Investmentweek

Pflege-Deckel mit Sprengkraft – Warum der Staat in eine Milliardenfalle läuft

26. Mai 2025, 16:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Die Bundesregierung plant, Eigenanteile für Pflegeheime zu deckeln. Was als soziale Wohltat verkauft wird, könnte das Pflegesystem ins Wanken bringen.

Kosten explodieren, Beitragssätze steigen

Die Zahlen sprechen für sich: Die Ausgaben der sozialen Pflegeversicherung lagen 2023 bei 63 Milliarden Euro. Zehn Jahre zuvor waren es noch 24 Milliarden.

Dieses Jahr werden es wohl über 70 Milliarden. Und das, obwohl die Beiträge zuletzt kräftig erhöht wurden – Kinderlose zahlen inzwischen 4,2 Prozent. Trotzdem steuert das System geradewegs auf ein neues Milliardendefizit zu.

Der Zuschuss, der alles teurer machte

Was ist passiert? Der Staat bezuschusst seit 2022 die Eigenanteile der Pflegebedürftigen im Heim – gestaffelt nach Aufenthaltsdauer. Im ersten Jahr 15 Prozent, im zweiten 30, im dritten 50, ab dem vierten 75 Prozent.

Eigentlich sollte das nur rund 2,5 Milliarden Euro im Jahr kosten, so die Kalkulation von Ex-Minister Jens Spahn. Doch schon 2022 lag der Betrag bei 3,6 Milliarden. 2024 werden es laut IGES-Studie 7,3 Milliarden. Tendenz: steigend.

Pflegevollkasko statt Teilkasko

Die Pflegeversicherung war nie als Rundum-sorglos-Paket gedacht. Sie sollte nur eine Basisabsicherung leisten – keine Vollkasko wie die Krankenversicherung. Spahns Reform und Lauterbachs Ausweitung haben diesen Grundsatz über Bord geworfen. Die Folge: steigende Staatskosten, höhere Beitragssätze und ein wachsender Leistungsanspruch.

Was der Pflege-Deckel wirklich bedeutet

Jetzt prüft die neue Gesundheitsministerin Nina Warken eine Begrenzung der Eigenanteile auf maximal 1.000 Euro im Monat – ein Wahlversprechen der SPD. In der Bevölkerung kommt das gut an.

Doch Experten schlagen Alarm. Denn der Deckel würde dazu führen, dass die Solidargemeinschaft künftig fast sämtliche Kostensteigerungen tragen muss. Die Pflege wird damit zur Staatsleistung – und immer teurer.

Pflegeheimbewohner zahlen im Schnitt 1.760 Euro monatlich aus eigener Tasche – Tendenz steigend. Der geplante Pflege-Deckel könnte das System finanziell überfordern, warnen Experten.

Anreiz, Eltern ins Heim zu bringen?

Sozialforscher Bernd Raffelhüschen warnt vor einem „Heimsog“. Wenn die Eigenanteile gedeckelt sind, könnte das für viele Angehörige ein Anreiz sein, pflegebedürftige Eltern eher in ein Heim zu geben – statt sie zu Hause zu betreuen. Und wer weiß, dass das Haus der Eltern nicht mehr für die Pflegekosten herangezogen werden muss, denkt vielleicht schon an den Erbschein.

Unsoziale Umverteilung von unten nach oben

Ein weiterer Effekt: Der Pflege-Deckel schützt vor allem Vermögende. Geringverdiener zahlen über ihre Sozialbeiträge mit, während gut situierte Familien ihr Vermögen schonen.

Denn wer heute ins Heim geht, muss oft Teile seines Besitzes zur Finanzierung heranziehen. Fällt dieser Eigenanteil weg, profitieren jene, die eigentlich selbst zahlen könnten – zulasten der Beitragszahler.

Immer mehr Pflegebedürftige, immer längere Pflegezeiten

Die steigende Zahl an Pflegebedürftigen ist kein reiner Demografie-Effekt. Seit einer Reform unter Kanzlerin Merkel im Jahr 2014 reicht schon eine leichte Einschränkung, um als pflegebedürftig zu gelten.

Das ist menschlich nachvollziehbar, treibt aber die Kosten massiv. Anfang 2024 waren 5,7 Millionen Menschen leistungsberechtigt – 730.000 mehr als zwei Jahre zuvor.

Pflegekräfte verdienen mehr – zurecht, aber teuer

Auch die gestiegenen Gehälter in der Pflege schlagen durch. Vollzeitkräfte in Heimen verdienen heute im Schnitt 4.228 Euro brutto – gut 1.600 Euro mehr als vor zehn Jahren. Das ist gerecht, aber teuer. Und die Lohnkosten sind der größte Ausgabenposten in Heimen. Ein Deckel auf die Eigenanteile bedeutet: Diese Löhne muss dann fast vollständig der Staat stemmen.

Private Vorsorge statt neue Staatsversprechen

Der Verband der Privaten Krankenversicherung warnt deshalb vor der Einführung eines Pflege-Deckels. PKV-Chef Thomas Brahm fordert stattdessen mehr Eigenverantwortung und gezielte Förderung privater Vorsorge.

Genau das steht auch auf der Agenda der Bund-Länder-Kommission, die Warken ins Leben gerufen hat. Doch ob das politisch durchsetzbar ist?

Ein Deckel, der Druck macht – und keine Lösung ist

Fakt ist: Ein Pflege-Deckel mag kurzfristig für Entlastung sorgen. Langfristig aber erhöht er den Druck auf die Pflegeversicherung – und damit auf uns alle. Ohne strukturelle Reform wird daraus ein milliardenschweres Dauerproblem. Wer heute falsche Anreize setzt, riskiert, das System morgen komplett zu überfordern.

Politik
[InvestmentWeek] · 26.05.2025 · 16:00 Uhr
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