Pariser Angreifer hatte deutsche Sim-Karte im Handy

08. Januar 2016, 20:03 Uhr · Quelle: dpa

Paris (dpa) - Nach dem Angriff vor einer Pariser Polizeiwache haben die Ermittler eine deutsche Sim-Karte im Handy des erschossenen Bewaffneten gefunden. Das sagte der für Terrorismus zuständige Staatsanwalt François Molins am Freitag dem Radiosender France Inter, ohne nähere Details zu nennen.

Die Identität des Toten, der ein Bekenntnis zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bei sich hatte, war noch nicht abschließend geklärt.

Nach neuen Erkenntnissen könnte es sich um einen Tunesier handeln. Die französische Nachrichtenagentur AFP meldete unter Berufung auf Ermittlerkreise, er sei von seinem Umfeld erkannt worden. Eine offizielle Bestätigung gab es dafür zunächst nicht.

Der Mann war am Jahrestag des Anschlag gegen das Satiremagazin «Charlie Hebdo» auf zwei Polizisten zugelaufen und hatte ein Schlachterbeil gezogen. Er hatte eine gezeichnete Abbildung der IS-Flagge und ein Bekenntnis zu IS-Anführer Abu Bakr al-Baghdadi bei sich. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Mordversuchs und Terrorismus. In dem bei ihm gefundenen handschriftlichen Dokument setze der Angreifer seine Tat «in Bezug zu den Toten, die es im Moment in Syrien gibt».

Anhand seiner Fingerabdrücke identifizierten die Behörden ihn als einen Mann, der sich im Süden des Landes als Marokkaner ausgegeben hatte. Er wurde 2013 nach Angaben aus Ermittlerkreisen im Zusammenhang mit einem gemeinschaftlichen Diebstahl an der Côte d'Azur überprüft. Dabei gab er an, 1995 in Casablanca geboren zu sein. In dem bei ihm nun gefundenen Papier gab er sich aber als Tunesier aus, wie Molins sagte - was Zweifel an der ursprünglich genannten Identität auslöste.

Zu einer möglichen Spur nach Deutschland äußerte sich das Bundesinnenministerium in Berlin zunächst nicht. Zu Einzelheiten von Ermittlungen französischer Behörden könne man keine Stellung nehmen, sagte ein Sprecher auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Die Behörden beider Länder tauschten sich in dem Fall eng aus.

Nach Molins Einschätzung haben die Polizisten zurecht und aus Notwehr geschossen. Sie hätten den Mann mehrfach zum Stehenbleiben aufgefordert. Selbst nachdem der erste Schuss ihn getroffen hatte, habe er sich weiter auf sie zubewegt. Nach der Tat am Donnerstag hatte die Staatsanwaltschaft mitgeteilt, dass der Mann «Allah ist groß» gerufen habe und eine Sprengsatz-Attrappe bei sich trug.

Frankreich war im vergangenen Jahr mehrfach Ziel islamistischer Attentäter, derzeit gilt deshalb der Ausnahmezustand. Bei den Anschlägen auf «Charlie Hebdo», eine Polizistin und einen koscheren Supermarkt hatten Terroristen im Januar 2015 in Paris insgesamt 17 Menschen getötet. Im November wurden bei zeitgleichen Anschlägen in Paris und Saint-Denis 130 Menschen ermordet.

Terrorismus / Frankreich
08.01.2016 · 20:03 Uhr
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