Pünktlichkeit der Deutschen Bahn im Fernverkehr auf Acht-Jahres-Tief
Die Deutsche Bahn (DB) steckt im Fernverkehr tief in der Pünktlichkeitskrise. Seit acht Jahren war kein Monat so geprägt von Verspätungen wie der vergangene November. Laut einem DB-Sprecher erreichten lediglich 52 Prozent der ICE- und IC-Züge ihr Ziel pünktlich. Gründe für diese eklatante Unpünktlichkeit liegen vor allem im verstärkten Baugeschehen.
Der Grund für die Unzuverlässigkeit der Züge ist das kurzfristige Baugeschehen, das im Vergleich zum Vorjahr drastisch zugenommen hat. Etwa 75 Prozent der Fernverkehrszüge wurden durch mindestens eine Baustelle ausgebremst. Die DB hat aufgrund des erheblichen Sanierungsstaus das Bauvolumen in diesem Jahr deutlich erhöhen müssen und hat zusätzlich zwei Milliarden Euro investiert. Ab dem kommenden Jahr sollen viele kleinere Baumaßnahmen in kompakten Korridorsanierungen gebündelt werden, um die Situation zu verbessern.
Die DB weiß um das Problem und äußert ihr Bedauern. Der Sprecher betonte, dass die Pünktlichkeit nicht den eigenen Ansprüchen gerecht werde und auch den Erwartungen der Fahrgäste nicht entspreche. Aktuell gilt ein Zug als pünktlich, wenn er weniger als sechs Minuten Verspätung hat. Ausfälle und verpasste Anschlüsse finden in der offiziellen Statistik keine Berücksichtigung.
Im Oktober erreichten die ICE- und IC-Züge des Konzerns lediglich 58,6 Prozent ihrer Halte ohne große Verzögerung. Dies bedeutet, dass das selbst gesteckte Pünktlichkeitsziel der DB in diesem Jahr deutlich verfehlt wird. Ursprünglich hatte der Konzern eine Pünktlichkeit von über 70 Prozent im Fernverkehr zum Ziel gesetzt. Jedoch lag die Pünktlichkeitsrate in den ersten zehn Monaten bei etwa 66 Prozent, was klar darauf hindeutet, dass das angestrebte Ziel von 70 Prozent für das Jahr 2023 nicht mehr erreicht werden kann.
Die Pünktlichkeitsprobleme der Deutschen Bahn sind auch international bekannt. In den letzten Jahren hat sich die Situation drastisch verschärft. Der Pünktlichkeitswert sank von 75,2 Prozent im Jahr 2021 auf 65,2 Prozent im letzten Jahr. Trotz der verstärkten Bemühungen der DB, die Pünktlichkeit zu verbessern, bleibt die Hürde hoch. (eulerpool-AFX)

