Ost-West-Konflikt um Milliarden: Gelingt der Kohle-Frieden?

15. Januar 2020, 20:10 Uhr · Quelle: dpa

Berlin (dpa) - Das Feilschen um den Kohleausstieg kommt voran. Bundesregierung und Braunkohle-Unternehmen sind sich über einen Plan fürs Abschalten der Kraftwerke weitgehend einig, wie die Deutsche Presse-Agentur am Mittwoch aus Verhandlungskreisen erfuhr.

Die vier betroffenen Länder Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Sachsen sollten im Kanzleramt an Bord geholt werden. Dort kamen sie am Mittwochabend mit der Bundesregierung zusammen. Vorab forderten insbesondere die Ost-Länder Sicherheit für ihre Regionen - und warnten vor einem «Ost-West-Konflikt» beim Kohleausstieg.

Spätestens 2038 soll für den Klimaschutz Schluss sein mit der Stromgewinnung aus Kohle in Deutschland. Dafür hat eine breit besetzte Kohlekommission schon vor rund einem Jahr ein Konzept vorgelegt. Die vier Kohleländer sollen insgesamt 40 Milliarden Euro Hilfen für den Umbau ihrer Wirtschaft und neue Jobs bekommen.

Für Steinkohle-Kraftwerke soll es zunächst Ausschreibungen geben, so dass Betreiber sich aufs Abschalten gegen Entschädigung bewerben können. Komplizierter ist die Braunkohle, wo es auch um Tagebaue geht. Seit Monaten verhandeln Bund und Betreiber über milliardenschwere Entschädigungen. Eine Sprecherin von Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sagte, man habe sich «weiter aufeinander zubewegt».

Die Kohle-Länder forderten vor dem «Kohlegipfel» im Kanzleramt verbindliche Zusagen. «Unsicherheit ist das Schlimmste, was uns passieren kann», sagte Brandenburgs Regierungschef Dietmar Woidke (SPD). Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) verlangte Klarheit über die Milliardenhilfen für den Strukturwandel und warb für ein Sondervermögen: «So dass das Geld bereit liegt, egal, was passiert», sagte er. Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer (CDU) machte seine Zustimmung zum Kohleausstieg von der Einhaltung der Zusagen abhängig.

Greenpeace-Geschäftsführer Martin Kaiser appellierte an Kanzlerin Angela Merkel (CDU), Geld für den Strukturwandel nicht zuzusagen, ohne auch den Kohleausstieg festzuzurren. «Knicken Sie heute Abend nicht vor dem Gebrüll der Ministerpräsidenten nach mehr Geld ohne Leistung ein!», schrieb er auf Twitter. BUND-Chef Olaf Bandt forderte, stetige Abschaltungen müssten per Gesetz festgelegt werden.

Bayern forderte die Kohleländer auf, den Blick für das «rechte Maß» zu behalten. «Mit den zugesicherten Finanzrahmen gehen wir bereits weit über das hinaus, was man gegenüber den Beschäftigten von anderen Branchen, die ebenfalls mit strukturellen Problemen zu kämpfen haben - zum Beispiel die Automobilindustrie - noch ernsthaft vertreten kann», sagte Staatskanzlei-Chef Florian Herrmann (CSU) der dpa.

Umstritten war auch, ob das neue Steinkohle-Kraftwerk Datteln 4 in NRW ans Netz darf. Betreiber Uniper hatte vorgeschlagen, dafür etwa das Braunkohle-Kraftwerk in Schkopau in Sachsen-Anhalt früher abzuschalten - zum Ärger des dortigen Ministerpräsidenten Reiner Haseloff (CDU). «Jetzt haben wir einen echten Ost-West-Konflikt», sagte er im ZDF-«Morgenmagazin». Klimaziele müssten erreicht werden, aber fast die gesamte CO2-Ersparnis nach der Wiedervereinigung komme aus Ostdeutschland. Es könne nicht sein, dass man jetzt noch mal bluten» solle. Aus Verhandlungskreisen erfuhr die dpa, dass Schkopau auf keinen Fall wie befürchtet bereits 2026 vom Netz gehen soll.

«Der Kohleausstieg droht, Ost und West neu auseinander zu treiben», warnte Linke-Fraktionschef Dietmar Bartsch. Die Milliarden müssten für neue Jobs statt für Entschädigungen der Energiekonzerne ausgeben werden. «Beschäftigte dürfen nicht zu den Verlierern und Konzerne zu den Gewinnern gemacht werden», sagte er der dpa. Der Parlamentarische Geschäftsführer der FDP, Marco Buschmann, kritisierte, man habe beim Kohleausstieg den «teuersten möglichen Weg» gewählt. Für die Grünen sagte Fraktionschef Anton Hofreiter, es gehe nicht, dass der Bund «den Konzernen uralte, längst abgeschriebene Kraftwerke, die längst - auch per Gesetz - stillgelegt werden könnten, noch mal vergoldet.»

Für den Strukturwandel in den Kohleregionen wie der Lausitz und dem Mitteldeutschen Revier mit Tausenden Jobs hatte die Bundesregierung bereits Hilfen von insgesamt mehr als 40 Milliarden Euro zugesagt - etwa für den Bau neuer Straßen und Bahnstrecken oder die Förderung von Firmenansiedlungen. Das Gesetz dazu ist aber noch nicht beschlossen und ist zudem ans Kohleausstiegsgesetz gekoppelt - das wiederum an den Verhandlungen mit den Braunkohle-Betreibern hängt.

Bei den Gesprächen im Kanzleramt soll es auch um ein Anpassungsgeld für Kohle-Beschäftigte ab 58 Jahre gehen, die im Zuge des Kohleausstiegs die Zeit bis zum Renteneintritt überbrücken müssen. Die Industrie fordert außerdem Kompensationen für steigende Strompreise. Beides hatte die Kohlekommission empfohlen.

Energie / Klima / Kohle / Dietmar Woidke / Ausstieg / Deutschland
15.01.2020 · 20:10 Uhr
[4 Kommentare]
Zapfsäule (Archiv)
Berlin - Die Linke beantragt im Bundestag, dass die Regierung ein Gesetz zur "Übergewinnsteuer" und einen Spritpreisdeckel bei Mineralölkonzernen vorlegt. Die Einnahmen sollen in die Neuauflage des 9-Euro-Tickets und ein Energiekrisengeld für jedermann fließen - so steht es in einem Antragsentwurf für die Fraktionssitzung der Linken an diesem Dienstag, […] (00)
vor 3 Minuten
Zendaya hat zugegeben, dass 'viele Menschen' in ihrem Umfeld von gefälschten KI-Fotos ihrer angeblichen Hochzeit mit Tom Holland getäuscht wurden.
(BANG) - Zendaya hat zugegeben, dass "viele Menschen" in ihrem Umfeld von gefälschten KI-Fotos ihrer angeblichen Hochzeit mit Tom Holland getäuscht wurden. Die 29-jährige Schauspielerin äußerte sich nicht direkt zu Berichten, dass sie und ihr ebenfalls 29-jähriger Verlobter heimlich geheiratet haben sollen. Sie reagierte jedoch auf die viralen Bilder, […] (01)
vor 3 Stunden
Herrenrasierer liegen in der Filiale des Elektronikmarkts
Hannover/Berlin (dpa/tmn) - Wenn möglich, sollten Kunden und Kundinnen bei einer Reklamation immer die Gewährleistung in Anspruch nehmen. So rät es das Fachportal « heise online ». Die Gewährleistung gilt ab Kaufdatum für zwei Jahre. Wichtig: Ansprechpartner ist immer der Verkäufer, nicht der Hersteller des Produkts. Gewährleistung statt Garantie nutzen […] (00)
vor 12 Minuten
Marathon: Bungie gibt Fehler bei der Hörweite zu und kündigt schnelle Korrekturen an
Bungies Marathon hat seit seinem Erscheinen für viel Gesprächsstoff gesorgt – mal wegen seiner eigenwilligen Spielstruktur, mal wegen seiner unverkennbaren Atmosphäre. Nun hat der Entwickler öffentlich eingeräumt, dass eine der jüngsten Anpassungen übers Ziel hinausgeschossen ist. Was zunächst wie eine durchdachte Verbesserung wirkte, entpuppte sich im […] (00)
vor 2 Stunden
RTL abwartend, Produzent pessimistisch: Zukunft von «Cobra 11» sehr ungewiss
Zwar starteten kürzlich im Streaming neue Folgen - allerdings lagen diese noch von 2024 auf Halde. Produziert wurde seitdem nicht mehr. Anlässlich des 30-jährigen Bestehens hat RTL zwei neue Filme von Alarm für Cobra 11 – Die Autobahnpolizei im Streaming veröffentlicht. Die 90-minütigen Produktionen „Blutsbande“ und „Die Jägerin“ sind seit dem Mittwoch, 11. März 2026, bei RTL+ verfügbar. […] (00)
vor 1 Stunde
 Hansi Flick
Barcelona (dpa) - Hansi Flick steht kurz vor einer vorzeitigen Vertragsverlängerung beim FC Barcelona. Die weitere Zusammenarbeit mit dem früheren Bundestrainer wollen die Katalanen in Kürze bekanntgeben, wie Barça-Präsident Joan Laporta beim Sender «RAC1» erklärte. «Wir alle haben die Absicht, den Vertrag zu verlängern. Hansi ist ebenfalls dafür.» Der […] (01)
vor 1 Stunde
VW-Beben in China: Der Totentanz der Elektro-Subventionen stürzt BYD vom Thron
Lange sah es so aus, als sei das Schicksal von Volkswagen im Reich der Mitte besiegelt. Der einst unangefochtene Platzhirsch wirkte gegen die elektrische Übermacht von BYD wie ein Fossil aus einer vergangenen Ära. Doch im Frühjahr 2026 wendet sich das Blatt mit einer Wucht, die Analysten den Atem raubt. VW ist zurück an der Spitze – nicht etwa durch ein […] (00)
vor 24 Minuten
Bildungsarbeit im künstlerischen Tanz stärken
Dortmund, 17.03.2026 (lifePR) - Der Deutsche Berufsverband für Tanzpädagogik (DBfT) erweitert sein Engagement in der professionellen Bildungsarbeit und setzt damit ein klares Zeichen für Qualität, Verantwortung und Zukunftsfähigkeit im Bereich der Tanzpädagogik. Mit zwei unterschiedlichen, aber eng miteinander verbundenen Bildungsangeboten – der Weiterbildung TPZ – Tanzpädagogisches Zertifikat […] (00)
vor 1 Stunde
 
water dip wallpaper
Dienstag mit Wolken und teils Trockenheit Am Dienstag prägen oft dichte Wolken den Himmel, […] (01)
Polizeiabsperrung (Archiv)
Raunheim - In Raunheim im südhessischen Kreis Groß-Gerau sind in der Nacht zum […] (00)
Frauen mit Kleinkindern (Archiv)
Wiesbaden - Die Geburt von Zwillingen, Drillingen oder Vierlingen ist ohnehin selten […] (02)
Bundesanwaltschaft
Karlsruhe (dpa) - Die Bundesanwaltschaft lässt seit dem Morgen die Räumlichkeiten […] (00)
trading, investing, stocks, options, dow, nasdaq, downtown, profit, tesla, bitcoin
Der XRP Ledger (XRPL) hat laut Daten des On-Chain-Analyseunternehmens Santiment mit […] (00)
Doku über Hawaii - und acht Prozent sind nur dabei
Im weiteren Verlauf kam im Ersten kein «Hart aber fair», sondern Zamperoni mit «Die 100». Im […] (00)
VfB Stuttgart - RB Leipzig
Stuttgart (dpa) - Im engen Rennen um einen Champions-League-Platz hat der VfB […] (04)
Eine Frau hält das Motorola Signature in der Hand
Berlin (dpa/tmn) - Chic, flach, irgendwie anders - das können sie bei Motorola. […] (01)
 
 
Suchbegriff