginnen.

Ausnahmen, die alles sagen

Selbst bei den Männer-Renten zeigt sich, wie brüchig das Klischee vom wirtschaftsstarken Süden ist. Im Landkreis Waldshut im Südschwarzwald – ein Musterbeispiel für ländliches Wohlstandsbürgertum – liegt die Durchschnittsrente der Männer bei 1.201 Euro. Das ist weniger, als Frauen in Brandenburg, Sachsen oder Mecklenburg-Vorpommern im Schnitt beziehen.

Ganz oben bei den Männer-Renten: Bottrop im Ruhrgebiet – mit 1.686 Euro. Dort, wo die Montanindustrie einst viele gut bezahlte Vollzeitjobs bot, wirken die Effekte bis heute nach. Die Lebensleistung früherer Industriearbeit lässt sich hier noch in Euro messen.

Rentenpolitik ohne Richtung

Die Zahlen zeigen: Deutschland hat kein einheitliches Rentensystem – zumindest nicht in der Wirkung. Es reproduziert alte Unterschiede und belohnt Lebensmodelle, die es heute kaum noch gibt. Wer Teilzeit arbeitet, Kinder betreut oder pflegt, wird abgestraft. Wer 40 Jahre Vollzeit im Betrieb war, gewinnt.

Zugleich fehlt es an einer Strategie, wie man Rentengerechtigkeit für Frauen heute neu denkt – jenseits der DDR-Biografien. Denn der Rückgriff auf Ost-Modelle trägt nicht in die Zukunft.

Gleiche Rechte, gleiche Pflichten – ungleiche Rente

Was bleibt, ist ein System, das Gleichstellung predigt, aber ungleiche Lebensrealitäten zementiert. Dass Frauen im Westen im Jahr 2025 im Schnitt weniger als 1.000 Euro Rente erhalten, ist kein bedauerlicher Nebeneffekt. Es ist ein Ergebnis politischer Versäumnisse – von Rentenformeln über Steuerregeln bis hin zu fehlender Infrastruktur für echte Vereinbarkeit.

Dass Frauen im Osten besser dastehen, ist keine Erfolgsmeldung – sondern eine Erinnerung daran, dass Rentengerechtigkeit möglich wäre. Wenn man sie denn wollte.

Politik / Renten / Gender Gap / Altersrente / Gleichstellung
[InvestmentWeek] · 18.07.2025 · 10:00 Uhr
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