Polymarket: Kein Bitcoin-Verkauf im Mai trotz gegenteiliger Beweise

Polymarket hat eine der umstrittensten Vorhersagen des Jahres abgeschlossen. Der Vorhersagemarkt, ob das Unternehmen Strategy im Mai Bitcoin verkaufen würde, wurde mit "Nein" aufgelöst. Laut der Plattform hat das Unternehmen in diesem Monat keine BTC verkauft.
Allerdings bestätigten sowohl die Führungskräfte des Unternehmens als auch eine offizielle Einreichung bei der US-Börsenaufsichtsbehörde SEC, dass tatsächlich Bitcoin-Verkäufe im Mai stattfanden. Der Grund für die abweichende Entscheidung von Polymarket liegt in der zeitlichen Abfolge der Bekanntmachung. Die offizielle Bestätigung erfolgte am 1. Juni, also nach Ablauf der Frist am 31. Mai.
Die Entscheidung von Polymarket hat erhebliche Kritik hervorgerufen, nicht nur wegen des Ergebnisses, sondern auch, weil die Plattform nach Schließung des Marktes eine Klarstellung hinzufügte. Diese besagte, dass Ankündigungen nach der Frist nicht zur Auflösung des Marktes beitragen würden.
Verkauf im Mai, Meldung im Juni
Im Zentrum der Kontroverse steht der Unterschied zwischen dem Zeitpunkt des Ereignisses und dem Zeitpunkt der öffentlichen Bestätigung. Diese beiden Ereignisse sind voneinander getrennt. Hätte der Markt die Formulierung "MicroStrategy bestätigt den Verkauf von Bitcoin bis 31. Mai, 23:59 Uhr ET" verwendet, wäre keine Interpretation nötig gewesen.
Der Markt lautete jedoch "MicroStrategy verkauft Bitcoin bis 31. Mai, 23:59 Uhr ET", was tatsächlich geschah, aber erst später bekannt gegeben wurde.
Polymarket bewertete nicht das tatsächliche Ergebnis, sondern den Zeitpunkt der Bekanntgabe. Diese Unterscheidung mag technisch erscheinen, hat jedoch erhebliche Auswirkungen auf die Händler. Ein Markt, der sich darauf konzentriert, ob ein Unternehmen Bitcoin verkauft hat, kann je nach Bewertungszeitpunkt unterschiedliche Antworten liefern.
Regeländerung nachträglich eingeführt
Besonders umstritten ist, dass Polymarket die Regel, dass Ankündigungen nach der Frist nicht zählen, erst nach Schließung des Marktes hinzufügte.
Dies wirft ernsthafte Fragen auf. Vorhersagemärkte sind darauf angewiesen, dass Teilnehmer die Abwicklungskriterien vor dem Handel kennen. Eine nachträgliche Änderung dieser Kriterien, insbesondere nach dem relevanten Ereignis, könnte das Vertrauen in die Neutralität der Plattform untergraben.
Ein Händler behauptete, rund $500.000 verloren zu haben, nachdem er auf die "Ja"-Seite gesetzt hatte, während andere Beobachter die Entscheidung kritisierten. Die Kontroverse hat auch breitere Bedenken darüber ausgelöst, wie Vorhersagemärkte mit Ereignissen umgehen, die vor einer Frist stattfinden, aber erst danach bestätigt werden.
Zusammengefasst: Strategy hat laut eigener Einreichung im Mai BTC verkauft. Laut Polymarket jedoch nicht.

