PlayStation-Legende Yoshida warnt: Explodierende Spiele-Budgets sind unhaltbar
Shuhei Yoshida, das ehemalige Gesicht von PlayStation und ein Urgestein der Videospielindustrie, hat seit seinem offiziellen Abschied von Sony eine neue, wichtige Rolle gefunden: die des weisen Mahners. In einem bemerkenswerten Auftritt auf dem YouTube-Kanal von ehemaligen Nintendo-Mitarbeitern hat Yoshida nun schonungslos eine der größten Krisen der modernen Spieleentwicklung seziert – den unaufhaltsamen, budgetären Gigantismus, der die Kreativität zu ersticken droht und dafür sorgt, dass wir immer weniger Spiele zu Gesicht bekommen.
Die trügerische Sicherheit der Giganten
Yoshida blickt zurück auf die Ära der PlayStation 4, eine Zeit, in der die Strategie, auf immer größere Blockbuster zu setzen, als „sicherer“ galt. Mit scharfsinniger Analyse zeichnet er nach, wie Sony und andere Branchenriesen begannen, sich von kleineren, experimentellen Perlen wie Patapon abzuwenden und stattdessen ihre ganze Feuerkraft auf narrative Schwergewichte wie God of War zu konzentrieren. Die Logik dahinter war, so Yoshida, fast schon konterintuitiv: „Wenn wir genug Geld ausgeben, um ein riesiges Spiel zu machen, fühlte es sich an, als ob die Erfolgschance steigt, weil jeder größere Spiele mit schönerer Grafik, realistischeren Charakteren und mehr Spielstunden spielen wollte.“
Wenn der Moloch sich selbst verschlingt
Dieser Fokus auf monumentale Einzelspieler-Erlebnisse hat jedoch eine düstere Kehrseite: Er trocknet den Nährboden für kreative Experimente aus, da die Budgets in wenigen, riesigen Fortsetzungen oder neuen Blockbustern gebunden sind. Die eigentliche Schockwelle sendet Yoshida aber mit seiner Einschätzung der aktuellen Situation. Er verweist auf Analysen, die belegen, dass sich die Produktionskosten für ein und dieselbe Franchise von der PS4- zur PS5-Generation praktisch verdoppelt haben. Dieser finanzielle Wahnsinn habe nun einen kritischen Punkt erreicht, an dem „wir diese Investition nicht mehr amortisieren können.“ Seine Schlussfolgerung ist ein unmissverständliches Alarmsignal an die gesamte Branche: „Ich denke, diese Generation, die PS5-Generation, ist das erste Mal, dass die Industrie wirklich, wirklich glaubt, dass etwas getan werden muss.“
Der Ausweg aus der Kostenfalle
Doch Yoshida ist kein bloßer Schwarzmaler; er skizziert auch einen möglichen Ausweg aus der Krise. Als leuchtendes Beispiel nennt er Titel wie Clair Obscur: Expedition 33. Solche Spiele beweisen eindrucksvoll, dass visuelle Brillanz und herausragende Qualität nicht zwingend an dreistellige Millionenbudgets gekoppelt sein müssen. „Man kann exzellente Spiele mit kleineren Teams und strafferen Budgets machen, ohne Kompromisse bei der Qualität einzugehen“, so Yoshida. Es ist ein Plädoyer für den „AA“-Markt, für den intelligenten Mittelweg zwischen Indie-Charme und AAA-Bombast. Seine Anekdoten, etwa wie er einen frühen Prototyp von Gran Turismo als „zu fortschrittlich“ und nicht spaßig empfand oder bereits eine frühe Version von Ghost of Yōtei spielen durfte, zementieren seine tiefe Verwurzelung und sein einzigartiges Gespür für die Branche. Sein Urteil hat Gewicht – und es könnte die Weichen für die Zukunft der Spieleentwicklung neu stellen.


