Ölpreis-Kapriolen: Geopolitik hält Märkte in Atem
Nach einem abrupten Preissprung in der Nacht auf Montag verharren die Ölpreise auf einem nervösen aber kontrollierten Niveau. Eine kurzfristige Verteuerung zog die nordische Sorte Brent auf 81,40 US-Dollar je Barrel und markierte damit den höchsten Stand seit Januar. Zurzeit notiert Brent jedoch deutlich moderater bei 76,90 Dollar und liegt somit leicht unter dem Niveau vom vergangenen Freitag. Ebenso verzeichnete der US-amerikanische WTI einen Rückgang auf 73,68 Dollar je Barrel.
US-Präsident Donald Trump mischte sich prompt via Social Media in das Marktgeschehen ein und pochte auf stabile und niedrige Preise. "Haltet alle die Ölpreise unten", war sein Appell, gefolgt von dem unmissverständlichen Zusatz: "Ich beobachte euch". Diese unverblümte Forderung fügt sich in die ohnehin prekäre Situation im Nahen Osten ein. Seit der Eskalation des Konflikts zwischen Israel und dem Iran Mitte Juni haben die Ölpreise einen bemerkenswerten Auftrieb erfahren.
Die jüngste Beteiligung der USA am militärischen Schlagabtausch gegen den Iran nährt internationale Befürchtungen über eine mögliche Ausweitung des Kriegs, der den Schiffsverkehr in der strategisch essenziellen Meerenge von Hormus gefährden könnte. Eine Blockade dieser Transitroute, die den Persischen Golf vom Arabischen Meer trennt, wird von Experten als potenziell preistreibender Faktor eingeschätzt, wobei Ökonomen von möglichen Notierungen über 100 Dollar je Barrel sprechen.
Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING Bank, gibt jedoch zu bedenken, dass Iran eine Eskalation vermeiden wird, um den asiatischen Markt und insbesondere China nicht unnötig zu verärgern. „Das Unterbrechen von Öllieferungen könnte für die asiatischen Empfänger problematisch werden, weshalb Iran hier mit Bedacht handeln sollte“, so seine Einschätzung.

