Regierungskrise in Großbritannien nach Rücktritt von Vizeregierungschefin Rayner
Großbritannien befindet sich in einer politischen Schieflage, ausgelöst durch den überraschenden Rücktritt der stellvertretenden Premierministerin Angela Rayner, der mit einer Steueraffäre in Verbindung steht. Premierminister Keir Stamer, der bereits an einer Kabinettsumbildung arbeitet, sieht sich zunehmendem Druck von politischen Gegnern gegenüber, während die rechtspopulistische Reform-Partei unter der Führung von Nigel Farage die Gunst der Stunde nutzt. Farage, der als wortgewaltiger Kritiker der Regierung bekannt ist, verkündete bei der Jahreskonferenz seiner Partei in Birmingham zeitlich früher als geplant seine Rede und wetterte gegen das aktuelle Kabinett. Er bezeichnete es als unqualifiziert und kritisierte die Labour-Regierung als nicht besser als ihre konservativen Vorgänger.
Für die Labour-Partei ist der Rücktritt von Rayner ein empfindlicher Verlust. Die Politikerin, bekannt für ihren kämpferischen Stil und ihre Glaubwürdigkeit, insbesondere bei der Arbeiterklasse, stand für den linken Flügel der Partei, die zurzeit in den Umfragen schwächelt. Ihr Problem: Unzulängliche Steuerzahlungen beim Erwerb einer Immobilie. Dies führte zu einer Untersuchung, die einen Verstoß gegen Verhaltensregeln bestätigte. Zusätzlich zu der Affäre belastet die britische Regierung eine schwächelnde Wirtschaft und steigende Lebenshaltungskosten.
Rayners Rücktritt am Beginn der Reform-Konferenz gibt Farage die Möglichkeit, von potenziellen Neuwahlen im Jahr 2027 zu sprechen, indem er eine tiefe Spaltung innerhalb der Labour-Partei suggeriert. Der einst linke Kurs der Partei wurde unter Stamer hin zur Mitte verschoben, wobei Rayner als verbindendes Element zum misstrauischen linken Flügel fungierte. Rayner war bekannt für ihre Bodenständigkeit, ihre Herkunft aus einfachen Verhältnissen und ihre Fähigkeit, politische Debatten lebhaft zu führen. Trotz heftiger persönlicher Angriffe, die unter anderem von sexistischer Natur waren, erhielt sie Unterstützung, auch aus gegnerischen Parteien. Dies zeigt die komplexe Dynamik der britischen Politik, die durch die jüngsten Ereignisse weiteres Feuer erhält.

