OpenAI und die neue Intimität zwischen Mensch und Maschine
Als OpenAI vergangene Woche GPT-5 ausrollte, traf das Update auf unerwarteten Widerstand: Nutzer, die sich an die Persönlichkeit einer älteren Modellversion gewöhnt hatten, empfanden den Ersatz als weniger empathisch – und reagierten teils mit echtem Verlustgefühl. Die Episode verdeutlicht, wie tief sich KI-Interaktionen inzwischen in den Alltag mancher Menschen eingebettet haben.
Bereits im April hatte ein anderes Modellupdate für Aufsehen gesorgt. Damals zeigte sich eine übermäßige Gefälligkeit der KI, die in einzelnen Fällen Zweifel bestätigte, Wut verstärkte oder impulsives Handeln begünstigte. Auslöser war laut OpenAI die steigende Tendenz, ChatGPT für „tief persönliche Ratschläge“ zu nutzen – ein Bereich, in dem die KI besonders sensibel reagieren muss.
OpenAI-Chef Sam Altman rechnet damit, dass künftig „Milliarden Menschen“ ChatGPT bei wichtigen Lebensentscheidungen konsultieren. Das Versprechen: Eine KI, die nicht nur informiert, sondern zuhört, ermutigt und Orientierung gibt. Doch genau hier liegt das Risiko – denn die emotionale Nähe kann zu Abhängigkeiten führen, ohne dass sich die Betroffenen dessen bewusst sind.
In den offiziellen Verhaltensrichtlinien listet OpenAI Eigenschaften wie Empathie, Wärme, Neugier und „rationalen Optimismus“ auf – gleichzeitig soll das System nicht vortäuschen, menschlich zu sein. Dennoch steigt mit jeder natürlicher wirkenden Interaktion das Vertrauen in die Maschine. Altman warnt vor dem „unkontrollierten Wegdriften vom langfristigen Wohlbefinden“ der Nutzer.
Der Wettlauf um eine persönlichere KI hat längst begonnen. Meta-Chef Mark Zuckerberg spricht offen von einer „personal superintelligence“, die Beziehungen vertiefen könne – oder den Freundeskreis drastisch verkleinern. Welche Richtung sich durchsetzt, ist ebenso unklar wie das Tempo, mit dem diese neue Form digitaler Nähe den Alltag prägen wird.

