Opfer aus 193 Ländern

Razzia gegen Fake-Abo-Betrüger - 300 Millionen Euro Schaden

05. November 2025, 18:59 Uhr · Quelle: dpa
Bundeskriminalamt zu Betrugs- und Geldwäschenetzwerken
Foto: Jens Albes/dpa
Die Ermittler tauften ihre Arbeit «Operation Chargeback». Damit ist eine Rückbuchung einer Kartenzahlung gemeint, weil ein Kunde bei seiner Bank die Stornierung einer Abbuchung etwa wegen Betrugs fordert. 
Bei einer Razzia auf drei Kontinenten wurden 44 Beschuldigte festgenommen, die Fake-Abonnements über Schein-Websites betrieben haben. Der Schaden beläuft sich auf über 300 Millionen Euro durch Kreditkartenmissbrauch.

Wiesbaden (dpa) - Bei der Razzia gegen mutmaßliche Betrugs- und Geldwäschenetzwerke auf drei Kontinenten sind auch 29 Objekte in Deutschland durchsucht worden. In Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Hessen, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein waren mehr als 250 Einsatzkräfte im Einsatz, wie das Bundeskriminalamt (BKA) und andere Behörden in Wiesbaden mitteilten. 18 Haftbefehle waren zuvor am Dienstag im In- und Ausland vollstreckt worden, darunter fünf in Deutschland.

Den insgesamt 44 Beschuldigten - 36 Männern und acht Frauen im Alter zwischen 32 und 74 Jahren - wird vorgeworfen, Kreditkartendaten von Geschädigten aus 193 Ländern genutzt zu haben, um mehr als 19 Millionen Fake-Abos über professionell betriebene Schein-Webseiten abzuschließen. Es soll um über vier Millionen betroffene Kreditkarteninhaber und mehr als 500 Scheinfirmen gehen. 

Der von 2016 bis 2021 entstandene Gesamtschaden soll sich auf mehr als 300 Millionen Euro belaufen. Weitere geplante kriminelle Geldflüsse von insgesamt rund 750 Millionen Euro konnten nach den Angaben nicht mehr verwirklicht werden, etwa weil Kreditkarten veraltet waren.

Ursprung der Ermittlungen im rheinland-pfälzischen Westerwald

Die Zahl der Beschuldigten alleine in Deutschland nannte das BKA «aus ermittlungstaktischen Gründen» nicht. Laut der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz lag der Ursprung der fünfjährigen internationalen Ermittlungen im rheinland-pfälzischen Montabaur im Westerwald - dort habe ein Beschuldigter seinen Wohnsitz oder eine Firma, genauer wollte sich die Behörde nicht äußern.

Auch Fake-Porno-Angebote

Die Fake-Webseiten vor allem zu angeblichen Porno-, Dating- und Streamingangeboten dienten dem BKA zufolge nur dazu, die Kreditkarten der Geschädigten mit entsprechenden Gebühren zu belasten. Die monatlich abgebuchten Beträge waren bewusst eher klein, beispielsweise 50 Euro oder 50 Dollar, und mit unverständlichen Verwendungszwecken versehen. Damit sollten viele Kreditkarteninhaber die Abbuchungen überlesen, nicht eindeutig zuordnen oder nicht als falsch erkennen.

Die Beschuldigten sollen zur Abwicklung von Zahlungen vier große deutsche Zahlungsdienstleister kompromittiert haben. Bei einem von ihnen sollen die Beschuldigten eigens eine für Geldwäsche programmierte Software installiert haben. 

Razzia bis nach Singapur und Zypern

An der internationalen Razzia waren unter anderem das BKA und die Landeszentralstelle Cybercrime der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz beteiligt. Die Beamten filzten auch Objekte in Italien, Kanada, Luxemburg, den Niederlanden, Singapur, Spanien, den Vereinigten Staaten und Zypern. 

Zu den 44 Beschuldigten zählen mutmaßliche Beteiligte dreier internationaler Betrugsnetzwerke, einstige Verantwortliche deutscher Zahlungsdienstleister, Vermittler, Anbieter von «Crime as a service» (Kriminalität als Service) und ein selbstständiger «Risk Manager.

Anti-Geldwäsche-Behörde erkennt auffälliges Verdachtsmuster

Die Ermittlungen ausgelöst hatten Erkenntnisse der Anti-Geldwäsche-Behörde FIU. Sie hatte bei zahlreichen einzelnen Verdachtsmeldungen ein auffälliges Muster erkannt. Die Kreditkartendaten der Opfer sollen die Beschuldigten etwa mit Phishing-Attacken erbeutet haben. Hierbei versuchen Kriminelle, sensible Daten wie Passwörter oder Bankinformationen zu stehlen, indem sie sich etwa per gefälschter E-Mail oder Webseite als eine vertrauenswürdige Person oder Institution ausgeben. 

Die aufwendigen, bisher verdeckten Ermittlungen dauern an - unter anderem mit mehr als 90 Rechtshilfeersuchen in anderen Ländern, etwa zur Klärung dortiger Sachverhalte. Die Betrügereien wurden laut BKA bereits seit 2021 vollständig gestoppt. Die Ermittler tauften ihre Arbeit «Operation Chargeback». Damit ist eine Rückbuchung einer Kartenzahlung gemeint, weil ein Kunde bei seiner Bank die Stornierung einer Abbuchung etwa wegen Betrugs fordert. 

Der Koblenzer Generalstaatsanwalt Harald Kruse sagte zum Ausmaß der Betrügereien: «Die puren Zahlen in diesem Verfahren lassen einen schwindeln.» Die Ermittlungen hätten bis zu Ländern wie Nordkorea gereicht. «Ich wusste gar nicht, dass es dort Kreditkarten gibt», sagte Kruse. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) sprach von einem «wichtigen Schlag gegen ein internationales Geldwäschenetzwerk».

Kriminalität / Deutschland / Italien / Kanada / Luxemburg / Niederlande / Singapur / Spanien / USA / Zypern
05.11.2025 · 18:59 Uhr
[2 Kommentare]
Bundesregierung erwartet gebührenfreie Hormus-Passage
Athen/Teheran (dpa) - Der griechische Regierungschef Kyriakos Mitsotakis fordert nach Ende des Iran-Krieges einen gebührenfreien und sicheren Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus. «Ich glaube nicht, dass die internationale Gemeinschaft bereit wäre zu akzeptieren, dass der Iran für jedes Schiff, das die Straße von Hormus durchquert, eine Mautstelle […] (00)
vor 33 Minuten
Karol G hat enthüllt, dass ihr geraten wurde, sich nicht gegen die US-Einwanderungsbehörden zu äußern
(BANG) - Karol G hat enthüllt, dass ihr geraten wurde, sich nicht gegen die US-Einwanderungsbehörden zu äußern, da sie sich sonst angeblich Probleme mit ihrem Visum einhandeln könnte. Der kolumbianische Superstar bereitet sich darauf vor, an beiden Sonntagen beim Coachella-Festival in Indio, Kalifornien, als Headliner aufzutreten. Neben ihr gehören auch […] (00)
vor 9 Stunden
Die Apps Instagram, Facebook und WhatsApp auf einem Handy
Ellwangen/Berlin (dpa/tmn) - Nutzerinnen und Nutzer von Facebook und Instagram haben keinen rechtlichen Anspruch darauf, dass ihre personenbezogenen Daten ausschließlich innerhalb Europas gespeichert und verarbeitet werden. Das hat das Landgericht Ellwangen in einem Urteil entschieden (Az.: 3 O 480/24), auf das die Arbeitsgemeinschaft IT-Recht im […] (01)
vor 3 Stunden
Warum Benzin in Deutschland so teuer ist – und wie sich der Preis wirklich zusammensetzt
Wer aktuell an die Tankstelle fährt, kennt das Gefühl: Der Blick auf die Zapfsäule sorgt oft für Stirnrunzeln. Preise von rund zwei Euro pro Liter sind längst keine Seltenheit mehr. Viele fragen sich deshalb völlig zurecht: Warum ist Benzin eigentlich so teuer – und wer verdient daran wirklich? Die Antwort darauf ist deutlich komplexer, als es auf den […] (01)
vor 8 Stunden
«Saturday Night Live»: Prominente Hosts beenden 51. Staffel im Mai
Die Kultshow «Saturday Night Live» setzt zum Staffelfinale mit hochkarätigen Gästen an. Der US-Sender NBC hat die letzten drei Ausgaben der 51. Staffel von Saturday Night Live angekündigt. Im Mai übernehmen gleich mehrere prominente Namen die Moderation der traditionsreichen Sketch-Show – begleitet von bekannten Musik-Acts. Den Auftakt macht am 2. Mai Olivia Rodrigo, die sowohl als Host als […] (00)
vor 3 Stunden
FC Barcelona - Atlético Madrid
Barcelona/Paris (dpa) - Hansi Flick droht mit dem FC Barcelona das Aus in der Champions League, auch der FC Liverpool mit Florian Wirtz steht nach dem nächsten Rückschlag vor dem K.o. im Viertelfinale. Nach langer Unterzahl unterlag Barça im Hinspiel Atlético Madrid mit 0: 2 (0: 1). Liverpool verlor bei Titelverteidiger Paris Saint-Germain ebenfalls mit […] (04)
vor 4 Stunden
nahaufnahme von bitcoin-symbolschildern im freien, die moderne kryptowährungstrends widerspiegeln.
Ein Krypto-Analyst, bekannt als CrypFlow, hat dargelegt, welche Indikatoren seiner Meinung nach den Beginn des nächsten Bitcoin-Bullenmarkts bestätigen werden. Laut dem Analysten beginnt der Aufwärtstrend nicht am Tiefpunkt, sondern erst nach bestimmten technischen Bestätigungen auf dem Chart. Seine Analyse weist auf drei Bedingungen hin, die erfüllt […] (00)
vor 1 Stunde
ClickRent-Datenleck: 2,5 Millionen Kunden des Autovermieters betroffen
Lahr, 08.04.2026 (lifePR) - Beim spanischen Autovermieter ClickRent ist es offenbar zu einem massiven Datenschutzvorfall gekommen, der für Millionen Kunden erhebliche Folgen haben kann. Nach Berichten spanischer Medien vom 31. März 2026 und 1. April 2026 sollen rund 2,5 Millionen Datensätze betroffen sein; abgeflossen sein sollen unter anderem Ausweisdokumente, […] (00)
vor 10 Stunden
 
Rathaus (Archiv)
Berlin - Der Deutsche Landkreistag kritisiert die geplante Finanzspritze von […] (00)
Bundestag
Berlin (dpa) - Er soll im Bundestag den Hitlergruß gezeigt und dabei die Hacken […] (04)
Friedrich Merz (Archiv)
Berlin - Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat die zweiwöchige Waffenruhe begrüßt, […] (01)
Boris Pistorius
Berlin (dpa) - Verteidigungsminister Boris Pistorius will noch in dieser Woche eine […] (10)
QNAP stellt QSW-M7230-2X4F24T L3 Lite 100GbE Managed Switch vor
QNAP Systems, Inc., ein führender Innovator für Computer-, Netzwerk und Speicher- […] (01)
Daniel Altmaier
Monte-Carlo (dpa) - Tennisprofi Daniel Altmaier hat sein Auftaktmatch beim Masters- […] (01)
Meryl Streep
(BANG) - Meryl Streep hat ihre Figur in 'Der Teufel trägt Prada' auf zwei Hollywood- […] (00)
Plans vs. Zombie 3: Evolved erscheint in ersten Regionen
Electronic Arts und PopCap Studios veröffentlichen Plants vs. Zombie 3: Evolved in […] (00)
 
 
Suchbegriff