Regierung: Ausmaß der Schweiz-Steueraffäre offen

05. Februar 2010, 17:36 Uhr · Quelle: dpa
Berlin (dpa) - Das Ausmaß der Schweiz-Steueraffäre ist nach Angaben der Bundesregierung noch nicht absehbar. Spekulationen, die gestohlenen Bankdaten könnten einen Steuerbetrug von bis zu 400 Millionen Euro entlarven, seien unseriös.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verteidigte den geplanten Kauf der Steuersünder-CD. Steuerhinterziehung sei alles andere als ein Kavaliersdelikt. Bei Selbstanzeigen ist eine große Welle bisher ausgeblieben. Wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa in elf Bundesländern ergab, gingen bei Finanzämtern bis Freitag nur vereinzelte Meldungen ein. Dem Land Baden-Württemberg wurden ebenfalls Daten potenzieller Steuersünder zum Kauf angeboten.

Nach Angaben der «Süddeutschen Zeitung» könnte die Aufdeckung der Schweiz-Steueraffäre dem Fiskus bis zu 400 Millionen Euro einbringen. Eine Sprecherin von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) erklärte, man könne das Ausmaß nicht abschätzen: «Das ist aus unserer Sicht momentan nicht seriös möglich.» Medienberichten zufolge sollen insgesamt bis zu 100 000 Deutsche rund 23 Milliarden Euro an der Steuer vorbei auf Schweizer Konten versteckt haben. Auf der Steuer-CD sollen bis zu 1500 Namen stehen. Wie viele davon tatsächlich Steuern hinterzogen haben, ist offen.

Die Schweizer Banken wehren sich gegen einen automatischen Informationsaustausch mit den EU-Ländern über ihre Kunden. Einen solchen massiven Eingriff in die Privatsphäre könne die Schweiz nicht akzeptieren, sagte der Geschäftsführer der Schweizerischen Bankiervereinigung, Urs Roth, der «Berner Zeitung». Finanzminister Hans-Rudolf Merz hatte angedeutet, dass für die Schweiz ein von der Europäischen Union seit langem geforderter und dort üblicher automatischer Informationsaustausch möglich wäre.

«Solche Aussagen sorgen für Unsicherheit», sagte Roth. Dass Deutschland für gestohlene Bankdaten aus der Schweiz zahle, sei ungeheuerlich. «Dass ein Rechtsstaat Unrecht mit Unrecht vergilt, geht doch einfach nicht.» Dies komme einer Einladung an potenzielle Datendiebe gleich. Die Schweizer Banken forderten ihre Regierung auf, in den Verhandlungen über ein Doppelbesteuerungsabkommen mit Deutschland mit harten Bandagen zu kämpfen.

Dem Land Baden-Württemberg liegt ebenfalls ein Kaufangebot von Daten potenzieller Steuersünder vor. Ein Sprecher des Finanzministeriums in Stuttgart bestätigte einen Bericht der «Frankfurter Rundschau» (Samstag): «Wir haben Daten bekommen und prüfen sie. Wir stimmen unser weiteres Vorgehen mit dem Bund ab», sagte er der dpa. Nach Recherchen der Zeitung handelt es sich um Daten von rund 2000 möglichen Steuersündern. Der Datensatz betreffe Kunden «verschiedener Schweizer Banken und Versicherungen», sagte der Sprecher dem Blatt. Man habe schon im vergangenen Jahr Stichproben erhalten. Nach Informationen der Zeitung handelt es sich dabei um viele Daten von Kunden der Schweizer Bank UBS. Auch Kunden von Credit Suisse und des Lebensversicherers Generali seien betroffen.

In Niedersachsen gingen inzwischen zehn Selbstanzeigen ein. Das Finanzministerium in Hannover teilte mit, dass es um nicht versteuerte Einnahmen von insgesamt mehr als 3 Millionen Euro gehe. Für den Staat bedeute das rund 1,2 Millionen Euro mehr Steuern. Bei den hessischen Finanzämtern meldeten sich diese Woche 27 reuige Steuersünder. Auch in anderen Ländern zeigten sich Bürger selbst an. Offen blieb, ob es einen direkten Zusammenhang zur Schweiz-Affäre gab.

Die «SZ» berichtete, der anonyme Informant habe sich bereits vor knapp einem Jahr bei der Steuerfahndung in Wuppertal gemeldet. Dort habe er die Daten von deutschen Kunden der Großbank Credit Suisse angeboten. Inzwischen hätten die Fahnder mehrere Stichproben mit über einhundert Namen erhalten, die sich in vielen Fällen als Volltreffer erwiesen hätten, schrieb die Zeitung, die die Affäre mit aufgedeckt hat, unter Berufung auf die Finanzbehörden. Die Credit Suisse erklärte, keine Hinweise auf einen Datendiebstahl zu haben.

Am Donnerstag hatte Nordrhein-Westfalen die rechtliche Prüfung über den Ankauf der Steuer-CD abgeschlossen. Danach machen sich die Behörden nicht strafbar. Die gestohlenen Beweismittel seien in Steuer- und Strafverfahren verwertbar. Die NRW-Steuerfahnder können nun mit dem Informanten über den Kauf der Steuer-CD verhandeln. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hofft, dass der Kauf zügig abgewickelt wird. Bund und Länder wollen das Honorar des Informanten von 2,5 Millionen Euro je zur Hälfte übernehmen. Verdi- Chef Frank Bsirske begrüßte die Entscheidung: «Nicht der Ankauf und die Nutzung der Daten ist verwerflich, sondern der Betrug an der Allgemeinheit durch Steuerhinterziehung.»

Neben dem Finanzministerium zweifeln auch Steuerexperten die Größenordnung der Affäre an. «Das werden keine 400 Millionen Euro sein», sagte der Fachanwalt für Steuer- und Strafrecht, Andreas Hagenkötter, der dpa. Die Regierung baue eine Drohkulisse auf, damit es möglichst viele Selbstanzeigen gebe. Schon bei der Steueramnestie 2004/2005 seien fünf Milliarden Euro eingeplant gewesen - doch nicht einmal eine Milliarde sei geflossen. Der vor zwei Jahren aufgedeckte Liechtenstein-Skandal hat dem Staat bisher rund 200 Millionen Euro eingebracht.

Kriminalität / Steuern / Schweiz
05.02.2010 · 17:36 Uhr
[12 Kommentare]
Kerosin-Tankstelle (Archiv)
Paris - Der Chef der Internationalen Energieagentur, Fatih Birol, befürchtet Diesel- und Kerosin-Engpässe in Europa. "Wenn sich die Lage nicht verbessert, könnten Diesel und Kerosin in Europa bald knapp werden. Nicht sofort, aber in den kommenden Wochen", sagte der Ökonom dem "Spiegel". Europa habe vor dem Irankrieg einen großen Teil seines Diesels und […] (00)
vor 7 Minuten
Victoria Beckham
(BANG) - Victoria Beckham hat laut ihrem Sohn Cruz Beckham all ihre Tattoos entfernen lassen. Der ehemalige Spice-Girls-Star hatte früher mehrere Tätowierungen, darunter Widmungen an ihren Ehemann David Beckham und ihre vier Kinder. Doch ihr 21-jähriger Sohn Cruz verriet nun, dass Victoria sie alle per Laser entfernen ließ. Während einer Fragerunde mit […] (00)
vor 1 Stunde
Polestar
Göteborg (dpa) - Der Tesla-Herausforderer Polestar sieht verstärktes Interesse an Elektroautos inmitten des vom Iran-Krieg ausgelösten Spritpreisanstiegs. «Reichweitenangst ist nicht mehr da. Zapfsäulenangst ist da und bleibt bestimmt auch noch ein bisschen», sagte Polestar-Chef Michael Lohscheller der Deutschen Presse-Agentur.  Dabei entwickelten sich die Gebrauchtwagen-Zahlen zunächst noch […] (01)
vor 8 Stunden
007 First Light erscheint später auf der Nintendo Switch 2 – IO Interactive bittet um Geduld
IO Interactive hat in den letzten Wochen einiges rund um 007 First Light auf den Tisch gelegt – ein neues Entwicklertagebuch mit erzählerischem Schwerpunkt, Details rund um die Charaktergestaltung des jungen James Bond und nun eine Nachricht, die Switch 2 Fans weniger erfreuen dürfte. Während sich das Spiel für einen Großteil der Spielerschaft pünktlich […] (00)
vor 20 Minuten
Sky UK zeigt «Chernobyl» im Free-TV
Zum 40. Jahrestag der Reaktorkatastrophe bringt Sky die vielfach ausgezeichnete Miniserie «Chernobyl» erstmals frei empfangbar ins Fernsehen. Anlässlich des 40. Jahrestags der Tschernobyl-Katastrophe öffnet Sky UK sein Archiv: Die preisgekrönte Miniserie Chernobyl wird ab dem 20. April erstmals im Free-TV ausgestrahlt. Die fünf Episoden laufen jeweils täglich auf Sky Mix und Sky Atlantic. In […] (00)
vor 1 Stunde
SC Freiburg - Celta Vigo
Berlin (dpa) - Maximilian Eggestein nickte anerkennend. «Ehrlich?», entfuhr es dem Mittelfeldspieler des SC Freiburg, als er darüber informiert wurde, dass auch der FSV Mainz 05 seinen nächsten Sieg im Europapokal eingefahren hatte. «Stark! », sagte der 29-Jährige. Das sei «schön für den deutschen Fußball». Freiburg und Mainz als Hoffnungsträger der […] (02)
vor 6 Minuten
finance, currency, bitcoin, crypto, cryptocurrency, investment, wealth, money, brown money, brown finance
In einem wegweisenden Schritt hat Hongkong erstmals Stablecoin-Lizenzen an HSBC und ein von Standard Chartered geführtes Konsortium vergeben. Dies markiert einen weiteren Schritt der Stadt in Richtung einer stärkeren Integration von Kryptowährungen in die traditionelle Finanzwelt. Darryl Chan, stellvertretender Geschäftsführer der Hong Kong Monetary […] (00)
vor 26 Minuten
Immobilienpreise in Riegelsberg 2026
Püttlingen, 10.04.2026 (lifePR) - Die Immobilienpreise in Riegelsberg zeigen sich im Frühjahr 2026 insgesamt robust. Aktuelle Marktportale sehen die durchschnittlichen Hauspreise je nach Objektart, Lage und Datenbasis bei rund 1.836 bis 2.770 Euro pro Quadratmeter. Eigentumswohnungen bewegen sich derzeit im Bereich von etwa 2.237 bis 2.321 Euro pro […] (00)
vor 1 Stunde
 
AfD-Klausur im Spreewald – Streitpunkte bleiben außen vor
Cottbus/Berlin (dpa) - Die AfD-Bundestagsfraktion berät am Wochenende in Cottbus bei […] (02)
Asyl-Wende brutal: 95 Prozent der Syrer abgelehnt – 2024 waren es null Prozent
Asylanträge von Syrern werden in Deutschland inzwischen größtenteils abgelehnt. Wie […] (01)
Sonne
Bonn (dpa) - Der vergangene Monat war der zweitwärmste März in Europa seit Beginn der […] (01)
Frankfurter Börse
Frankfurt/Main - Der Dax ist am Freitag zurückhaltend in den Handelstag gestartet. […] (00)
Der deutsche Film verliert einen seiner größten Namen: Mario Adorf ist tot.
(BANG) - Der deutsche Film verliert einen seiner größten Namen: Mario Adorf ist tot. […] (08)
iPhone Fold: Release im September rückt näher
Das Warten auf Apples erstes faltbares Smartphone könnte bald ein Ende […] (00)
Amazon bestellt «Calamities»
Der neue Crime-Thriller von David Weil erhält bei Prime Video ohne Pilotphase grünes Licht. […] (00)
Golden State Warriors - Los Angeles Lakers
San Francisco (dpa) - Die Los Angeles Lakers haben ihre Niederlagen-Serie in der NBA […] (00)
 
 
Suchbegriff