Pentagon-Putsch mitten im Iran-Krieg – Marine-Chef Phelan fliegt raus
US-Marinestaatssekretär John Phelan ist Insidern zufolge entlassen worden. Das US-Verteidigungsministerium teilte am Mittwoch (Ortszeit) in einer kurzen Erklärung lediglich mit, Phelan scheide mit sofortiger Wirkung aus dem Amt aus. Einen Grund nannte das Pentagon nicht. Der bisherige stellvertretende Staatssekretär Hung Cao übernehme die Leitung der Teilstreitkraft kommissarisch.
Zwei mit dem Vorgang vertraute Personen sagten der Nachrichtenagentur Reuters, Phelan sei unter anderem entlassen worden, weil er Reformen zur Beschleunigung des Schiffbaus zu langsam umgesetzt habe. Zudem habe er sich mit der Führung des Verteidigungsministeriums überworfen, darunter mit Verteidigungsminister Pete Hegseth, dessen Stellvertreter Steve Feinberg und Cao.
Einer der Insider verwies zudem auf eine Ethik-Untersuchung gegen Phelans Büro. Auch die „Financial Times" berichtete unter Berufung auf einen Insider, Phelan sei entlassen worden.
Entlassung mitten in der Seeblockade
Der Schritt erfolgt inmitten der Seeblockade der Straße von Hormus und einer fragilen Waffenruhe im Irankrieg. Wie plötzlich die Entscheidung kam, zeigte sich auch daran, dass Phelan noch am Vortag vor einer großen Versammlung von Marineangehörigen und Vertretern der Rüstungsindustrie auf der jährlichen Navy-Konferenz in Washington über seine Agenda gesprochen hatte.
Einen Tag später: weg. Keine Erklärung, keine Übergangsphase. Die US-Marine, die derzeit eine der kritischsten Missionen seit Jahrzehnten durchführt, verliert ihren zivilen Chef.
Durch die Straße von Hormus fließen etwa 20 Prozent des weltweiten Ölangebots. Die US-Marine blockiert die Meerenge, um den Iran wirtschaftlich zu würgen. Gleichzeitig hat der Iran zwei Schiffe beschlagnahmt. Die Lage ist explosiv.
Und genau in diesem Moment entlässt das Pentagon den Mann, der für die Navy verantwortlich ist. Ein Timing, das Fragen aufwirft.
Trump-Spender ohne militärische Erfahrung
Phelan hatte zuvor weder im Militär gedient noch eine zivile Führungsrolle innerhalb der Streitkräfte inne, bevor US-Präsident Donald Trump ihn Ende 2024 als Staatssekretär nominierte. Er war ein wichtiger Spender für Trumps Wahlkampf und Gründer der Investmentfirma Rugger Management LLC.
Ein Milliardär ohne jede Marine-Erfahrung als oberster ziviler Chef der US-Flotte. Diese Personalie war von Anfang an umstritten. Kritiker warfen Trump vor, das Amt als Belohnung für Wahlkampfspenden zu vergeben.
Dass Phelan nun entlassen wird, zeigt: Auch Loyalität zu Trump schützt nicht vor dem Rauswurf, wenn die Leistung nicht stimmt. Oder wenn man sich mit den falschen Leuten anlegt.
Die Vorwürfe sind brisant. Zu langsame Umsetzung von Reformen beim Schiffbau – in einer Zeit, in der die USA ihre Marine dringend modernisieren müssen, um mit China Schritt zu halten. Konflikte mit der Pentagon-Führung – ein Zeichen dafür, dass Phelan politisch isoliert war.
Und dann noch die Ethik-Untersuchung. Details wurden nicht genannt, aber der Verweis reicht, um den Ruf zu beschädigen.
Hegseth räumt das Pentagon auf
Der Abgang des Milliardärs Phelan, dem enge Verbindungen zu Trump nachgesagt werden, reiht sich in einen umfassenden personellen Umbruch im Pentagon unter Hegseth ein. Erst am 2. April hatte der Verteidigungsminister den Generalstabschef des Heeres, Randy George, ohne Angabe von Gründen entlassen.
Insidern zufolge hing diese Entscheidung mit Spannungen zwischen Hegseth und Heeresstaatssekretär Daniel Driscoll zusammen. Wieder keine offizielle Begründung, wieder ein hochrangiger Militär, der gehen muss.
Bereits im vergangenen Jahr waren der Vorsitzende des Generalstabs der US-Streitkräfte, C.Q. Brown, sowie der Chef der Marineoperationen und der stellvertretende Stabschef der Luftwaffe entlassen worden.
Eine beispiellose Säuberungswelle. Innerhalb weniger Monate hat Hegseth die oberste Führungsebene des US-Militärs ausgetauscht. Die Frage ist: Warum?
Drei mögliche Erklärungen bieten sich an. Erstens: Hegseth will ein gefügiges Pentagon, das seine Befehle ohne Widerspruch ausführt. Zweitens: Die bisherige Führung war tatsächlich inkompetent oder zu langsam. Drittens: Es gibt tiefgreifende strategische Differenzen über die Ausrichtung des US-Militärs.
Wahrscheinlich ist eine Mischung aus allen drei Faktoren. Hegseth gilt als Trump-Loyalist, der den Verteidigungsapparat auf Linie bringen soll. Gleichzeitig dürften tatsächliche Leistungsdefizite eine Rolle spielen.
Die Marine braucht Stabilität, bekommt aber Chaos
Der Personalwechsel fällt in die Zeit einer angespannten Waffenruhe mit dem Iran. Die USA verlegen derzeit weitere Marineeinheiten in den Nahen Osten, um eine Blockade gegen die Islamische Republik aufrechtzuerhalten.
Genau in dieser Phase verliert die Navy ihren zivilen Chef. Hung Cao übernimmt kommissarisch – aber kommissarisch bedeutet auch: ohne klare Perspektive, ohne volle Autorität.
Die US-Marine steht vor massiven Herausforderungen. Der Schiffbau läuft zu langsam, die Flotte altert, China baut rasant aus. Gleichzeitig muss die Navy im Pazifik, im Mittelmeer und jetzt auch in der Straße von Hormus präsent sein.
Was sie nicht braucht, ist ein Führungsvakuum. Aber genau das bekommt sie jetzt.
Die Entlassung Phelans sendet auch ein Signal an die restliche Pentagon-Führung: Niemand ist sicher. Wer sich mit Hegseth anlegt oder zu langsam liefert, fliegt raus.
Das mag kurzfristig für Disziplin sorgen. Langfristig schafft es eine Kultur der Angst, in der niemand mehr unbequeme Wahrheiten ausspricht.
Und in einem Kriegsszenario kann genau das tödlich sein.


