Renaissance der Penny Stocks: Ein riskantes Spiel mit kleiner Münze
In einer erstaunlichen Entwicklung am Markt möchte nicht nur ein Nudelgeschäft aus Hongkong, sondern auch zahlreiche wenig bekannte Unternehmen aus der ganzen Welt ihre Aktien günstig anbieten. Über 90 Penny Stocks haben in diesem Jahr bisher den Schritt an die Börse gewagt – ein signifikanter Anstieg gegenüber den 77 aus dem Jahr 2024. Diese Entwicklung erinnert an das Hoch der 1980er Jahre, begünstigt durch gebührenfreie Trading-Apps, kryptogeschulte Privatinvestoren und abgelenkte Regulierungsbehörden, die kleinen Unternehmen den Zugang zu den US-Märkten erleichtern.
Obwohl diese billigeren Aktien im Vergleich zu den teuren Angeboten der sogenannten „Magnificent Seven“ zugänglicher wirken, bleibt ihre Erfolgsbilanz enttäuschend: Laut Jay Ritter, Finanzprofessor an der University of Florida, verlieren Penny-Stock-Börsengänge im Durchschnitt 60% ihres Wertes innerhalb von drei Jahren und übertreffen damit die allgemeine Marktentwicklung um etwa 90 Prozentpunkte im negativen Sinne.
In den 1980er Jahren florierten Penny Stocks, bis die Nasdaq die Anforderungen verschärfte und so das Phänomen beendete. Die von der SEC im Jahr 1990 eingeführten Regeln erwiesen sich als wirksam, um zwielichtige Firmen abzuwehren.
Ab 2021 stiegen die Zahlen wieder, angetrieben von pandemiebedingten Bedingungen, die spekulative Investitionen anheizten. Günstige Kreditmöglichkeiten aufgrund von Niedrigzinsen, direkte Stimuluszahlungen und Millionen von langweiligen Amerikanern, die Provisions-handels-Apps wie Robinhood entdeckten, schufen ein ideales Umfeld für ein Revival der Penny Stocks.
Während diese nicht zwangsläufig Betrug bedeuten, ziehen sie mit ihrem niedrigen Preisschild sowohl seriöse Kleinunternehmen als auch fragwürdige Betreiber an. Laut Benjamin Schiffrin von Better Markets nutzt die SEC ihren Fokus auf Kryptowährungen, was den Weg für Penny Stocks ebnet. Die schwächer werdenden Schutzmaßnahmen signalisieren den Penny-Stock-Emittenten, dass der regulatorische Weg frei ist.
Auch James Park von der UCLA sieht in der aktuellen Investorenspsychologie einen klassischen Zyklus. Während die Märkte neue Höhen erreichen, suchen Anleger nach erschwinglichen Chancen. Das mathematische Kalkül ist überzeugend: Penny Stocks ermöglichen den Besitz tausender Aktien zu einem geringen Preis, mit der verlockenden Aussicht auf hohe Gewinne.
Obgleich das Risiko von Verlusten hoch ist – viele dieser Aktien sind nahezu wertlos – können risikofreudige Investoren sich von der Möglichkeit blenden lassen, dass ein kleiner Einsatz signifikante Erträge bringt. Doch die Hoffnung auf Glück im Spiel erfordert Geduld und eine gewisse Portion Glück, wie Park bemerkt.

