Rente und soziales Engagement vereinen: Ein kontroverser Vorschlag des DIW
Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, hat eine Debatte entfacht, indem er ein Pflichtjahr im sozialen Bereich für Rentnerinnen und Rentner fordert. Unter Verweis auf die unterschiedlichen Regelungen bei jungen Menschen erläuterte er, dass auch ältere Generationen eine unterstützende Rolle spielen könnten, etwa im Verteidigungsbereich, insbesondere unter Nutzung ihrer früher erworbenen technischen Fähigkeiten aus der Bundeswehr.
In seinen Ausführungen sprach Fratzscher von der Notwendigkeit einer stärkeren Solidarität der älteren mit der jüngeren Generation. Er bemängelte eine gewisse Ignoranz und Naivität älterer Menschen, die zu Entwicklungen wie einer unzureichenden Verteidigungsausgabe und einer vernachlässigten Klimapolitik geführt hätten. Diese Probleme rührt er auch auf die sogenannte „Friedensdividende“ zurück, die nach dem Ende des Kalten Krieges verfrüht als gesichert betrachtet wurde.
Im Zuge dieser Diskussion erinnert er darüber hinaus an die demografischen Veränderungen. Die Zahl der Beitragszahler pro Rentenempfänger habe sich drastisch verringert und müsse seiner Meinung nach neu und fair verteilt werden. Fratzscher stellt die Frage, warum allein die jüngeren Generationen die Lebensentscheidungen der Babyboomer tragen sollten.
Klaus Hurrelmann, Soziologe und Generationenforscher, hatte im Juli ebenfalls für eine soziale Pflichtzeit am Ende des Arbeitslebens plädiert. Vorgeschlagen wurde zudem ein "Boomer-Soli", der ein Baustein zur Stabilisierung des Rentensystems sein könnte, indem er einkommensstarke Senioren zielgerichtet belastet. Dieser Vorstoß des DIW könnte, wie bereits Mitte Juli, auf erheblichen Widerstand stoßen.

