Polens Präsident Nawrocki fordert eigenes Atomwaffenprogramm
Angesichts der angespannten geopolitischen Lage und der bedrohlichen Nähe zu bewaffneten Konflikten hat Polens Präsident Karol Nawrocki einen eindringlichen Appell für die Entwicklung eines eigenständigen Atomwaffenprogramms seines Landes geäußert. In einem Interview mit dem Fernsehsender Polsatnews verwies der rechtskonservative Staatschef auf die direkte Nachbarschaft zu einem kriegerischen Geschehen und die historisch aggressive Haltung Russlands gegenüber Polen. Nawrocki, der als Präsident auch der Oberbefehlshaber der polnischen Armee ist, sieht in der atomaren Potenz die notwendige Verstärkung für die nationale Sicherheit, auch wenn er keine konkreten Zeitpläne für den Beginn eines solchen Programms präsentierte.
Im Kontext der internationalen Sicherheitsarchitektur betonte Nawrocki den respektvollen Umgang mit globalen Regelungen, hob jedoch die Priorität der nationalen Sicherheitsbedenken hervor. Angesprochen auf mögliche aggressive Reaktionen Moskaus, zeigte er sich unbeeindruckt und bemerkte, dass Russland in der Vergangenheit häufig mit Aggression auf zahlreiche Ereignisse reagiert habe.
Polen, ein Schlüsselmitglied der EU und der NATO, nimmt eine bedeutende Rolle in der Unterstützung der Ukraine ein. Nawrockis Vorschlag reicht über die Ansätze seines Vorgängers Andrzej Duda hinaus, der die Bereitschaft Polens zur Stationierung von US-Atomwaffen im Rahmen der sogenannten nuklearen Teilhabe bekundet hatte, sofern die NATO dies für erforderlich hält. Auf Anfragen aus dem NATO-Bündnis wurde jedoch klargestellt, dass eine Erweiterung der atomaren Präsenz derzeit nicht auf der Agenda steht.
Historisch nutzten die Vereinigten Staaten das Konzept der nuklearen Teilhabe, um in verschiedenen europäischen Ländern Atomwaffen zu stationieren. Offizielle Angaben zu den Standorten existieren nicht, doch es wird angenommen, dass neben Deutschland auch die Niederlande, Belgien, Italien und die Türkei zu den Lagerungsorten zählen.

