Ölpreis stürzt nach symbolischer iranischer Vergeltung – Markt atmet auf, bleibt aber nervös
Brent und West Texas Intermediate (WTI) erlebten am Montag eine der volatilsten Handelssitzungen des Jahres. Binnen Stunden schwankten die Preise um bis zu 10 US-Dollar pro Barrel, bevor WTI schließlich über 7 % auf unter 70 US-Dollar absackte. Ausschlaggebend: Die iranische Reaktion auf US-Luftangriffe auf Nuklearanlagen blieb oberflächlich – und verschonte kritische Energieinfrastruktur.
Der Rückgang folgte auf eine kurze Phase der Erholung, in der Marktteilnehmer zunächst eine Ausweitung des Konflikts und mögliche physische Angebotsausfälle durch eine Schließung der Straße von Hormus befürchtet hatten. Etwa ein Fünftel des globalen Ölflusses passiert diesen Nadelöhr zwischen Iran und Oman. Dass Iran diesen Schritt bisher nicht vollzogen hat, wurde als bewusst deeskalierend interpretiert.
„Die Angriffe auf die US-Basis in Katar waren eher symbolisch – ein Signal statt einer echten Eskalation“, sagte Pavel Molchanov von Raymond James. Katar bestätigte den Abschuss von Raketen auf den Stützpunkt Al Udeid, jedoch ohne Schäden oder Verletzte. Beobachter gehen davon aus, dass die USA über die Angriffe im Vorfeld informiert waren. Rebecca Babin, Senior Trader bei CIBC Private Wealth, sprach von einem „face-saving move“.
Gleichzeitig rücken strukturelle Risiken wieder in den Fokus. Der iranische Ölfluss über den Golf blieb bislang stabil – laut Daten steigen die Exporte sogar. Dennoch schwebt das Risiko einer Eskalation wie ein Damoklesschwert über dem Markt: Das iranische Parlament forderte laut staatlichen Medien erneut die Schließung der Straße von Hormus – ein Schritt, der ohne Zustimmung von Ayatollah Khamenei kaum denkbar ist.
Die geopolitischen Spannungen treffen auf einen ohnehin nervösen Markt. Der Optionshandel im Ölsektor zog seit Beginn der israelischen Angriffe auf iranische Ziele deutlich an, ebenso wie die sogenannte „prompt spread“ bei WTI, die kurzfristige Angebotsengpässe signalisiert. Diese weitete sich zunächst deutlich aus, bevor sie wieder zurückfiel – ein Zeichen für kurzfristige Entspannung, aber anhaltende Nervosität.
Auch andere Energiemärkte gerieten ins Wanken. Diesel-Futures in New York stiegen zunächst auf den höchsten Stand seit über einem Jahr, bevor sie im Tagesverlauf um rund 7 % fielen. In Europa, das stark von Lieferungen aus dem Nahen Osten abhängt, reagierten die Märkte ähnlich erratisch.
Parallel meldeten mehrere Golfstaaten – darunter Kuwait, Bahrain und Irak – temporäre Luftraumsperrungen, was auch die Nachfrage belastete. Die USA bemühten sich unterdessen um Marktberuhigung: Präsident Trump forderte öffentlich mehr Ölproduktion, Energieminister Chris Wright kündigte entsprechende Maßnahmen an.
Die OPEC+ könnte in dieser Situation erneut zum Zünglein an der Waage werden. Zwar hatten die Mitgliedsstaaten zuletzt Drosselungen gelockert, um Marktanteile zurückzugewinnen, verfügen aber weiterhin über nennenswerte Reservekapazitäten. Ein koordiniertes Eingreifen wird jedoch unwahrscheinlicher, solange Unsicherheit den Markt bestimmt und politische Spannungen die Prioritäten dominieren.

