Politischer Widerstand: US-Demokraten kämpfen gegen Saudi-Übernahme von Electronic Arts
Eine 55 Milliarden Dollar schwere Übernahme könnte die Spieleindustrie nachhaltig erschüttern – und amerikanische Gesetzgeber wollen das mit allen Mitteln verhindern. Saudi-Arabiens Public Investment Fund steht kurz davor, gemeinsam mit Jared Kushners Affinity Partners und der Private-Equity-Firma Silver Lake die Kontrolle über Electronic Arts zu erlangen. Doch nun formiert sich in Washington erbitterter Widerstand: 46 Abgeordnete der Demokraten fordern eine gründliche Untersuchung des Deals, der 2027 abgeschlossen werden soll. Die Befürchtungen reichen von massiven Entlassungswellen über kulturelle Einflussnahme bis hin zur Konzentration von Marktmacht.
Arbeitsmarktbedenken im Zentrum der Kritik
Die von der Labor Caucus verfasste Petition richtet sich direkt an Andrew Ferguson, den Vorsitzenden der Federal Trade Commission, und fordert eine rigorose Prüfung der geplanten Transaktion. „Wir setzen uns für faire, wettbewerbsorientierte Arbeitsmärkte und den Schutz amerikanischer Arbeitsplätze ein“, heißt es in dem Schreiben. Die Abgeordneten befürchten gravierende Konsequenzen für EA-Mitarbeiter, zumal der Deal mit mindestens 20 Milliarden Dollar Fremdkapital finanziert werden soll. Diese enorme Schuldenlast könnte die Käufer dazu zwingen, rigide Sparmaßnahmen durchzusetzen – darunter Massenentlassungen, Standortverlagerungen, Umstrukturierungen oder komplette Studioscließungen. EA selbst hat bereits 2024 rund 670 Angestellte entlassen, gefolgt von weiteren Kürzungen im April 2025. Eine Akquisition dieser Größenordnung mit entsprechender Verschuldung könnte die Personaldecke weiter dezimieren.
Marktdominanz und kulturelle Einflussnahme
Die Parlamentarier artikulieren zusätzlich Sorgen hinsichtlich der Machtkonzentration im Arbeitsmarkt. Sollte die Übernahme durchgehen, würde der PIF faktisch die vollständige Kontrolle über einen der größten Videospielentwickler und Publisher der Vereinigten Staaten ausüben. Obwohl der saudische Staatsfonds bereits Anteile an anderen Gaming-Unternehmen hält, wäre EA mit Abstand die bedeutendste Beteiligung – was dem PIF vermutlich erheblichen Einfluss auf Unternehmenskultur und Spieleentwicklung verschaffen würde. Besonders brisant: Saudi-Arabien pflegt fundamental andere gesellschaftliche Normen als die USA. Unter der Scharia etwa wird die Zugehörigkeit zur LGBTQ+-Community mit dem Tod bestraft. Ob der PIF seine kulturellen Ansichten auf die von EA produzierten Spiele projizieren würde, bleibt spekulativ – könnte jedoch Studios wie BioWare, das Dragon Age The Veilguard entwickelte, oder Maxis, die Schöpfer der Sims-Reihe, empfindlich treffen. Beide Studios integrieren regelmäßig LGBTQ+-Repräsentation in ihre Werke.
Gewerkschaftliche Unterstützung für die Initiative
Das von 46 Demokraten im Repräsentantenhaus unterzeichnete Schreiben erfährt Rückendeckung durch die Communications Workers of America, eine einflussreiche Gewerkschaft in der Branche. Die CWA hat sich wiederholt für verbesserte Arbeitsbedingungen in der Gaming-Industrie stark gemacht und sieht in der saudischen Übernahme eine existenzielle Bedrohung für hart erkämpfte Arbeitnehmerrechte. Die Gewerkschaft befürchtet, dass der PIF koordinierte gewerkschaftsfeindliche Praktiken implementieren könnte, die den mühsam erreichten Fortschritt bei Arbeitnehmerrechten zunichtemachen würden. Die Parlamentarier betonen in ihrem Schreiben explizit die langfristigen Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit der amerikanischen Videospielindustrie und fordern eine transparente Bewertung sämtlicher Risikofaktoren.
Ungewisse Zukunft für ikonische Franchises
Falls die FTC dem Druck nachgibt und eine eingehende Untersuchung einleitet, könnte sich der für 2027 geplante Abschluss erheblich verzögern oder sogar komplett scheitern. Die Aktionäre von EA haben der Übernahme bereits im Dezember 2025 zugestimmt, womit formell nur noch regulatorische Hürden zu überwinden sind. Der PIF hielt bereits vor der Transaktion etwa 10 Prozent an EA und würde seinen Anteil nach Abschluss auf geschätzte 93,4 Prozent steigern. Diese Dominanz wirft fundamentale Fragen über die Zukunft kultigster Spielereihen wie FIFA, Battlefield, Mass Effect und The Sims auf. Die kommenden Monate werden zeigen, ob politischer Widerstand ausreicht, um einen der ambitioniertesten Deals in der Gaming-Geschichte zu torpedieren.


