Overwatch-Mitgründer Jeff Kaplan enthüllt: Ein einziges Meeting mit Blizzards Finanzchef besiegelte seinen Abgang
Jeff Kaplan hat Overwatch miterschaffen, jahrelang geprägt und irgendwann den Rücken gekehrt – doch die wahren Hintergründe seines Abgangs blieben lange im Dunkeln. Nun hat er in einem ausführlichen Interview erstmals offen über das Erlebnis gesprochen, das ihn endgültig brechen ließ. Und die Geschichte, die er erzählt, ist erschreckend aufschlussreich.
Die Overwatch League: Ambition trifft auf Größenwahn
Um zu verstehen, was Kaplan letztlich zur Aufgabe trieb, muss man den Aufstieg und Fall der Overwatch League begreifen. Die Idee klang zunächst verlockend: eine professionelle Esports-Liga rund um Overwatch, mit stadtgebundenen Teams, großen Live-Veranstaltungen und einer langfristigen Infrastruktur. Doch das Projekt wurde intern maßlos überverkauft – gegenüber Investoren kursierten Prognosen, die Liga könnte es eines Tages mit der NFL aufnehmen. Solche Versprechen zogen vermögende Geldgeber an, die ihrerseits Renditeerwartungen mitbrachten. Das ursprüngliche Geschäftsmodell mit Ticketverkäufen und Merchandise brach schnell zusammen – eine Londoner und eine Shanghaier Mannschaft in derselben physischen Arena? Schlicht nicht umsetzbar. Was blieb, war der verzweifelte Blick auf Overwatchs Einnahmen im Livebetrieb. Laut Kaplan habe man sich damals gefragt, was man dem Spiel noch entlocken könne – und der Entwicklungsalltag sei zunehmend dem Diktat schnellen Geldverdienens gewichen. Neue Helden, neue Karten, Events für die Community – all das trat in den Hintergrund, während Overwatch 2 gleichzeitig vorangetrieben werden sollte. Kaplan beschrieb diesen Zustand als bloßes „Wasser treten“, ohne echten kreativen Fortschritt.
Das Meeting, das alles veränderte
Den endgültigen Ausschlag gab ein Gespräch, das Kaplan als den schlimmsten Moment seiner gesamten Laufbahn bezeichnet. Der damalige Finanzchef von Activision Blizzard bestellte ihn in sein Büro und konfrontierte ihn mit konkreten Umsatzvorgaben für Overwatch – verbunden mit der Drohung, dass bei Nichterreichen dieser Ziele tausend Mitarbeiter entlassen würden. Und das, so wurde ihm beschieden, läge dann in seiner Verantwortung. Kaplan schilderte diesen Moment als surreal und zutiefst erniedrigend. Jahrzehntelang hatte er geglaubt, Blizzard sei sein Lebenswerk – ein Ort, von dem er sich nicht vorstellen konnte, ihn je zu verlassen. Dieser eine Satz des Finanzchefs zerstörte diese Vorstellung vollständig. Besonders bitter: Der Vergleich mit Fortnite, der im selben Atemzug fiel. Als würde man einfach 1.400 Entwickler einstellen und das Spiel kostenlos anbieten – schon würden die Millionen fließen. Kaplan ließ keinen Zweifel daran, wie absurd er diese Logik empfand.
Was aus Overwatch wurde – und wie es weitergeht
Kaplan verließ Blizzard 2021. Overwatch 2 erschien 2022 zunächst im frühen Zugang als kostenloses Spiel, bevor es 2023 offiziell an den Start ging. Mittlerweile hat Blizzard die „2″ aus dem Titel gestrichen und das Spiel wieder schlicht Overwatch genannt – ein Schritt, der symbolisch für den gesamten turbulenten Weg steht, den das Franchise seit seinen Glanzzeiten zurückgelegt hat. Verfügbar ist es auf PC, PS4, PS5, Xbox One, Xbox Series X/S, Nintendo Switch sowie der Nintendo Switch 2. Der Finanzchef, der Kaplan damals in diese Lage brachte, ist inzwischen nicht mehr bei Blizzard – eine Tatsache, die Kaplan in seinem Interview mit spürbarer Genugtuung erwähnte.


